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Hilflose Helfer helfen niemandem: Besondere Gäste auf rotem Sofa

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Von: Jona Wiechowski

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Pastoralassistent Jan-Hendrik Ilk nahm auf dem roten Sofa Platz.
Pastoralassistent Jan-Hendrik Ilk nahm auf dem roten Sofa Platz. © Jona Wiechowski

Das rote Sofa – endlich wieder live: Nach längerer Pause konnte am Sonntag die Gesprächsrunde von St. Matthäus-Pfarrgemeinderat und Kolpingsfamilie im Pfarrsaal stattfinden. Es ging um brandaktuelle Themen.

Altena – Diesmal zu Gast waren Jan-Hendrik Ilk, der seit einigen Wochen als neuer Pastoralassistent in St. Matthäus aktiv ist, und Rolf Preiss-Kirtz aus Essen, der über sein Ehrenamt als Notfallseelsorger berichtete.

„Die Zahlen sind im Moment so hoch, dass viele Sorge haben“, leitete Christiane Frebel mit Blick auf die Corona-Inzidenz in die kleine Runde ein. Die Gäste ließen sich an zwei Händen abzählen. Fast zwei Jahre musste die Reihe wegen Corona – zumindest in Präsenz – pausieren. Die letzte Ausgabe fand im Mai noch über Zoom statt. Am Sonntag galt natürlich die 3G-Regel.

Besser kennenlernen konnten die wenigen Gäste Jan-Hendrik Ilk, der sich das Sofa mit Christiane Frebel teilte. Der 30-Jährige wird die Pfarrei St. Matthäus in den kommenden zwei Jahren verstärken und das Pastoralteam um Sandra Schnell in den drei Gemeinden St. Theresia in Evingsen, St. Josef in Nachrodt und St. Matthäus in Altena begleiten. Der gebürtige Hattinger hat seinen Dienst offiziell im August angetreten und war nach dem Abschluss seines Theologiestudiums zuvor im ersten praktischen Jahr in Halver tätig.

Von der Chemie zur Theologie

Dass er jetzt hauptamtlich für die Kirche arbeitet, war für ihn nicht von vornherein klar, wie er den Gästen erzählte – er studierte zunächst Chemie: „Das war schon immer mein Hobby.” Schnell habe er aber gemerkt, dass das nichts für ihn ist. Nichtmal ein Semester habe er durchgehalten. Mehr oder weniger aus dem Bauch heraus sei er dann auf Theologie umgesprungen.

Ein Volltreffer, wie er heute meint. In seiner Freizeit beschäftige er sich gerne mit dem christlichen Glauben. Und: „Zum Ende des Studiums war für mich klar, dass ich in der Kirche tätig sein möchte.“ Seine größte Herausforderung sieht er aktuell darin, seine Rolle als hauptamtlicher Mitarbeiter der Gemeinde zu finden.

Der Unterricht der Kommunion-Kinder ist ein wichtiger Teil von Ilks Arbeit. Veränderung sei hier im vollen Gange. Der Weg solle weg vom alten Kontrollsystem, bei dem die Kinder eine gewisse Anzahl an Gottesdiensten besuchen und abstempeln lassen müssen. Stattdessen werde auf Belohnung gesetzt. „Für Besuche von Gottesdiensten oder anderen Veranstaltungen gibt es Memory-Karten“, erklärte Ilk.

So könnten sich die Kleinen das ganze Spiel zusammensammeln. „Wir wollen Familien dabei begleiten, den christlichen Glauben in der Gemeinde wieder zu entdecken.“ Bis jetzt, so sein Eindruck, werde das gut wahrgenommen.

Dann war auf dem roten Sofa, das in dieser Ausführung am Sonntag übrigens seine Premiere feierte, der Wechsel angesagt. Jetzt sprach Stefan Kemper mit Rolf Preiss-Kirtz. Der 60-Jährige kam aus Essen und erzählte, dass er erst Jura studierte („Ich habe drei Semester durchgehalten“) und dann ebenfalls auf Theologie umschwenkte. Seit 1988 arbeitet er für das Bistum Essen, aktuell in der Arbeitsstelle für Pfarreientwicklung.

Seit zwei Jahren ist Preiss-Kirtz zudem ehrenamtlicher Notfallseelsorger. Im Juli war er eine Woche lang in Erftstadt, das massiv von der Hochwasserkatastrophe getroffen wurde. Die Bilder, wie die Flut an der Kiesgrube in Erftstadt-Blessem ganze Häuser mitgerissen hat, gingen durch ganz Deutschland. Für seinen Einsatz wurde Preiss-Kirtz vom Arbeitgeber freigestellt.

Einwöchiger Notfall-Einsatz in Erftstadt

Eine Aufgabe der Seelsorger: „Wir sind mit den Betroffenen das erste Mal nach der Flut in die Häuser gegangen.“ Er erinnerte sich an eine alleinstehende 85-jährige Frau, die vor den Trümmern ihres Hauses gestanden habe. Als das Haus von Helfern ausgeräumt wurde, habe Preiss-Kirtz mit der Dame geschaut, welche Sachen noch gerettet werden konnten. Sie habe diese harten Stunden ganz pragmatisch überstanden und mit dem Notfallseelsorger über andere Schicksalsschläge gesprochen.

Ob man auf einen solchen Einsatz überhaupt vorbereitet werden könne, wollte Kemper wissen. Nein, das alles könne in der Ausbildung gar nicht abgearbeitet werden, meinte Preiss-Kirtz. „Wir kommen in Situationen, bei denen wir vorher nicht genau wissen, was dabei rauskommt“, erzählte er. Deswegen sei es wichtig, dass Seelsorger Dinge wie Lebenserfahrung und psychische Stabilität mitbrächten. „Es hilft nicht, wenn der Helfer hilflos ist.“ Eine Sache, die ihm persönlich helfe, sei die Kraft und Stärke Gottes.

Gespräche auf dem roten Sofa finden sonst ein bis zweimal im Jahr statt – wegen Corona war die Reihe zuletzt nur eingeschränkt möglich. „Wir suchen immer nach Gesprächspartnern“, erklärte Stefan Kemper. Auch Ideen könnten gerne genannt werden.

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