Fertigstellungstermin steht

Burgaufzug: Die Kuh ist vom Eis

ALTENA ▪ Mittwoch, 17. Oktober, 11 Uhr im Zimmer 8 des Rathauses: Die Fernsehkamera surrt, die Aufnahme-Mikrofone der Rundfunk-Reporter knistern und die Stifte der „schreibenden Zunft“ kratzen über das Papier. Der Medienauftrieb hat nur einen Grund: Es geht (mal wieder) um das Altenaer Jahrhundert-Projekt – den Burgaufzug.

Der Bürgermeister mit den Planern. ▪

Gleich vorweg: Ein nicht nur gut aufgelegter, sondern souveräner Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein kontert im Beisein seines Projektverantwortlichen Roland Balkenhol und des ebenfalls für die „in Europa einzigartige Baustelle“ zuständigen Ingenieurs Sebastian Jülich die nach dem Stopp der Bauausschreibungen aufgekommene Skepsis und Kritik in der Stadt. Auch Michael Löffler vom Tunnelgeneralplaner CDM bestätigt:

  • „1. Die Kosten bleiben im vorgesehenen Rahmen.
  • - 2. Der Fertigungsstellungstermin gegen Ende des Jahres 2013 wird gehalten und
  • - 3. Es wird gerade wegen der Neuausschreibung und Überarbeitung diverser Gewerke in keinem Fall einen Qualitäts- oder Sicherheitsverlust geben.“

Deutlicher geht es nicht – und kaum vom Stadtoberhaupt ausgesprochen, unterstützen ihn Balkenhol und Löffler mit vielen Details. Etwa dem, dass die Archäologen das Projekt Grabung vom oberen Burghof nach unten abgeschlossen haben, der Baubeginn damit im November starten kann. „Vorbehaltlich, dass der Rat am Montag zustimmt.“ Hollstein bedankte sich ausdrücklich bei den Politikern der Stadt, die sich über alle Neu-Verhandlungen informiert hätten und damit im Boot gewesen seien. Das Angebot habe auch für die SPD bestanden, die habe es aber nicht genutzt, stattdessen ihren Sonderweg in die Öffentlichkeit gesucht. „Das beunruhigt mich nicht, das ist halt so“, sagte er. Ebenfalls nicht beunruhigt, jedoch „angenervt“ wirkte der erste Bürger aber im Gespräch über die vielfach unsachliche Kritik nach Rückgabe der Ausschreibung. Namentlich fiel der Name Bracht ebenso, wie Bemerkungen in Richtung „namenloser“ Blogger in den Internet-Foren.

Alle namhaften europaweit agierenden Firmen, die im Tunnelbau tätig sind, haben sich an der Neuausschreibung beteiligt. Teils kamen Ingenieure sogar aus Alpenländern, um sich die „nicht ganz leichte Baustelle“ vor Ort anzusehen. Sebastian Jülich auf die Frage, wie denn deren Beurteilung ausfiel: „Alle haben gesagt: Ein interessantes Projekt!“

Hollstein und Balkenhol erläuterten weiter Veränderungen im 93 Meter langen Stollen, die sich im wesentlichen auf die Technikführung beziehen und nahmen auch Stellung zur so genannten Wasserdichtigkeit. „Es wird künftig im ersten Bereich kellerfeucht sein“, wurde erläutert, was das Tunnelerlebnis „für den Besucher positiv verstärke“. Am „weltweit einzigartigen Edutainmentkonzept wird es aber keine Abstriche geben“, unterstrich Hollstein noch einmal. Wie sehr der Aufzug sein persönliches Projekt ist, machte er auch noch einmal klar: Wenn es zu möglichen Kostenüberschreitungen – wie beim an zwei Millionen Euro gescheiterten Regionale-Projekt Kasernenumbau in Soest geschehen – gekomme wäre, hätte er das Projekt gestoppt und seinen Hut als Verwaltungschef genommen. „Dafür muss jemand gerade stehen“.

Jetzt setzt Hollstein auf den Fachverstand des Rates: „Wir haben als Verwaltung unsere Schularbeiten gemacht.“

von Johannes Bonnekoh

Rubriklistenbild: © Bonnekoh

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