Hollstein erobert die „Welt“

Korrekt, aber auch hemdsärmelig, heimatverbunden – so stellt sich der Bürgermeister überregionalen Medien gerne vor.

ALTENA ▪ „Es geht bergauf“, weiß aus welchen Gründen auch immer die „Welt“ und meint tatsächlich die Burgstadt. Wieder einmal hat es der Bürgermeister geschafft, Einzug in eine überörtliche Zeitung zu finden – kaum ein anderer Kleinstadt-Bürgermeister genießt ein so hohes überregionales Interesse wie der aus Altena.

Die Stadt ist eben besonders pleite und besonders vom demografischen Wandel betroffen – und Journalisten lieben Superlative. Und doch sind es trotz der Negativentwicklungen zu-meist positive Portraits, die da geschrieben werden. Das gilt auch für den 300-Zeiler in der „Welt“. Und: Nicht die Stadt steht bei diesen Berichterstattungen im Mittelpunkt, sondern der Bürgermeister. Hollstein im Dienst-Polo, Hollstein, der mit den Bürgern die Lennestraße pflastert, Hollstein, der Preise wie den Westfalensprung gewinnt, Hollstein und der Burgaufzug – bei der „Welt“ gipfelt der Personenkult in dieser Aussage: „Zwölf Millionen Euro hat er allein in den Schulsektor investiert“ – als käme das Geld aus Hollsteins Privatschatulle und nicht aus der Stadtkasse.

Eine zweite Meinung? Das ist in Artikeln dieses Genres eher selten. Weder kommen „normale Bürger“ zu Wort, noch Vertreter der Opposition. Auch den kollegialen Austausch mit den Zeitungen vor Ort suchen die überregionalen Blätter so gut wie nie, wenn sich deren Journalisten aufmachen, um über Altena respektive Hollstein zu berichten.

Kühner Wunsch im Poesiealbum

Warum auch? Wildes, aber von der Stadt geduldetes Kippen in der Brachtenbeck? Das gibt‘s woanders auch. Gleiches dürfte für das menschen- und vor allem firmenleere Industriegebiet bei Rosmart gelten. Und bestimmt wirft auch manche andere Kommune Investoren wie Harun Cici alle nur erdenklichen Knüppel zwischen die Beine. Deshalb ist das alles viel zu normal und findet keinen Platz neben der kühnen Idee des Burgaufzugs und eben der Straßenpflasterei.

In der „Welt“ nichts Neues, könnte also das Fazit lauten – und wäre dann doch falsch. Immerhin erfährt der gemeine Altenaer nämlich erst aus der Springer-Presse, was der Bürgermeister einer Schulkameradin schon als 17-Jähriger ins Poesiealbum schrieb: Dass er Stadtdirektor von Altena werden wolle...

Von Thomas Bender

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