Holocaust

Holocaust-Überlebende aus Israel sprechen über ihre Erlebnisse

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Die Gäste aus Israel brachten Geschenke mit.

Altena - Von schrecklichen Erlebnissen zur Zeit des Holocausts berichteten am Mittwoch zwölf Holocaust-Überlebende in Altena. Sie kamen aus Israel, viele betraten zum ersten Mal deutschen Boden. Im Rathaus sprachen sie mit Bürgermeister Hollstein über ihre Geschichte.

Zum 79. Mal jährt sich am Donnertsag, 9. November, die Reichskristallnacht, der Tag, an dem die systematische Verfolgung der Juden durch die Nazis begann. 

Die Pogrome mündeten in den Holocaust, der etwa 6 Millionen Juden das Leben kostete. Am Mittwoch besuchten zwölf Überlebende des Holocausts Altena und machten dabei auch im Rathaus Station. Unter ihnen befand sich auch Larissa Zakharov, geboren 1937 in der Ukraine und vermutlich letzte Überlebende des Gettos Balabanovka. Im August 1941 wurde sie mit ihrer Familie aus ihrem Haus vertrieben, weil sie Juden waren. Der Vater wurde eingezogen und kämpfte an der Front. 

Mit Mutter und Schwester sowie Großmutter, Tante und Onkel musste das damals vierjährige Mädchen in einer Kolonne aus anderen Juden aus der Stadt zweieinhalb Tage lang marschieren, um in das Getto zu kommen. Auf dem Weg dorthin wurde ihre Großmutter, die in der Hitze für kurze Zeit auf einem Pferdewagen mitgefahren war, zusammen mit Onkel und Tante vor den Augen des kleinen Mädchens erschossen. 

Die Menschen in den Gettos hungerten so sehr, dass sie Gras essen mussten

„In dem Getto haben wir die ganze Zeit gehungert, es gab nichts zu Essen. In den Frühlings- und Sommermonaten haben wir uns von Gras ernährt“, erzählte die zierliche Frau von ihren Erlebnissen. Zuletzt sei sie so ausgehungert gewesen, dass sie sich kaum mehr bewegen konnte. Ihre Mutter musste körperlich schwer arbeiten, musste graben und die Wäsche der deutschen Soldaten waschen. 

„Es gibt Tage, an denen man die Verpflichtung zur Wachhaltung von Gedanken besonders spürt. Heute ist so ein Tag“, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Geschichten wie die von Larissa Zakharov erinnerten daran, warum man sich engagiert, den Menschen hilft und mehr tut als man eigentlich müsste. „Viele jüngere Leute sagen, dass diese Zeit vorbei ist und so etwas nicht mehr passieren kann. Aber die Menschen, die aus Syrien herkommen, erzählen ganz ähnliche Geschichten“, sagte Hollstein. 

Es dürfe nicht noch einmal passieren, dass zum Beispiel Deutsche auf Russen schießen und Russen auf Deutsche. „Ich bin aufrichtig dankbar, dass sie hier sind. Sie sind hier sehr willkommen“, sagte Hollstein. Außerdem besuchten die Gäste aus Israel auch das BGA und sprachen dort mit den Schülern der Oberstufe (ausführlicher Bericht folgt).

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