Nach Flutkatastrophe

THW mit hunderten Kräften im Dauereinsatz

Das Hochwasser und seine Folgen in Altena und Nachrodt
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Das THW war an vielen Orten gefragt, nicht nur in Altena.

Mit bis zu 130 Rettern pumpte, schaufelte und sicherte das THW Altena Straßen, Häuser und Bäche nach der Flutkatastrophe. Und das nicht nur in der schwer getroffenen Burgstadt. Die Arbeit ist noch nicht beendet.

Altena – Die Ehrenamtlichen des Technischen Hilfswerks sind seit dem 14. Juli im Dauereinsatz. Die Arbeit ist nach dem Hochwasser längst nicht beendet. Die Helfer haben schon in Altena viel zu tun, unter anderem pumpen sie noch immer Wasser aus dem Duschking-Komplex an der Lüdenscheider Straße, der als einsturzgefährdet gilt.

Doch auch weit über die Ortsgrenzen hinaus sind die Retter nach den verheerenden Fluten im Einsatz. Im Interview spricht Altenas THW-Ortschef Frank Herbel über den Katastrophenfall und die vielen Einsätze.

Ein solches Ausmaß an Unwetter hat Altena wohl noch nicht erlebt. Wie organisieren Sie die Hilfsarbeiten?
Wir arbeiten in einem Drei-Schichten-System. Das läuft von 6 bis 14 Uhr, von 14 bis 22 Uhr und von 22 bis 6 Uhr.
Wie sehen Ihre personellen Ressourcen aus?
Der Ortsverband kann auf bis zu 52 Aktive zurückgreifen, die in den Einsatz gehen können. Das setzt aber unter anderem Corona-Impfungen voraus.
Sie können die zahlreichen Aufgaben kaum aus dem Ortsverband allein heraus bewältigen. Bekamen oder bekommen Sie Unterstützung? Wie viele Kräfte konnten Sie mobilisieren?
Ja, wir bekommen Unterstützung. Es gab Verstärkung aus Halver, Balve, Lüdenscheid, aber auch aus Paderborn, Bergkamen und Lünen. Am vergangenen Wochenende kamen auch Kräfte aus Unna zu uns. Es waren bis zu 130 Kräfte im Einsatz.
Was sind die Hauptaufgaben für das Technische Hilfswerk im Falle des Altenaer Unwetters?
Wir haben in erster Linie auf die Straßensicherung und den Unterbau geachtet. Dann haben wir Steinaushub und Geröll gefahren und auch beim Wegräumen von Sperrmüll geholfen. Auch beim Flutschaden in der Firma Duschking an der Lüdenscheider Straße waren wir im Einsatz. Es musste auch viel Material von A nach B transportiert werden.
Wie wurde das Technische Hilfswerk alarmiert?
Gewarnt waren wir ja alle, zum Beispiel über die Nina-Warnapp auf dem Smartphone. Für das THW kam am Mittwoch um 4 Uhr morgens ein Weckruf. Dann ging es los. Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Feuerwehr ja schon die halbe Nacht um die Ohren geschlagen.
Waren Sie mit Ihrem Ortsverband nur in Altena im Einsatz?
Nein, denn wir sind im Lennetal für den Bereich von Altena bis nach Plettenberg zuständig. In Plettenberg zum Beispiel mussten wir zur Sicherung eines Gebäudes nach einer Unterspülung 32 Tonnen Sand aufbringen. Dabei kam Spezialgerät des THW und der Feuerwehr zum Einsatz.
Das Gebäudefundament wurde mit sogenannten Bigpacks gesichert, die mit jeweils einer halben Tonne Sand gefüllt werden, um das Haus gegen den Elsebach zu sichern.
Kämpften sich durch die Fluten: die Retter vom THW.
Wie sieht es mit Geräten aus? Was für einen Fuhrpark hatten Sie im Einsatz?
In Spitzenzeiten waren drei Radlader im Einsatz, ein Telelader und ein Bagger. Außerdem insgesamt fünf Lastwagen.
Wie ist die gegenwärtige Situation? Wie groß ist die Erschöpfung?
Wir sind weitgehend ausgeruht. Durch den Schichtdienst bekommen unsere Kräfte ihre Ruhezeiten. Und es gibt ja die Unterstützung durch andere Ortsverbände.
Welche Aufgaben stehen noch an?
Das kann man nicht genau sagen. Es kommen ja immer wieder neue Schäden ans Tageslicht. Es könnte zum Beispiel sein, dass es für uns in den Bereitstellungsraum am Nürburgring geht. Dazu das Hochwasser an der Ahr: Es könnte sein, dass wir alle angefordert werden
Es gibt Forderungen, den Katastrophenschutz zu zentralisieren. Die THW-Vizepräsidentin hat sich gegen eine stärkere Zentralisierung ausgesprochen. Und Sie?
Man hat gesehen, dass das THW im Land flächendeckend agieren kann. Ich habe mich in der jüngsten Zeit natürlich vorwiegend mit dem Einsatzgeschehen vor Ort befasst.
Frank Herbel leitet das THW.

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