Herz der Tischler-Innung schlägt in Altena

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Obermeister Johannes Wortmann und seine Kollegen stellen Jochen Losigkeit einen modernen Maschinenpark zur Verfügung.

ALTENA - Wo sonst – wenn nicht in Altena – sollte die Tischlerinnung Lüdenscheid ihren 100. Geburtstag feiern? Seit über 30 Jahren ist die ehemalige Grundschule Zum Hohle das „Herz“ der Organisation. Hier tagen nicht nur alle Gremien, hier wird auch der Nachwuchs ausgebildet. Das übernimmt mit Jochen Losigkeit ebenfalls ein Altenaer. Und Lehrlingswart sowie Vorsitzender des Prüfungsausschusses ist Jochen Harte.

Dass Obermeister Johannes Wortmann aus Balve kommt, liegt an der im vergangenen Jahr erfolgten Fusion der Innungen Iserlohn und Lüdenscheid. Dadurch lassen sich die heimischen Tischler aber nicht daran hindern, ihr Jubiläum zünftig zu feiern. Wortmann und sein Stellvertreter Nils Dietrich aus Halver laden dazu für Freitag alle ein, die sich für das Tischlerhandwerk interessieren.

Ab 10 Uhr stehen in der Lehrwerkstatt alle Türen offen – übrigens eine Einrichtung, die ihresgleichen sucht. Sie ist nicht nur eine der ältesten Lehrwerkstätten für Tischler in ganz NRW, sondern eine der ganz wenigen, die fest in der Hand der Innung ist, also keinem Berufsbildungszentrum angehört. Das sorge für eine optimale Zusammenarbeit zwischen Lehrwerkstatt und Ausbildungsbetrieb, meint Wortmann. Unterrichtet werden hier nicht nur die Auszubildenden der märkischen Betriebe, sondern auch die aus Hagen.

Wie wichtig die überbetriebliche Ausbildung ist, lässt sich an Beispiel des Obermeisters aufzeigen: Wie viele seiner Kollegen ist Wortmann spezialisiert, er baut in erster Linie Treppen. Wie ein Schrank geplant und hergestellt wird, lässt sich in seinem Betrieb kaum lernen – aber auch das muss ein Schreiner können. Er lernt’s bei Losigkeit, der die Auszubildenden vor allem im ersten Lehrjahr immer wieder unter seine Fittiche nimmt. Im Grundlehrgang lernen sie den Umgang mit Handwerkszeug wie Sägen und Stecheisen, beschäftigen sich mit Holzarten und Holzverbindungen wie dem legendären Schwalbenschwanz und erhalten auch erste Grundkenntnisse in der Pflege von Hölzern.

Es folgen dann verschiedene Maschinenlehrgänge – der sichere Umgang mit Kreissäge, Fräse und Abrichtbank will gelernt sein. Die vor sechs Jahren für 500 000 Euro erweiterte und umgebaute Lehrwerkstatt verfügt über einen kompletten Maschinenpark.

CNC – auch an den Tischlern geht das nicht vorbei. Noch stehen in Zum Hohle keine computergesteuerten Maschinen. Die enge Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg für Technik in Lüdenscheid sorgt aber dafür, dass auch das Teil der Ausbildung ist. Losigkeit steht in enger Verbindung zu den Berufsschullehrern und versucht, deren Lehrpläne mit seinen zu verzahnen.

Etwa 50 Auszubildende hat jeder der drei Jahrgänge, die in der Lehrwerkstatt geschult werden – Tendenz im Moment leicht steigend. „Es brummt im Handwerk“, freut sich Nils Dietrich und berichtet von Betrieben, die händeringend noch für dieses Jahr einen Auszubildenden (Männer sind nach wie vor deutlich in der Überzahl) suchen.

„Das ist der schönste Beruf der Welt“, schwärmt Rüdiger Kerwin, der langjährige Leiter der Lehrwerkstatt. Genau davon wollen die Tischler am Freitag ihre Gäste überzeugen und laden deshalb auch Schulklassen zum Besuch des Tag der offenen Tür ein. Ab 10 Uhr kann man in Zum Hohle den Auszubildenden über die Schulter schauen und bei einer Lehrstellenbörse auch Kontakte zu Ausbildungsbetrieben knüpfen. Für Verpflegung ist gesorgt, die Tischler haben ein Pizza-Mobil geordert.

Am Freitagabend schließt sich eine offizielle Jubiläumsfeier mit geladenen Gästen an. Erwartet werden unter anderem Landinnungsmeister Rainer Söntgerath und Kreishandwerksmeister Thomas F. Bock.

von Thomas Bender

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