Flutopfer in Altena berichten

„Müssen von vorne beginnen“: Rahmeder nach der Flut schwer gebeutelt 

Hochwasserfolgen in der Rahmede
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Unter Wasser: das Haus von Sabine Lembcke und ihrem Mann in der Rahmede.

Im April ausgeraubt, jetzt schwer vom Hochwasser getroffen: Sabine Lembcke hat einige Schicksalsschläge erlebt. Peter Kirchhoff aus Mühlenrahmede stand bis fast zu den Schultern im Wasser. Zwei Flutopfer aus der Rahmede schildern ihr Schicksal.

Altena – „Wir waren auf der Zielgeraden unserer Renovierungsarbeiten. Jetzt gleicht das Haus wieder einem Rohbau“, sagt Sabine Lembcke, die in Grünewiese direkt an der Rahmede wohnt.

In mühsamer Arbeit hatten sie das ehemalige Fabrikgebäude zum Wohnhaus umgebaut. Als die Flut kam, waren Sabine Lembcke und ihr Mann noch schnell genug, um die Garagen zu öffnen, die Wassermassen drohten die Tore einzudrücken. Doch mehr war nicht zu retten.

180 Säcke Holzpeelletes vernichtet

Die komplette untere und große Teile der oberen Etage wurden zerstört, außerdem die Garage und alles, was sich darin befand. Dazu zählen unter anderem 180 Säcke Holzpellets, die sie als Wintervorrat zum Heizen gekauft hatten. Das Ehepaar rechnet mit einem Schaden von circa 80 000 bis 100 000 Euro.

Unter Tränen erzählt Sabine Lembcke: „Wir wurden im April bereits am helllichten Tag ausgeraubt und das hat die Versicherung schon nicht übernommen.“ Sabine Lembcke war für eine halbe Stunde einkaufen. Als sie zurückkehrte, war das komplette Haus durchwühlt, zahlreiche Wertgegenstände entwendet. Von den Dieben gibt es bis heute keine Spur.

Neues Motorrad: Totalschaden

Jetzt auch noch das Hochwasser: „Auf das Haus haben wir auch keine Elementarversicherung abgeschlossen und bekommen wieder nichts.“ Ihr Auto ließen sie bereits verschrotten, und auch das neue Motorrad von Lembckes Mann ist ein Totalschaden. In der unteren Etage läuft die ganze Zeit ein Bautrockner.

Die Soforthilfe für Hochwasser-Betroffene haben sie innerhalb von drei Tagen nach der Beantragung erhalten. Sie sei sehr dankbar dafür. Doch um ihr Haus wieder bewohnbar zu machen, benötige sie deutlich mehr als die Soforthilfe.

Seit 33 Jahren in der Rahmede: „Damit hätte ich nie gerechnet“

Ihr habe eine Warnung gefehlt, sagt Lembcke. Hätte sie von den Ausmaßen des Hochwassers im Voraus gewusst, hätte sie mehr von ihrem Zuhause retten können. „Ich wohne seit 33 Jahren im Rahmedetal und nur ein Mal hatten wir ein bisschen Wasser in der Garage. Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt sie. Ihre Kinder und Freunde haben bei den Aufräumarbeiten geholfen, doch trotzdem „müssen wir jetzt noch einmal von vorne beginnen“.

Hochwasserfolgen in der Rahmede

Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede
Hochwasserfolgen in der Rahmede

Peter Kirchhoff aus Mühlenrahmede hat die unterste Wohnung seines Hauses vermietet. Der junge Mieter David Mösch war zur Zeit des Hochwassers noch bei der Arbeit und kehrte erst heim, als seine Wohnung schon unter Wasser stand. Die Wucht des Wassers hatte die Wände innerhalb seiner Wohnung eingerissen.

Wohnung gerade neu gestaltet

Er beantragte Soforthilfe und bekam bereits 500 Euro. Der Rest soll bald überwiesen werden. „Ich hatte gerade die Wohnung umgestaltet und neue Möbel gekauft, doch davon blieb nichts übrig“, sagt er. Jetzt wohnt er in der Wohnung über seiner alten. Diese blieb größtenteils verschont.

Ganz oben im Haus lebt Vermieter Kirchhoff. Obwohl seine Wohnung nicht beschädigt ist, hat er ebenfalls einiges verloren. Zwei Autos – ein BMW und ein Porsche – sind ein Totalschaden, ebenso wie viele Maschinen und Werkzeuge. Als sich die Straße durch das Hochwasser in einen reißenden Fluss verwandelte, stand Kirchhoff fast bis zu den Schultern im Wasser und hatte sein Haus noch nicht erreicht.

Bewohner dankbar für drei Dinge

„Ich musste mich sehr langsam und vorsichtig vorarbeiten, um nicht den Halt zu verlieren“, erzählt er. Es gebe drei Dinge, für die er dankbar sei. Zum einen, dass niemand in seiner Straße verletzt wurde, zum anderen, dass das Wasser relativ warm gewesen sei. „Und ich bin dankbar, dass die Flut tagsüber kam. Wenn wir kein Tageslicht gehabt hätten, wären die Schäden noch viel größer“, mutmaßt er.

von Fabienne Schwarzer

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