Historische Bücher und natürlich die Bibel

+
Ulrike Vogt hat viele historische Bücher.

ALTENA - Kein Deutscher hat das religiöse Leben in unserem Land so mächtig beeinflusst wie Luther“, schreibt Julius Köstlin in seinem Vorwort zu einem Buch, das dem großen Reformator gewidmet ist. 1883 wurde das Werk in Leipzig vom Verlag Reisland als sechste Auflage mit „authentischen Illustrationen“ als „Luthers Leben“ für den Buchmarkt aufgelegt.

„Das sind starke Worte“, sagen Ulrike und Dietmar Vogt, die neben diesem historischen Werk noch eine Reihe weiterer, teils knapp 200 Jahre alter Bücher in ihrer Hausbibliothek besitzen. „Die hat meine Frau mit in die Ehe gebracht“, erklärt der 58-jährige Altenaer. Und seine Frau ergänzt: „Alle Bücher sind Erbstücke, sie stammen von meiner Großmutter und ich habe sie stets in Ehren gehalten.“

Dass alle Bücher auch benutzt und gelesen wurden, wird am besten am „Neuen Wilhelm Busch-Album“ deutlich. Das trägt das Druckdatum 1883 und ist teilweise vom Lesen regelrecht zerfleddert. „Na ja, das ist schon einige Jahre genutzt worden“, schmunzelt Ulrike Vogt, der aus diesem Werk unter anderem der Großvater vorlas. Herausgegeben wurde das Werk des großen deutschen Humoristen „von der Verlagsanstalt für Literatur und Kunst, Hermann Klemm, aus Berlin-Grunewald“ als Sammlung lustiger Bildergeschichten.

Schwierigkeiten die historischen Bücher zu lesen, hat Ulrike Vogt nicht. Nur bei einem handschriftlich überlieferten und in gestochen scharfer Sütterlin-Schrift mit schwarzer Tinte verfassten Poesie-Album hat sie Probleme, die Buchstaben zu entziffern. „Eigentlich schade“, sagt sie, als sie die angegilbten Seiten vorsichtig umblättert. „Schwanebrügge bei Soest, im Januar 1881“, ist in dem vollständig in schwarzes Leder eingeschlagenen Büchlein der Juliane Kolloßer zu lesen. „Na ja, die Überschriften über den Sinnsprüchen, die krieg‘ ich noch zusammen“, sagt Ulrike Vogt, doch dann verlässt sie ihre Kenntnis der historischen deutschen Schrift.

„Weltall und Menschheit“, mit diesen Fachthemen befasste sich Hans Kremer aus dem Verlagshaus Bong & Co. anno 1872. Sein Werk enthält sehenswerte Zeichnungen, historische Deutungen des Sternenhimmels und sogar die Abbildung einer Sonnenfinsternis.

Zur Konfirmation am 14. Juni 1917 bekam eine Verwandte von Ulrike Vogt das Buch mit Goldprägung „Das Leben Jesu“ aus dem Verlag Carl Hirsch aus Konstanz geschenkt. Es enthält noch eine persönliche Widmung für den Konfirmanden und wurde 1902 gedruckt.

„Sehen Sie mal, das müsste das älteste unserer Bücher sein“, ist Dietmar Vogt überzeugt, als er eine schwarz eingeschlagene Bibel in der Hand hält. Und richtig: Gleich im Umschlag ist das Druckdatum des „Cölner Druckhauses“ vermerkt, das Jahr 1868. Da kam diese Ausgabe der „ganzen Heiligen Schrift nach Dr. Martinus Luther“ auf den Markt. „Sie sehen, die wirkt sehr gebraucht. Darin wurde gelesen“, sagt Ulrike Vogt. Und beim Durchblättern fallen plötzlich noch historische Kalenderblätter aus dem Jahr 1898 aus den Seiten. Auf verschiedenen sind sogar noch Anmerkungen notiert, etwa: „Sollte Emma lesen!“

Das Ehepaar Vogt ist stolz auf seine Bücher und sicher, dass sie weiter in gute Hände kommen. „Unser Sohn hat Interesse gezeigt. Er wird sie einmal übernehmen.“

Literarische Schätze

Haben auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, literarische oder bibliophile Schätze in ihrer Hausbibliothek? Wenn ja, dann freuen wir uns darüber, dass Sie uns diese Schätze zeigen wollen. Wir sind interessiert an ihrem ältesten Buch, an dessen Geschichte und an ihrer Geschichte, die sie mit diesem Buch verbindet. Melden sie sich in der Redaktion unter der Rufnummer 02352/91 87 26 oder kommen Sie direkt bei uns in der Lennestraße 48 vorbei.

von Johannes Bonnekoh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare