"Kein zeitlicher Zusammenhang zum Messerangriff"

Stadtwerke drehten Hollstein-Angreifer Werner S. vor der Tat das Wasser ab

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Trinkwasser

Altena - Für ein Grundrecht auf Trinkwasser spricht sich die evangelische Kirche in der diesjährigen „Brot für die Welt“-Spendenaktion aus. Auch das wirft die Frage auf, wie es dazu kommen konnte, dass dem Hollstein-Angreifer Werner S. von den Stadtwerken das Wasser abgedreht werden konnte.

„Natürlich dürfen wir das, sonst würden wir es ja nicht tun“, stellt Marc Bunse, der Geschäftsführer der Stadtwerke, klar. 

Er betont aber auch, dass eine Unterbrechung der Wasserlieferung das allerletzte Mittel sei. Keine zehn Hausanschlüsse seien derzeit im Versorgungsgebiet des Wasserwerks gesperrt, statistisch gesehen hat von 4000 Altenaern nur ein einziger kein Wasser. Wenn Kunden der Stadtwerke nicht zahlen, dann erfolgt zunächst eine freundliche Zahlungserinnerung. 

In einer zweiten Mahnung wird dann eine Zahlungsfrist gesetzt und auf die Möglichkeit einer Sperrung hingewiesen. Schreiben Nummer drei beinhaltet schließlich die Ankündigung der Sperrung. Dieses formale Verfahren dauere mehrere Monate, erläuterte Bunse gestern auf Anfrage. Begleitet werde es von einem Telefoninkasso, das das Unternehmen schon vor einigen Jahren eingeführt hat. Bekomme man telefonischen Kontakt zu dem säumigen Kunden, dann werde selbstverständlich auch danach gefragt, ob er Hilfe brauche. 

Schulden können auch in Raten abgezahlt werden

„Wenn der Kunde das wünscht, dann nutzen wir unsere Kontakte zum Jobcenter oder zum Sozialamt“, erklärte der Stadtwerke-Geschäftsführer auf Anfrage. Es könnten auch Ratenzahlungen zum langfristigen Abbau der Schulden verabredet werden. Das Inkassowesen der Stadtwerke wurde intensiviert, nachdem Bunse dort 2010 Geschäftsführer wurde. Bis dahin hatte das Unternehmen Jahr für Jahr Forderungen im sechsstelligen Bereich abgeschrieben – letztlich zahlten dafür alle Kunden, betonte der Geschäftsführer.

 Neben Marc Bunse ist übrigens auch Hollstein Stadtwerke-Geschäftsführer. Diese Konstruktion wurde vor Jahren für den Fall eingeführt, dass der hauptamtliche Geschäftsführer des Unternehmens längerfristig ausfällt. Zu den konkreten Abläufen im Fall des Stadtwerke-Kunden Werner S. sagt Bunse nur soviel: Er könne keinen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Messerangriff auf Dr. Andreas Hollstein erkennen. 

Nachbarn berichten von psychischen Problemen des Attentäters

Der arbeitslose 56-Jährige soll während seiner Tat im Dönerladen „City Grill“ sinngemäß „Ich habe Durst und Du holst 200 Flüchtlinge nach Altena“ ausgerufen haben. Aus der Nachbarschaft von Werner S. gibt es inzwischen Hinweise auf ernsthafte psychische Probleme des Angreifers, es soll auch einen Suizidversuch gegeben haben. 

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits kurz nach der Festnahme angekündigt, dass sie eine psychiatrische Untersuchung des Täters in Auftrag geben werde. Offenbar ist das Leben des 56-Jährigen irgendwann um den Jahreswechsel herum aus den Fugen geraten. Da erschien er plötzlich nicht mehr zur Arbeit, wurde schließlich entlassen – um Sozialleistungen habe er sich aber auch nicht gekümmert, heißt es aus Kreisen der Ermittler. 

Die Verschuldung des Mannes hielt sich dem Anschein nach in Grenzen, trotzdem läuft für das Haus ein Zwangsversteigerungsverfahren.

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