: Heute Professor Doktor

Professor Doktor Herbert Korté im Drahtmuseum. Der gebürtige Dahler wanderte als 19-Jähriger nach Kanada aus. Vater und Großvater waren Drahtzieher bei der Firma Herbert. Foto: Bonnekoh

Altena -  Manchmal führen Umwege zum Ziel. Das hat der gebürtige Dahler Herbert Korté Zeit seines Lebens immer wieder erlebt. Erst am Freitag, 15. Mai 2014, noch. Als der nunmehr 74-Jährige, der seit mehr als 55 Jahren in Kanada wohnt und lebt, mit seinem Schwager Heinrich Brandt aus Düsseldorf das Deutsche Drahtmuseum besuchen wollte, nahmen beide den Event-Aufzug, kamen auf der Burg an und mussten dann die Fritz-Thomeé-Straße wieder hinunter gehen. Aber das ist nur eine Randnotiz.

Herbert Korté verließ als 19-Jähriger seine Heimat und wanderte nach Kanada aus. Er hatte zuvor im Dorf die Volksschule besucht und den Beruf des Werkzeugmachers bei der Firma Goseberg erlernt. „Ich sah damals in Dahle keine Zukunft“, sagte er gestern. „Mein Ziel war es, Ingenieur zu werden.“ Deshalb zog es ihn über den großen Teich, nach Kanada. In Toronto fasste der junge Mann, der damals kein Wort Englisch sprach, Fuß. „Ich habe in Dahle im CVJM-Posaunenchor Trompete gespielt und beherrschte auch das Klavierspielen. So habe ich mich in einer Kirchengemeinde als Organist und Chorleiter zunächst über Wasser gehalten und Geld verdient.“

Korté war von den Möglichkeiten, die sich in Kanada bildungstechnisch boten, fasziniert. „Dort gab es den Begriff der ,Reiferen Studenten’, den ich aus dem heimischen Luftkurort Dahle nicht kannte“, sagt er humorig. Der junge Deutsche setzte sich auf den „Hosenboden“, büffelte nicht nur die Sprache, er machte sein Abitur nach, studierte Philosophie und Physik. Später promovierte er und habilitierte sich sogar.

Viele Jahre arbeitete Professor Doktor Herbert Korté an einer Hochschule in London (Ontario), wechselte später zur Universtität Regina in Saks und an die renommierte Universität of British Columbia, Vancouver. Er war in der ganzen Welt ein gefragter Wissenschaftler in den Themenfeldern Philosophie, theoretische Physik und Mathematik. Ab 1992 wurde er für zwei Jahre als Gast-Professor an die Uni Bielefeld gerufen. Seine Internet-Seite gibt beredt Auskunft über sein Leben, seine Arbeitsschwerpunkte, Veröffentlichungen und sein berufliches Wirken.

Und, hat er nie Heimweh gehabt, den Entschluss bereut, nach Kanada gegangen zu sein? Korté verneint beides, sagt sogar: „Diese Entscheidung würde ich jederzeit wieder treffen. Ich habe es nicht bereut.“ Der Mama hätte er vielleicht ein bisschen zu wenig geschrieben, ist er heute aber auch etwas selbstkritisch. Beim gestrigen Besuch in Dahle hat er unterhalb des Kriegerdenkmales „alles wieder erkannt. Ich habe den Wald geliebt, den Giebel“, sagt er fast wehmütig. Und die Frage aller Fragen liegt ihm auch auf der Zunge: „Gibt es in Altena eigentlich immer noch dieses schreckliche Hochwasser?“ Jungen Leuten rät er stets neugierig zu sein, etwas zu wagen, aber seine grobe Richtung zu kennen. Hobbies hat der jetzt emeritierte Professor natürlich auch: „Musik, Musik und nochmals Musik“, sagt er. „Ich liebe Bach und musiziere gerne auf meinem Steinway-Flügel.“

Von Johannes Bonnekoh

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