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Flutschäden von 100 Millionen Euro - und dicke Überraschungen

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Von: Thomas Bender

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Vier Schäden auf einem Foto: Allein im Bereich des Bauhofs wurden am Brachtenbecker Bach Brücken und Stützmauern so stark beschädigt, dass die Reparatur über 1,2 Millionen Euro verschlingen wird. Am aus Richtung Tiergarten kommenden Kammersiepen entstand ein weiterer Schaden von 335.000 Euro, das Gerätehaus der Löschgruppe Knerling muss für 158.000 Euro repariert werden und auf dem Lagerplatz des Bauhofes entstand an der Salzhalle ein Schaden in Höhe von 157.000 Euro.
Vier Schäden auf einem Foto: Allein im Bereich des Bauhofs wurden am Brachtenbecker Bach Brücken und Stützmauern so stark beschädigt, dass die Reparatur über 1,2 Millionen Euro verschlingen wird. Am aus Richtung Tiergarten kommenden Kammersiepen entstand ein weiterer Schaden von 335.000 Euro, das Gerätehaus der Löschgruppe Knerling muss für 158.000 Euro repariert werden und auf dem Lagerplatz des Bauhofes entstand an der Salzhalle ein Schaden in Höhe von 157.000 Euro. © Robert Szkudlarek

Die kommunalen Schäden durch die Flut im Juli sind noch größer als bisher angenommen. Erste Schätzungen gingen von 60 Millionen Euro aus. Der Wiederaufbauplan, der am kommenden Montag, 24. Januar, durch den Rat beschlossen werden soll, geht jetzt von 100 Millionen Euro Schaden an städtischem Eigentum aus. Darin sind allerdings auch Gutachter- und andere Overheadkosten enthalten.

Altena – Die Liste umfasst 184 Positionen, vor allem Punkt 175 überrascht: „Neubau notwendig, weil Gebäude vollständig bzw. überwiegend zerstört oder kontaminiert“ heißt es über die Feuer- und Rettungswache. „Neubau notwendig“, meinen die Gutachter, die seit November mit der Schadensfeststellung beschäftigt waren und die allein diesen Schaden auf elf Millionen Euro schätzen.

Allerdings: Dass Altena eine neue Feuer- und Rettungswache braucht, das war schon vor der Hochwasserkatastrophe im Juli klar. Das Gebäude an der Bachstraße entspricht schon lange nicht mehr den heutigen Vorschriften, deshalb ist ein Neubau Bestandteil des bereits im Jahr 2019 verabschiedeten Brandschutzbedarfsplans. Haushaltsmittel standen dafür bereits vor der Flut zur Verfügung. Vor allem der Keller der Feuerwache stand am 14. Juli unter Wasser, sie musste vorübergehend evakuiert werden. Die Rettungskräfte wurden in der Sauerlandhalle untergebracht, konnten aber nach wenigen Tagen wieder zurückkehren.

Flutschäden von 100 Millionen Euro: Hochwasser fordert noch immer viel Arbeit

Die Feuer- und Rettungswache ist damit der größte Einzelschaden. Auf Platz zwei folgt das städtische Kanalnetz: Dort gehen die Gutachter von einem Schaden von zehn Millionen Euro aus, was allerdings grob geschätzt sein dürfte: Aufschluss bringt erst die Kamerabefahrung des gesamten Netzes, die noch aussteht.

Überraschend auch Punkt 183: „Neubau notwendig, weil Gebäude vollständig bzw. überwiegend zerstört oder kontaminiert“, schreiben die Gutachter auch über das Hallenbad und schätzen die dafür anfallenden Kosten auf 5,5 Millionen Euro. Bitter für alle Freunde des Schwimmsports: Wenn es wirklich so weit kommt, steht das Bad in Dahle jahrelang nicht zur Verfügung. Der Neubau des Werdohler Hallenbades, der extrem schnell vonstatten ging, dauerte von der Planungsvergabe bis zur Fertigstellung ein Jahr.

Flutschäden von 100 Millionen Euro? Gutachter schätzt Schäden

Auch ein Gebäude im ehemaligen Schwarzenstein-Komplex steht auf der Liste Bekanntlich hat die Stadt das alte VDM-Werk und die Bierbachbrache für einen Euro gekauft. Im Preis enthalten war auch ein Gebäude an der Werdohler Straße, das bis zum 14. Juli in Teilen noch bewohnt war. Dann kam die Flut und riss neben einem Gartenhäuschen auch die Zugangstreppe weg. Außerdem wurde das gesamte Gebäude durchfeuchtet. „Sanierung trotz umfänglicher Schäden günstiger als Neubau“, schreiben die Gutachter und setzen den Schaden auf knapp 105.000 Euro fest.

Die Beseitigung der Schäden wird Jahre dauern. Allein in diesem Jahr sehen die Planungen der Stadt Ausgaben von knapp 14 Millionen Euro vor. Natürlich hat die Verwaltung nicht die Kapazitäten, das alles alleine zu stemmen. Deshalb sei „eine frühzeitige Unterstützung durch einen Projektmanager sinnvoll und im Hinblick auf die Qualität der Einzelmaßnahmen unabdingbar“, heißt es in der Vorlage. Die Ausschreibung dafür läuft, die Verwaltung rechnet mit Kosten von 5,2 Millionen Euro und hofft, dass alle von ihr aufgelisteten Schäden zu 100 Prozent vom Land übernommen werden.

In Altena wird derzeit an einer Lösung gearbeitet, um Anwohner künftig besser zu schützen.

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