Historische Ratstruhe gibt Geheimnis preis

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein und die Techniker Ralf Jellema und Andreas Gerstendorf v.l.

ALTENA - Seit Donnestag, 2. Februar 2012, 9.40 Uhr, ist das Geheimnis der historischen Truhe, die seit vielen Jahrzehnten im Bürgermeisterzimmer steht, öffentlich gelüftet. Wie das Altenaer Kreisblatt berichtete, ließ sich das schwere, eisen beschlagene Möbel nicht öffnen, weil nur ein mächtiger, handgeschmiedeter Schlüssel, aber zwei schwere Schlösser daran vorhanden waren.

„Und?“ – habe er gefragt. „Und, was ist drin?“ – Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein machte gestern in der Werkstatt auf der Burg Altena keinen Hehl daraus, dass er dem Anruf der Museumstechniker Andreas Gerstendorf und Ralf Jellema schon ein bisschen entgegen gefiebert habe. Doch die große Überraschung oder Sensation blieb aus: In der Truhe befand sich nichts – außer einer schwarzen, schweren Decke. „In Anlehnung an ein Sprichwort könnte man sagen, da lag nur ein Hundefell drin“, flachste Ralf Jellema.

Der Tüftler hatte sich zunächst den schweren, gut 250 Gramm wiegenden noch überlieferten Schlüssel mit den sechs handgefeilten Bärten angesehen. „Dann haben der Kollege und ich beide Schlösser geölt und uns Gedanken gemacht.“ Ihre Idee: Fertigen wir doch einfach mal eine Art Rohling an, so einen Schlüssel oder Vierkant, wie er auch zum Umlegen von Parksperren benötigt wird für das Schloss vorne an der Kiste. Gesagt getan – eingeführt, den großen Schlüssel rund 30 Zentimeter tief versenkt, gedreht, etwas Kraft angewandt und die Truhe ächzte und stöhnte – und ließ sich öffnen.

„Was liegt da wohl drin?“, sei ihnen durch den Kopf gegangen. Denn beim Anheben an der Truhe gab es schon Geräusche. „Vielleicht eine Schatzkarte? Vielleicht der Hinweis auf vergrabene Goldbarren?“ – doch nichts dergleichen verbarg der Innenraum der mehr als 100 Pfund schweren hölzernen Kiste. „Wieder nichts mit Sondermitteln zum Tilgen des Stärkungspaktes“, flachste Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Er hatte das Möbel von seinem Vorgänger übernommen und in seinen 13 Amtsjahren „schon ziemlich oft und viel versucht, es mit Hilfe von Fachleuten öffnen zu lassen. Selbst Kinder haben wir dran gelassen. Die sind ja meist sehr kreativ.“

Stefan Sensen, Leiter der Museen der Burg Altena, hatte dem Verwaltungschef angeboten, die Schlösser in der Burgwerkstatt begutachten zu lassen. Er schätzte gestern, dass es sich um eine Arbeit aus dem 17. Jahrhundert handelt. Hollstein mutmaßte daraufhin, „die hat bestimmt noch den Stadtbrand von 1702 überstanden.“

Hatte er das besondere Behältnis bisher noch als Indiz angesehen, dass schon vor hunderten von Jahren in einem Magistrat das so genannten Vier-Augen-Prinzip – also zwei Personen haben je getrennte Schlüssel für ein Behältnis – gegolten habe, nahm er das gestern zurück. „Auf diese Fake mit dem Schloss, das gar keines ist, muss man erst mal kommen.“ Hollstein kündigte an, hier jetzt nur Dinge aufzubewahren, die ihm wichtig seien.

Und Minuten später trat die um ihr Geheimnis beraubte Kiste dann mit Hilfe von Nico Koslowski und Klaus Hensel vom Baubetriebshof ihren Weg zurück ins Chefzimmer im Rathaus an. Ein Blickfang bleibt sie da auf jeden Fall – wie in der Vergangenheit!

von Johannes Bonnekoh

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