Freunde der Burg zu Gast bei Holger Lüders im Museumsdepot

Hüter geduldiger Kunstwerke

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Holger Lüders empfing am Mittwochabend die Mitglieder der Freunde der Burg in den Museumsdepots. Die Förderer der des Denkmals interessierten sich sehr für die Exponate. Viele davon wurden schon an andere Museen verliehen.

Altena - Die Freunde der Burg hatten dem Termin lange entgegengefiebert: Manch lang nicht mehr gesehenes Objekt wollten sie Wiederentdecken bei einer Führung mit Museumsrestaurator Holger Lüders und Jahrespraktikantin Sina Petermann. Das Team im Depot von Drahtmuseum und Burg kümmert sich um die fachgerechte Lagerung und den Erhalt der kunsthistorischen Exponate. Ganz frisch im Bestand ist ein Schriftstück von 1341.

Holger Lüders geht mit dem Testament des Levold von Northof so zärtlich um, wie mit einem Neugeborenen. Ganz frisch hat er es von einem Kölner Papierrestaurator zurückerhalten. Es ist wieder lesbar und entknittert.

Klimarahmen

Damit ihm nie wieder etwas zustoßen kann, ist das Schriftstück des Geschichtsschreibers der Grafschaft Mark in einem Klimarahmen dauerhaft untergebracht. An einem Hydrometer lässt sich immer feststellen, ob es dem wertvollen Papier gut geht. Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski juchzt vor Freude: „Das ist von nun an das älteste Exponat im Altenaer Museumsbestand!“ Wie leicht ein Ausstellungsstück so einen Titel wieder verlieren kann, erlärt Museumsrestaurator Holger Lüders anhand eines Topfhelms, von dem lange Zeit geglaubt wurde, das er das älteste Stück von der Wulfsegge sei. Infragegestellt worden war das bereits im Jahr 1926. 2010 meldete sich ein New Yorker Professor bei Holger Lüders an und bat um eine Untersuchungsgelegenheit.

Hölzerne Truhe - einfach, aber nicht uninteressant fürs Depot.

„Es stellte sich dabei heraus, dass der Helm eine neuzeitliche Replik war, die einem künstlichen Alterungsprozess unterzogen worden war - das war’s dann mit dem Status als ältestes Exponat!“ berichtete Lüders am Mittwoch. Obwohl er bereits jedes Teil im Museum und auch in den Depots schon in der Hand gehalten hat, gibt es noch immer ungeklärte Fälle. Exemplarisch hat er ein Portrait des Künstlers Heribert Fischer-Geising rausgesucht.

Sehr eindrucksvoll

Ein durchaus eindrucksvolles Gemälde, dem stilistische Techniken Vincent van Goghs zugeschrieben werden. „Aus welchem Grund es aber bei uns gelandet ist, kann niemand zurückverfolgen. Bis jetzt ist kein einziger Bezug zu Altena, zum Kreis oder der Grafschaft Mark hergestellt worden“, erklärt der Restaurator schulterzuckend. Damit so etwas nicht wieder passiert, erhält heute alles, was neu reinkommt, eine Katalognummer. Mit Sina Petermann, der aktuellen Praktikantin im Freiwilligen Sozialen Jahr, arbeitet er Hand in Hand bei der Erfassung. Petermann ist auch zuständig für das Exponat des Monats.

Sie kam einst aus Altena und ist nun durch den Verkauf des Wefer-Nachlasses wieder da: Diese Standuhr fertigte um 1810 der Altenaer Uhrmacher Johann Wilhelm Gerdes.

Dafür bestückt sie die einzige Vitrine in den Burgmuseumsräumen, die frei ist für wechselnde Objekte. Auf diesem Wege sind auch die beiden Heiligenfiguren aus dem 13. oder 14. Jahrhundert zu neuen Ehren gekommen, die einst aus der Valberter Kirche nach Altena gelangt waren. „Wir haben dafür auch neue Recherchen angestellt, um an weitere Informationen zu gelangen“, erläuterte Petermann. Depotstücke, die nicht in die Wechselvitrine passen, müssen dagegen oft Jahre auf ihren großen Auftritt warten und finden erst wieder öffentliche Beachtung, wenn ein anderes Museum sie entleihen möchte oder ein neues Museumskonzept in Burg und Drahtmuseum erstellt wird. Im Grafikarchiv sind momentan die alten Pläne des Altenaer Mädchenlyzeums von aktueller Brisanz.

Fassadensanierung

 „Sie werden in die Fassadensanierung miteinbezogen“, erklärt Holger Lüders. Zuvor werden diese Pläne noch gescannt, damit künftig mit diesen Kopien gearbeitet werden kann. „Die Originale sind sehr empfindlich, das Papier ist hauchdünn“, ergänzt der Restaurator, der über die Stadtplanerin Jutta Gruß-Rink an diese Zeichnungen gelangte. Solche Exponate dürfen natürlich keinen schädlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt sein. Für Textilien, dazu zählt ein Soldatenhut aus der napoleonischen Zeit, gibt es extra säurefreie Kartons zur Lagerung. Zudem wird fast nichts mit bloßen Händen angefasst: Das Überstreifen weißer Stoffhandschuhe ist die typische Handbewegung von Holger Lüders und Sins Üertermann.

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