An der Lebensmeile Lenne- und Kirchstraße

Altenaer Handel im Wandel: Die Jürgens erinnern sich 

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Wolfgang und Sigrid Jürgens in ihrem historischen Wohnhaus mit den drei Hausnummern am Küstersort. Sie kennen die ganze Handelsgeschichte der Stadt Altena, jedes Burgstädter Original und hübsche Geschichten von anno dazumal.

Altena - „Komm, Bönnecken!“ Diese klare Ansprache richtete sich nicht etwa an den Caféhausbesitzer gleichen Namens, der beim heutigen Ladenlokal von ehemals Blumen Knoop an der unteren Lennestraße ein Café betrieb. Der Dackel-Mix des Mannes trug ebenfalls seinen Namen.

Noch heute müssen Sigrid und Wolfgang Jürgens schmunzeln, wenn sie an die Begegnungen mit dem Geschäftsmann denken. Das Paar (78 und 75 Jahre alt) wohnt im historischen „Haus mit den drei Hausnummern“ am Küstersort und hat ein paar Schritte unweit der „Lebensmeile Lenne- und Kirchstraße“ so ziemlich alles erlebt, „was sich dort geschäftsmäßig getan hat.“ Jürgens Vater Paul betrieb selbst ein Obst- und Gemüsegeschäft an der Werdohler Straße. „Wir haben die ganze Stadt beliefert“, erinnert sich Wolfgang Jürgens.

Im Jahre 1910 entstand dieses Foto der Buch- und Schreibwarenhandlung, Buchbinderei und Bilderrahmungen Friedrich Katerlöh

Und an die Zeit, als er Kartoffeln oder Gemüse ausliefern musste „in die zahlreichen Kneipen der Stadt. Da konnte ich manchmal kaum noch stehen. So zehn Pils, zehn Kurze waren gar nichts. Jeder wollte mir gut...“, sagt er. „Das ist 100 Jahre her, deshalb kann ich es jetzt ja beruhigt erzählen.“ 

Apropos erzählen: Die Plauderstunde mit den beiden Poalbürgern ist vor allem eins: Unterhaltsam und spaßig. „Wenn wir alle Geschäfte aufzählen sollten, die es einmal in der Innenstadt gegeben hat, säßen wir noch heute Abend hier“, lassen sie beim AK-Besuch fallen. Heute heiße leider die Devise: „Verkaufsoffener Sonntag? Ja, alle fünf Geschäfte hatten geöffnet“, merkt Wolfgang Jürgens bissig und ein bisschen traurig an. 

In der Fotokiste des Paares gibt es noch zahlreiche Aufnahmen. Aber auch im Archiv von Ulrich Biroth, dem Kreisarchivar. Und der sprang sofort auf den „Hasen am Eingang“ an. Gemeint war an sich das Feinkostgeschäft von „Onkel Hermann“, das Jürgens Verwandter gemeinsam mit zwei Schwestern dort betrieb, wo heute im Lennekai Gäste bewirtet werden.

Geschäft von Ferdinand Sichelschmidt am Eingang der Lennestraße vom Markaner aus. Aufgenommen etwa 1910. Mit toten Hasen!

Wolfgang Jürgens: „Zur Jagdsaison hingen dort immer geschossene Hasen an der Tür. Die liefen gut. Später haben wir sogar die Felle gesammelt, getrocknet und für 30 Pfennig das Stück verkauft. Bei 200 Stück pro Saison kam da ganz gut etwas zusammen.“ 

Sigrid Jürgens erinnert sich an die Kette Nordsee, die es einmal in Altena gab oder in jüngerer Zeit den Ausstatter Bonita. Von Blumen Kalf (heute Castello-Pizzeria) über Metzger Siepmann gegenüber oder das Café Dunkel (heute Ko) und das Café Dudika gleich nebenan (Aufgang zur Burg) - „alle konnten existieren. Das war schon interessant“, erzählt das Paar. 

Ob Café Bönneken, Elly Hosse mit ihrem Haushaltswarengeschäft oder Schreibwaren Winkelkötter (heute Kunst Ülle), die Jürgens erinnern sich genau. Es sind die Geschichten, die den Rückblick so spannend machen. „Elly Hosse hatte zum Beispiel alles vom Ofenrohr bis zu Nägeln. Sie selbst trug einen langen Stahlnagel als Spange im Haar. Nur Rechnen konnte sie nicht.

1915 entstand dieses Foto des Möbelhaus Reinhold Hinne an der Lennestraße 30.

Die Frau hat immer gesagt: ,Nimm mit, komm in acht Tagen wieder, dann weiß ich, was das kostet.’“ Paula Tesche (Ledergeschäft), das Kaufhaus Böhrer („dort gab es vom Keller bis zum Dach einfach alles für den Haushalt“) oder Otto Thalhäuser, der „die“ Kneipe am Ort betrieb, Jürgens lächelt. Und heute? „Wir selbst kaufen nicht im Internet. 

Wir haben gar keinen Anschluss. Was wir benötigen, gibt es in dem neuen Kühl-Laden, Lagerverkauf Tonelli oder bei Tante Carola und in Nachrodt. Die Rahmede liegt da viel zu weit weg.“ Beide bedauern, dass so viele Läden geschlossen haben. „Aber Altena war ja einmal bedeutend größer.“ Fündig werden die beiden Senioren beim Einkauf sogar noch im Stapelcenter:. „Da kann man gut Brot einkaufen!“

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