Horrorunfall: Verursacher kommt mit Bußgeld davon

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Bei dem Unfall wurden mehrere Personen schwer verletzt.

Altena - Ein damals 64-jähriger Autofahrer, der am 25. September 2018 auf der B 236 einen schweren Unfall verursacht hat, kommt mit einer „nicht unerheblichen Geldbuße im vierstelligen Bereich“ davon, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Damit ist der Altenaer nicht vorbestraft, seinen Führerschein darf er auch behalten. 

Der Mann war in den frühen Morgenstunden in Richtung Werdohl unterwegs. Kurz vor dem Stortel wollte er in einem Zug drei Autos und einen Linienbus überholen. Dabei stieß er frontal mit einem entgegenkommenden VW Golf zusammen, in dem zwei 19-jährige Werdohler saßen. 

Alle Unfallbeteiligten wurden schwer verletzt, der 64-Jährige schwebte in Lebensgefahr. 

Der Verursacher und der Fahrer des Golfs wurden von den Rettungskräften zum Flugplatz Hegenscheid gefahren, wo sie von Rettungshubschraubern aufgenommen und in Spezialkliniken geflogen wurden. Weil es im Tal nebelig war, konnten die Hubschrauber nicht wie zunächst geplant am Langen Kamp landen. 

Verfahrenseinstellungen nicht unüblich

Verfahrenseinstellungen gegen Geldauflagen seien auch nach sehr schweren Unfällen nicht unüblich, wenn die Unfallverursacher nicht vorbestraft sind, erklärte Dr. Gerhard Pauli, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hagen, zu dem Vorgang. 

Natürlich geschehe das im Einvernehmen mit dem zuständigen Gericht. Und natürlich werde in solchen Fällen geprüft, ob eine besondere Schwere der Schuld vorliegt. 

Zwei schlimme Unfälle, zweimal nur Geldbuße

Es ist bereits der zweite Fall dieser Art, der in den letzten Tagen bekannt geworden ist. Gegen eine Geldauflage eingestellt wurde auch das Verfahren gegen eine junge Frau, die im vergangenen Jahr mit ihrem Corsa auf der Lüdenscheider Straße vier Männer erfasste und so schwer verletzte, dass einer von ihnen zum Pflegefall wurde. Ihren Führerschein durfte sie wie auch der Verursacher des Unfalls am Stortel behalten. 

Ein Entzug der Fahrerlaubnis sei nur dann üblich, wenn eine Straftat vorliege, sagt Pauli. Solchen eher nachsichtigen Umgang mit den Verursachern schwerer Verkehrsunfälle sieht die Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland (VOD) kritisch, sagt deren Vorstandsmitglied Peter Schlanstein auf Anfrage unserer Zeitung. 

Opferschutz-Organisation kritisiert Beurteilung

Er bewertet eine Verfahrenseinstellung nach so schweren Unfällen als „sehr ungewöhnlich“, ohne den Fall jedoch im Detail zu kennen. Grundsätzlich vertrete seine Organisation die Auffassung, dass Verkehrsverstöße deutlich schärfer sanktioniert werden müssten. „Im internationalen Vergleich erscheint Deutschland als ein Billigland für Knöllchen“, meint er und nennt ein Beispiel. 

Wer innerorts mit 90 Stundenkilometern unterwegs ist, der nehme in Kauf, dass Fußgänger oder Radfahrer im Falle eines Unfalls getötet würden. Ein Bußgeld von 160 Euro und ein Monat Fahrverbot seien für solche Verkehrsverstöße zu wenig. 

Opferschützer fordern härtere Strafen

Unter dem Titel „Kleine Knöllchen passen nicht zu großen Gefahren“ veröffentlichte Schlanstein gemeinsam mit dem VOD-Vorsitzenden Wilfried Echterhoff im Januar einen Beitrag im Fachorgan „Zeitschrift für Verkehrssicherheit“. 

Darin schreiben sie, dass „im Vergleich der Sanktionen für allgemeine Kriminalität wie zum Beispiel Diebstahl oder Körperverletzung gegenüber Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten sogar mit Gefährdungen und Schädigungen anderer die Sanktionswaage schief hängt“. Der VOD fordere, „dass das Recht im Straßenverkehr durchgesetzt wird – vor allem, wenn in anderen Bereichen, die dem Mainstream entsprechen, deutlich spürbarer sanktioniert wird“. 

Kreis könnte aktiv werden

Schlanstein widersprach im Gespräch mit der AK-Redaktion auch der Auffassung der Staatsanwaltschaft, ein Führerscheinentzug sei nur dann möglich, wenn eine Verurteilung wegen einer Straftat vorliegt. Nach einem so riskanten Überholmanöver stelle sich grundsätzlich die Frage, ob der Fahrer zur Führung eines Kraftfahrzeuges geeignet sei. Das zu untersuchen könne auch der Kreis in seiner Eigenschaft als Straßenverkehrsbehörde veranlassen.

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