Besuch in Berlin

Altenas Bürgermeister Hollstein beim Talk mit Bundespräsident Steinmeier

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Hollstein beim Talk mit dem Bundespräsidenten und drei Wissenschaftlern.

Berlin/Altena - „Forum Bellevue“ nennt sich ein Format, das das Bundespräsidialamt gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung entwickelt hat. Es erinnert an Talkshows, Frank Walter Steinmeier diskutiert mit geladenen Gästen vor einem handverlesenen Publikum über die Zukunft der Demokratie. Jetzt fand das fünfte Forum statt, diesmal mit Dr. Andreas Hollstein.

„Risse und Ressentiments – Über die Fragmentierung und Emotionalisierung von Politik und Gesellschaft“ lautete das gestrige Thema, über das neben Altenas Bürgermeister die Sozialwissenschaftlerin Cornelia Koppetsch, die Historikerin Ute Frevert und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen diskutierten.

Hollstein stehe stellvertretend für die vielen Bürgermeister im Land, „die sich in ihren Städten und Gemeinden nicht wegducken, sondern den hitzigen Debatten stellen, die zu den Zornigen hingehen und ihnen zuhören, die auch mit Anfeindungen, Hass und Gewalt umgehen müssen“, sagte Steinmeier bei der Begrüßung der Gäste. Zwei Stunden lang dauerte die Veranstaltung, Hollstein kam erst nach gut einer Stunde zum Zuge – „die Protestwähler gewinnen wir zurück, indem wir gute Politik machen“, sagte er. Hollstein machte eine gesellschaftliche Disparität aus, die die ländlichen Regionen benachteilige.

Darunter leide auch Altena, sagte Hollstein und erinnerte an den Fall Nokia: Als der Konzern seine Produktion in der Burgstadt eingestellt habe, sei gar nichts passiert. Jahre später hingegen, als Nokia sein Werk in Bochum schloss, seien staatliche Hilfen geflossen. Diese Bevorzugung der Großstädte ziehe sich durch und erzeuge auf dem Land Ängste, vor allem weil Infrastruktur wie die ärztliche Versorgung, der Einzelhandel und oder der ÖPNV oft nicht aufrecht erhalten werden könne.

Wer ehrliche Arbeit abliefere, müsse dafür deutlich mehr Geld bekommen als die Bezieher von staatlichen Transferleistungen, forderte Hollstein. Wo das nicht der Fall sei, da entstehe Unzufriedenheit. „Wir haben da unsere Hausaufgaben nicht gemacht“, bekannte Hollstein. Bei der Vorstellung des Altenaer Bürgermeisters ging Steinmeier auch kurz auf die Aufnahme der 100 zusätzlichen Flüchtlinge, den Brandanschlag im Jahr 2015 und den Messerangriff ein, bei dem Hollstein vor elf Monaten verletzt wurde.

„Dadurch hat sich in Altena nicht viel verändert“, sagte Hollstein auf Nachfrage des Bundespräsidenten. Aus dem Publikum erfuhr er Zuspruch: Solche pragmatischen Ansätze vor Ort unterschieden sich wohltuend vom abgehobenen Politikstil auf anderen Ebenen und dadurch, dass in Altena Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammengebracht würden, würden Ressentiments abgebaut.

Unter https://forum-bellevue.de/de/startseite/ findet sich im Internet ein Mitschnitt der gestrigen Veranstaltung. Heute Abend hat der Bürgermeister schon den nächsten Berlin-Termin: In den Nordischen Botschaften wird er mit der Fridtjof Nansen-Medaille des UN-Flüchtlingshilfswerks ausgezeichnet.

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