Hochhaus-Komplex in Altena

Schandfleck im MK: Anwohner misstrauen neuem Investor

Hochhaus-Komplex am Nettenscheid in Altena
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Der Hochhaus-Komplex am Nettenscheid in Altena

Die Atmosphäre ist angespannt auf dem Nettenscheid: Anwohner beobachten die Aktivitäten von Erkan Topal, der sich als Verwalter und Eigentümer von Wohnungen in dem heruntergekommenen Hochhaus-Komplex vorgestellt hat, mit Argwohn.

Altena – Zu denen, die Kritik am Gebaren des Geschäftsmannes aus Ostfildern äußern, gehört Jörg Füllenbach. Er besitzt eine Wohnung im Haus an der Blackburner Straße 30, die er vermietet hat. In dem Komplex wohnen nach Füllenbachs Informationen noch vier Parteien, darunter drei Eigentümer und sein Mieter.

Was Füllenbach kritisiert: Topal versuche „mit Druck“ an weitere Wohnungen zu kommen. „Herr Topal bedroht die Leute“, sagt Füllenbach und fügt an: „Das habe ich auch schriftlich als E-Mail.“ Füllenbach spricht insgesamt von einem „unbegreiflichen Verhalten“.

Verwalter: „Ich habe niemanden bedroht“

Er habe einen Anwalt eingeschaltet, weil gegen ihn, aber auch gegen seinen Mieter Drohungen geäußert und Geldforderungen ausgesprochen worden seien. Dem widerspricht Das Erkan Topal: „Ich habe niemanden bedroht.“ Es sei um die Beseitigung eines Wasserschadens gegangen. Er habe den Vermieter lediglich auf die Rechtslage aufmerksam gemacht. Die Wohnung auf dem Nettenscheid hatte Füllenbach „vor Jahren“ über einen Vermittler in Kassel gekauft.

Deutliche Worte findet auch Ulrich Biroth, Anwohner am Nettenscheid und Ratsherr (SDA). „Herr Topal hat hier keinen Hausmeisterdienst mit dem Aufräumen beauftragt, und Herr Topal ist nicht Besitzer aller Wohnungen in dem Block, den er ,aufgeräumt’ hat.“

Müllberge lagern vor dem Hochhaus-Komplex am Nettenscheid in Altena nach dem Entrümpeln.

Die Sachen aus dem Fenster zu werfen und dann wochenlang auf dem Parkplatz und Parkdeck liegen zu lassen, zeuge von „einer absichtlichen Fehlplanung“. Der Entrümpelungsmüll befindet sich immer noch an Ort und Stelle. Im Haus an der Blackburner Straße 22 sollen bereits sehr bald neue Mieter einziehen.

Kameras auf öffentlichen Grund gerichtet

Weiterer Kritikpunkt: Topal habe Kameras installiert, „die alles aufnehmen, nur nicht das, was ihm gehört“, sagt Biroth. Unter anderem sei eine Kamera auf das Bürgerzentrum, den Parkplatz und den öffentlichen Weg gerichtet. „Da sehe ich eine Menge Probleme“, sagt Biroth. Eine zweite Kamera innerhalb des Wohnblocks nehme jeden auf, der das Haus betritt.

Gerade die Kamera, die auf das Bürgerzentrum und den Gehweg gerichtet ist, hat auch das Ordnungsamt auf den Plan gerufen. Dessen Leiterin Ulrike Anweiler sagt, sie habe Topal bereits darauf hingewiesen, dass er „auf keinen Fall“ den öffentlichen Bereich aufnehmen dürfe.

Topal betont: „Wir konnten sie noch nicht in Betrieb nehmen. Die Kameras zeichnen nicht auf.“ Die vom Ordnungsamt beanstandete Kamera werde er versetzen. Hinsichtlich des Mülls seien dem Ordnungsamt die Hände gebunden, sagt Ulrike Anweiler. Denn es handelt sich um eine private Fläche.

Anfeindungen auf beiden Seiten

Topal hatte auch von einer „Rockerszene“ gesprochen, die sich in einem der leer stehenden Häuser eingerichtet habe. Das kann Ulrich Biroth nicht glauben. „Hier oben hat es bisher keine ,Rockerszene’ gegeben“, sagt er. „Wer die Schäden in den Häusern angerichtet hat, weiß keiner. Dass Herr Topal über Ebay-Kleinanzeigen mit Bildern und einer Belohnung nach den Künstlern der Sprayaktionen in den Wohnungen sucht, spricht dagegen, dass Herr Topal allwissend ist.“

Der Investor hatte auch von „Anfeindungen“ gegen ihn berichtet. Ulrich Biroth meint dazu: „Da feinden sich beide Parteien ganz gewaltig an, und wer da Huhn oder Ei ist, ist die Frage.“ Was den Anwohner auch stört: „Welche und wie viele Wohnungen Herr Topal auf dem Nettenscheid besitzt, schwankt von Gespräch zu Gespräch.“ Topal spricht von 64 Wohnungen, die ihm bereits gehören, 97 der rund 120 im Komplex sollen es werden.

Viele offene Fragen

Biroth hat mehrere Gespräche mit dem Investor geführt, „mindestens vier.“ Auch darüber, wer der Besitzer dieser Wohnungen ist. „Einmal ist er es, dann einer seiner Söhne und im nächsten Moment ist er nur Verwalter der Wohnungen“, fasst Biroth seine Sicht zusammen.

Die Altenaer Wohnungsbaugesellschaft reiße in der Innenstadt leer stehende Wohnhäuser ab und Topal wolle auf dem Nettenscheid Wohnungen vermieten – und ignoriere damit alle Hinweise zur Lage auf dem heimischen Immobilienmarkt, kritisiert der Ratsherr.

Bürgermeister Uwe Kober (CDU) schlägt deutlich mildere Töne an. Er spricht sich dafür aus, „mit Topal das Gespräch zu suchen“, vielleicht noch in diesem Monat. Grundsätzlich sei es ja gut, dass sich an der Blackburner Straße etwas tut. „Aber es braucht viel Kapital.“ Kober erinnert auch an viele Auflagen zum Brandschutz. Das Ordnungsamt und die Bauaufsicht würden die Anlage im Auge behalten.

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