Nansen-Urkunde passt nicht in den Koffer

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Der Schweizer Botschafter Paul Rene Seger, Dominik Bartsch (Repräsentant von UNHCR in Deutschland), Bürgermeister Hollstein und der norwegische Botschafter Petter Ølberg.

Altena - Heute (Montag, 8. Oktober) fährt er mit dem ICE gen Heimat. Und ist sehr froh darüber. „Für mich fühlt sich das alles doch etwas fremd an. Wir machen die Arbeit ja nicht, damit im Rathaus eine Urkunde hängt, oder um einen Film über uns zu sehen. Wir machen die Arbeit hier, weil wir glauben, dass sie das Beste für unsere Stadt und das Beste für die Menschen ist“, sagt Dr. Andreas Hollstein.  Der Bürgermeister wurde am Freitagabend in Berlin in der Residenz des norwegischen Botschafters mit dem Nansen-Flüchtlingspreis ausgezeichnet.

Am Sonntag saß er in Hamburg unter anderem mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Projekt „Chor des Hasses.“ Dabei lud Giovanni di Lorenzo Persönlichkeiten zum Gespräch über Meinungsbildung, Kommunikation und Menschenwürde ein.

Es ist eine hohe Auszeichnung, die der Altenaer Bürgermeister in Berlin in Empfang nahm. Der Nansen-Flüchtlingspreis ist nach dem berühmten norwegischen Forscher Fridtjof Nansen benannt. Fridtjof Nansen hat nicht nur die Polarregionen der Welt erforscht, sondern war auch der erste Flüchtlingshochkommissar des Völkerbundes.

Als sich Europa nach dem Ersten Weltkrieg im Wiederaufbau befand, hat sich Fridtjof Nansen für Flüchtlinge eingesetzt und wurde so zu einem Vorbild für kommende Generationen. Die Preisträger stehen für die Werte, die Fridtjof Nansen zeit seines Lebens verkörpert hat: eine feste Überzeugung und Beharrlichkeit im Angesicht von Herausforderungen.

Die Urkunde passt nicht in den Koffer

Dr. Andreas Hollstein nahm die Auszeichnung, so wie er sagt, stellvertretend für alle Menschen in Altena und in ganz Europa entgegen, die sich für Humanität, Toleranz und Respekt gegenüber geflüchteten Menschen einsetzen und sich so gegen Nationalismus und Rassismus stellen. Die Urkunde passte später übrigens nicht in den Koffer und kommt nun „in einer Tüte“ in die Burgstadt, wo sie dann wahrscheinlich im Rathaus zu sehen ist. „Ehrlich gesagt, das weiß ich noch nicht“, schmunzelt der Bürgermeister, der die Preisverleihung als sehr feierlich empfunden hat.

 In einem kleinen Kreis hielt der Schweizer Botschafter Paul Rene Seger die Laudatio, bevor ein Film über Fridtjof Nansen und sodann ein Film über Altena gezeigt wurde. Darin kamen auch bekannte Altenaer Gesichter wie Ludger Leweke oder Anette Wesemann vor. Im Anschluss übergab Dominik Bartsch, Repräsentant von UNHCR in Deutschland, die gerahmte Urkunde.

Dass die Feierlichkeiten nicht nur in schönen Worten stecken blieben, gefiel Dr. Andreas Hollstein besonders. Denn nach der Preisverleihung saß man noch beim Abendessen zusammen, um das Thema Integration zu diskutieren. „Die Unterbringung der Geflüchteten ist in Berlin ein anderes Problem als bei uns. Massenunterkünfte und später Unterbringung in Sozialwohnungen führen dazu, dass Blocks mit fast 60 Prozent Flüchtlingen entstehen. Da ist Integration schwerer zu leisten als bei uns mit einem dezentralen Konzept. Und deshalb ging es im Gespräch darum, was im Argen liegt und was man noch besser machen kann“, erzählt Dr. Andreas Hollstein.

Am Samstag nutzte der Bürgermeister den freien Tag in Berlin, um mit seiner Familie das Lichtkunstfestival zu besuchen. Es gehört mit mehr als 70 Illuminationen zu den drei größten Festivals seine Art und ist Austauschplatz für internationale Künstler. Heute zurück in der Burgstadt, steht für Andreas Hollstein trotz aller aktueller Begegnungen mit Politikern, bekannten Schauspielern, Botschaftern und Staatssekretären die Arbeit im Rathaus im Vordergrund. „Die hat klar Vorrang.“

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