Gedächtnis der Kirchengemeinde

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Helga Mosch aus Evingsen ist „das Gedächtnis“ der evangelischen Kirchengemeinde Evingsen, nämlich die Archivarin. ▪

ALTENA ▪ Helga Mosch ist das „Gedächtnis“ der evangelischen Kirchengemeinde Evingsen. Kürzlich war sie zu Gast bei der Frauenhilfe, die von ihr einen Vortrag „aus dem Archiv“ hören wollte.

„Ich erzähle aber lieber über das Archiv“, änderte Mosch kurzerhand das Programm. Zunächst wurde die Referentin aber von Vera Kayser begrüßt und zum gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen.

Mitgebracht hatte die langjährige Kirchmeisterin der Gemeinde unter anderem das erste Kirchenbuch aus dem Jahr 1804. Den ersten Antrag auf die Gründung einer eigenständigen Kirchengemeinde und eine Unterschriftenliste der Einwohner von 1770 hatte Mosch als Kopie dabei, außerdem ein Lagerbuch mit Aufzeichnungen des Kirchenvermögens.

Spannend ist die Geschichte, wie ein Teil der alten Unterlagen wieder „auftauchte“. Im Jahr 1978, bei der Suche nach Urkunden und Dokumenten, fand sich eine alte, verstaubte Holztruhe auf dem Dachboden des Pfarrhauses. „Da lagen sie, die alten Kirchenbücher und Ordner, auf einer dicken Schicht Zeitungen. Die waren zum Teil schon von Mäusen angeknabbert, ein paar hatten sich sogar schon bis zu den Büchern durchgefressen“, erinnert sich die frühere Presbyterin. „Bei Dr. Rolf Dieter Kohl habe ich dann einen Lesekurs gemacht, um die alten Schriften überhaupt entziffern zu können. Bis 1972, unter Pfarrer Borchert, wurden noch sämtliche Protokolle per Hand geschrieben.“

Von 2002 bis 2003 wanderten die Dokumente ins Landesarchiv nach Bielefeld, wo sie sortiert und katalogisiert wurden. „Zum Glück kam auch alles wieder zurück, denn vor allem die Kirchenbücher gehören in die Gemeinde!“ Helga Mosch war anfangs skeptisch, ob sie die zahlreichen Unterlagen zurück erhalten würde. Doch nun ist sie wieder die Herrin über 295 Akten und unzählige Fotos. Und es werden immer mehr. „Erst kürzlich erhielt ich ein Foto von einem Evingser Pastor, den wir anhand anderer Bilder als Gottfried Eduard Lohoff identifizieren konnten.“ Auch er wird namentlich in einem Kirchenbuch erwähnt.

Nachdem die historischen Akten eine zeitlang auf dem Dachboden des Gemeindehauses aufbewahrt wurden, haben sie nun einen Platz in der Sakristei gefunden, in Ordnern aus säurebeständigem Papier und in Kartons gestapelt. ▪ Silvia Sauser

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