Ein Herz für alte Volkskunst

Räuchermänner und -frauen gibt es in (fast) jeder Ausführung

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Räucherfrauen gibt es nur ganz selten. Sie befinden sich auf den Weihnachtsmärkten und in den Wohnungen noch immer in der Unterzahl. 

Altena - Der „Kleine Muck“ gehört bei uns zuhause schon lange „zur Familie“. Irgendwann, ich glaube, als ich acht, neun Jahre alt war, habe ich den kleinen Räuchermann meiner Großmutter abgeluchst.

Seitdem qualmt die vielleicht 20 Zentimeter hohe Holzfigur oder vielmehr das, was wir in ihren Bauch legen und dann als spitzes Räucherhütchen anzünden, Jahr für Jahr zur Adventszeit und verbreitet dabei einen angenehmen Duft. Groß verändert hat sich der kleine Mann aus dem Orient in all den Jahren nicht. Obwohl: Seine wohl mehr als 120 Jahre (und das ist kein Märchen, wie die Geschichte dieses Helden, die einst Wilhelm Hauff schrieb), hat er heute auf dem Buckel. Zwar sind die Gebrauchsspuren deutlich zu erkennen, allein: die goldenen Ohrringe, der mächtige Turban, die güldene Quaste obendrauf und die als Dreieck zu verbindenden drei goldenen Punkte auf seiner roten Uniform sowie der freundliche Blick mit den wachen, großen Augen sind geblieben und faszinieren noch immer. 

Diese kleine Figur ist nur eine von mehr als fünf Dutzend Räuchermännern, die zur Adventszeit bei uns zuhause aufgestellt werden. Halt: Seit ein paar Jahren wird die Runde noch durch Räucherfrauen vergrößert und wächst deshalb weiter. Wenngleich nur langsam. Denn auch diese Form von Räucherfiguren gibt es. 

Doch auf Advents- und Weihnachtsmärkten muss man schon eine gehörige Portion Glück haben, um auch wirklich eine Räucherfrau zu entdecken. Ob Feuerwehrmann mit rotem Schlauch, ob Gendarm in zackiger Uniform mit Handschellen und Pistole im Halfter, Künstler mit Staffelei oder schlicht der eilige Beamte mit Hut, Zigarre statt Pfeife im Mund und rotem Schirm: Räuchermänner und eben -frauen gibt es heute aus quasi jedem Berufsstand aus Holz gedrechselt.

 Liebevoll herausgearbeitete Details nehmen Betrachter gefangen

Mehr als 120 Jahre alt: Der „Kleine Muck.“

Noch immer ist das Erzgebirge eine gute Adresse, wenn man sich für diese Art von Volkskunst entscheidet. Natürlich gibt es längst industriell vorgefertigte Exemplare. Aber hat man zwei, drei Stücke davon, nur der Hut, der Mantel oder die Accessoires sind minimal verändert, besitzt man auch genug. Da lohnt sich ein Suchen und Schauen nach handgefertigten Räuchermännchen umso mehr. Auch wenn die natürlich ihren Preis haben. 

Ob Fotograf mit Kamera und Stativ, ob Lehrerin mit Tafel, Schwammtuch und Zeugnisheft, ob Holzweiblein mit Kiepe auf dem Rücken, Kopftuch und aus Sackleinen gefertigter Schürze und kleinen Reisigzweigen in der Tasche: Stets sind es die liebevoll herausgearbeiteten Details, die den Betrachter gefangen nehmen. Besonders häufig werden Spielzeugverkäufer gehandelt.

Rosenkavalier – „Willst du Rose kaufen?“ – Ganz so wie heute, in diversen Urlaubs-Restaurants im Süden....

In ihren Bauchläden tragen sie Puppen, Teddies und Weihnachtsartikel vor sich her. Dabei ist die Anstrengung, die ihnen die offenbar schwere Last bereitet, deutlich in ihrem Gesicht abzulesen. Nein, es sind nicht nur putzige Kerlchen, bunte oder naturbelassene Figuren, die die Sammlung bereichern. 

Es sind überwiegend Darstellungen von arbeitenden Menschen wie Nachtwächter mit Laterne oder Waldarbeiter, Bergmann, Bäcker, Friseur, Arzt und Spaßmacher. Ja, selbst Clowns, lange bevor es Gruselclowns gab, die die Menschen erschrecken statt zu erfreuen, rauchen und schmauchen heute bei uns zur Weihnachtszeit. Wichtig ist nur eines: Alle sind gebrauchstüchtig und dampfen ihren individuellen Duft. So wie der „Kleine Muck“. Der mag es süß-fruchtig. Er kommt halt aus dem Orient....

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