Homeschooling wird verlängert

Pandemie trifft das Bildungswesen hart

Homeschooling
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Fürs Homeschooling brauchen Schüler einen vernünftigen Internetanschluss.

Schulschließungen, Ausfall von Lehrern, Distanzunterricht: Die Pandemie trifft das Bildungswesen hart. „Diese Einschränkungen führen dazu, dass nicht alle Kompetenzen erreicht werden können, die eigentlich am Ende eines Schuljahres erreicht werden sollten“, meint Hans-Ulrich Holtkemper, der Leiter des Burggymnasiums in Altena.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde - Holtkemper geht einerseits davon aus, dass die meisten Schüler in der Lage sein werden, den Unterrichtsstoff nachzuholen. Andererseits weist er aber auch darauf hin, dass Schüler, die Defizite haben, schon zum Ende des Schulhalbjahres Ende Januar die Wiederholung des Schuljahres beantragen können. Sie wechseln dann zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres in die Klasse unter ihnen, also beispielsweise von der Klasse zehn in die Klasse neun.

Keine Anrechnung auf Höchstverweildauer

Wichtig ist: Wenn die Wiederholung bis zum Ende des Schulhalbjahres (also bis Ende Januar) beantragt wird, dann wird sie nicht auf die Höchstverweildauer an der Schule angerechnet. Höchstverweildauer heißt, dass Schüler für die Klassen sieben bis zehn höchstens sechs Jahre benötigen dürfen.

Eltern und Schüler sollten gemeinsam darüber nachdenken, ob eine solche Wiederholung ratsam ist, rät Holtkemper. Natürlich seien auch die Klassenlehrer und Stufenleiter bei der Entscheidungsfindung gern behilflich.

Tipps zum Homeschooling

In einem Brief an die Schulgemeinde gibt Holtkemper auch Tipps zum Homeschooling, also zum Lernen auf Distanz mit Hilfe von Tablets oder Computern. „Bitte überprüfen Sie mit den Kindern, ob die jeweiligen Geräte, Mikrofone und Headsets gut funktionieren“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem sei es wichtig, dass sich Geschwisterkinder, die parallel am Onlineunterricht teilnehmen, nicht gegenseitig stören.

Der Distanzunterricht wird am BGA häufig als Videokonferenz durchgeführt. Dabei sei es nicht immer möglich, dass die Lehrer sämtliche Schüler ihrer Klassen und Kurse im Blick behielten, erklärt Holtkemper. So könnten sie nicht erkennen, „ob jedes Kind während des Unterrichts konsequent am eigenen Arbeitsplatz bleibt“. Um so wichtiger sei es, dass Schule und Elternhaus die Lernmotivation der Schüler stärken.

Angriff auf das Rechenzentrum

Ganz und gar nicht gut für die Motivation sind natürlich technische Probeleme – und die gab es vor Beginn der Weihnachtsferien reichlich, wie Holtkemper berichtet. Ursache dafür waren Angriffe auf das Rechenzentrum der Südwestfalen IT, an die neben den Kommunen auch die Schulen angeschlossen sind. Logineo und Moodle – zwei für den Distanzunterricht wichtige Programme – hätten deshalb nur sehr eingeschränkt funktionert, schreibt der Schulleiter. Besser funktioniert habe die Videoplattform WebEx.

Ein weiteres Problem sind schwache Internetverbindungen, die laut Holtkemper „für die adäquate Teilnahme am Unterricht ein Hindernis darstellen“ könnten. Gut also, dass der Ausbau des Glasfasernetzes des Telekom in Altena so weit fortgeschritten ist wie in keiner anderen Stadt im Märkischen Kreis.

Lahme Leitung in Wiblingwerde

Wie sehr eine schlechte Internetverbindung das Lernen zuhause behindert, weiß Abiturientin Lina Handrup aus eigener Erfahrung. Die 17-jährige Wiblingwerderin sieht ein großes Problem in der schlechten Internetverbindung. Sie wohnt im Niggenhuser Hof. „Eigentlich geht es mit der Internetverbindung. Aber wenn alle gleichzeitig Homeschooling haben und noch viele im Homeoffice arbeiten, habe ich echt ein Problem“, sagt die Abiturientin. In Homeschooling-Zeiten arbeiten sie, ihre beiden Schwestern und ihr Vater gleichzeitig im Netz – und natürlich auch die Nachbarn. „Wenn ich dann sage, dass ich nicht in die Online-Konferenzen komme, weil mein Internet so schlecht ist, wird man ausgelacht und angemeckert, dass man das nur sagen würde, um nicht daran teilnehmen zu müssen“, berichtet Lina Handrup. Für ihre Mitschüler, die überwiegend aus Hagen kommen, sei dieses Problem einfach unvorstellbar.

BGA-Schulleiter Holtkemper kann das Problem nachvollziehen, vor allem wenn mehr als ein Hausbewohner auf eine Internetverbindung angewiesen ist. Als Extrembeispiel nennt Holtkemper einen Kollegen, der – wie fast alle Lehrer des BGA – den Distanzunterricht von zuhause aus organisiert. Er muss sich die Datenleitung mit Frau (ebenfalls Lehrerin) und drei Kindern (alle im Homeschooling) teilen.

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