Höhenretter helfen dort, wo sonst keiner hinkommt / Gehen im 90-Grad-Winkel

Höhenrettung in Altena: Übung an der Fuelbecke-Mauer

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Retten und gerettet werden: Abwechselnd nahmen die Höhenretter die Helfer- und Opferrolle ein. Jeder hat einen Rucksack und einen Gürtel mit weiterem Seil- und Fixiermaterial. Die Trage ist ultraleicht und in jedes Gelände zu bringen.

Altena - In Erscheinung treten Höhenretter in dieser Region eher selten. „Als spektakulärster Einsatz dürfte den Bürgern das Entfernen der Liebeserklärung auf Klaras Höhe in Nachrodt in Erinnerung geblieben sein“, mutmaßt Tobias Murza schmunzelnd. 

Weil aber dort oder an anderen unwegsamen Höhen mal ein Mensch in Gefahr geraten kann, wurde am Sonntag an der Staumauer der Fuelbecker Talsperre geübt.

Spaziergänger und Jogger müssen automatisch innehalten, denn mit jedem Seil, das die Höhenretter von den stabilisierenden Ankerpunkten am Geländer zum mittigen Festpunkt spannen, entsteht ein neues Hindernis auf dem beliebten Fußgängerweg. 

Viele bleiben eine Weile stehen, denn dass Männer im 90-Grad-Winkel die Staumauer hochspazieren, ist ein äußerst seltenes Bild. „Die Stadtwerke Altena haben uns die Talsperre zum Üben zur Verfügung gestellt“, berichtet Höhenretter Tobias Murza aus Nachrodt, der mit weiteren Kollegen aus dem Bundesgebiet heute ein Training mit Ausbilder Axel Manz organisiert hat. 

Das Vier-Augen-Prinzip

Abwechselnd begeben sich alle in die Opfer- und Retterrolle. Im Alleingang funktioniert Höhenrettung nicht, jedes Seil und jeder Karabiner bekommt seinen Platz unter Vier-Augen-Prinzip, denn ein falscher Klick kann Retter und Geretteten ins Unglück stürzen lassen. 

Die Seile werden so gelegt, dass sie in der Mitte zu einem großen Flaschenzugsystem zusammenwachsen. Ist alles befestigt, dann gibt der Einsatzleiter Kommando: „Fahren, fahren, fahren!“ ruft er, als sich das gut fixierte Opfer auf der ultraleichten Trage und sein Retter die Staumauer hinab begeben. 

Auch von der Talseite aus war die Personenrettungsübung an der Staumauer ein spektakulärer Anblick.

Alle Einsatzkräfte oben geben gleichmäßig Seil nach. Unten angekommen beginnt der Kraftakt, zwei Personen unbeschadet wieder nach oben zu befördern. Jetzt zahlt sich das Flaschenzugsystem aus, das auch wenigen Helfern ermöglicht, Verunglückte aus ihrer misslichen Situation zu befreien. 

Bis zu 30 Kilo Material 

Die Mission ist geglückt, deshalb heißt es nun, alle Rucksäcke neu zu packen und die Haken wieder an die Gürtel zu hängen. Bis zu 30 Kilo Material trägt ein Höhenretter mit sich und die Seile müssen akribisch verstaut sein, damit sich keine Knoten bilden. 

Auch die Gefahr, dass sie an Felsen zu großer Reibung ausgesetzt sind, ist da. Deshalb werden Rollwinden und Schonüberzüge für kantige Stellen eingesetzt. Auch die „Sparrows“, durch die die Seile im Flaschenzug hindurchlaufen, sind reibungsverlust arm konzipiert.

Zu 100 Prozent auf Kollegen verlassen können 

Moderne Technik erleichert vieles, ersetzt aber nicht die menschliche Geistesgegenwart. „Als Höhenretter muss man sich zu 100 Prozent auf seine Kollegen verlassen können!“ weiß Tobias Murza, der wie sein Nachrodter Feuerwehrkollege Michael Kling eine der wenigen ausgebildeten Kräfte auf dem Gebiet der Höhenrettung ist. 

„Es ist anstrengend, aber auch spannend und sportlich“, schildert er seine Erfahrungen. „Ein ganz anderer Aspekt von Feuerwehrarbeit.“

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