Eibe, Kiefer und Co.

Heimischer Wald im Mini-Format: Züchter im MK mit besonderem Hobby

Heimische Bäume im Bonsai-Format züchtet und sammelt Michael Laser in seinem großen Garten am Loerweg in Altena.
+
Heimische Bäume züchtet und sammelt Michael Laser in seinem großen Garten.

Kiefer, Eibe, Buche und Co. : Sie alle passen bei Michael Laser auf die Terrasse. Der Hobbygärtner aus dem MK hat eine besondereLeidenschaft - und den ganzen heimischen Wald bei sich im Garten.

Altena – „Wunderschön, nicht?“, fragt Michael Laser und lenkt den Blick auf ein 60 Zentimeter großes Bäumchen, an dem zarte rötliche Blatt-Knospen kräftig austreiben. „Eine Buche“, sagt der 56-Jährige. Im Miniatur-Format. Laser stellt den Bonsai in der blauen Schale wieder vorsichtig auf seinen Platz zurück. Der Altenaer steht in seinem wildromantischen Riesen-Garten am Loerweg mit einigen tausend Quadratmetern Fläche. Ein Riesen-Garten voller Miniaturbäume. Aber nicht alle Pflanzen dort sind mini.

Alter Baumbestand prägt das von einem kleinen Bachlauf durchzogene Gelände. „Ich mag Bäume“, sagt der fünffache Familienvater. „Wir sind immer irgendwie von Bäumen umgeben.“ Vor 18 Jahren kam dem Aufsichtsbeamten, der bei einer Berufsgenossenschaft tätig ist, die Idee, sich mit Bonsais zu beschäftigten.

Hype kommt aus China

Der Begriff komme, erläutert Laser, aus dem Japanischen und bedeute so viel wie „Baum in der Schale“. Die Passion für Bäume im Miniaturformat stamme aber aus China. Und ist bei Michael Laser in Altena angekommen. Bereits vor zwei Jahrzehnten. „Zuerst“, sagt er, „hatte ich viele Jahre Miniaturbäumchen nur im Zimmer.

Aber Bonsais gibt es für innen und außen in zahlreichen unterschiedlichen Größen. Die Pflege und Haltung innen ist vielleicht noch etwas anspruchsvoller als im Freien. Denn die kleinen Bäume reagieren, wie in der Natur, sehr empfindlich auf Lichtentzug, Sonneneinstrahlung, Bewässerung, Zugluft und vieles mehr. Das ist eine Wissenschaft für sich.“

Bäumchen gesammelt und selbst gezogen

Vor Jahren schwenkte Michael Laser um, jetzt hat er nur noch Bonsais, die in seinem Garten stehen. Dort erlebt er am Zustand der Bäumchen die Jahreszeiten auf ganz neue Weise mit. „Das ist einfach wunderschön.“ So legte sich der Altenaer nach und nach rund um seine Terrasse einen regelrechten Bonsai-Wald, hauptsächlich aus heimischen Gehölzen, an. Heute stehen dort mehr als ein Dutzend selbst gezogene Bäumchen: Kiefern, Eiben, Buchen, ein Ahorn.

Laser hat sie optisch so geordnet, dass sie sich dem Auge des Betrachters fast wie eine geschlossene Baumgruppe präsentieren. Er habe in den vergangenen Jahrzehnten in der Natur stets die Augen offengehalten, schönes, aber oft schwieriges Ausgangsmaterial entdeckt und daraus dann Bonsais erarbeitet. Denn, das ist Laser wichtig, seine Bonsais sind kaum Exoten oder gekaufte Bäumchen. „Meine Bäume stammen hauptsächlich aus unserem großen Garten. Dort habe ich sie gezielt als kleine Setzlinge oder schon größere Pflanzen ausgesucht.“

Ausstellungen, Fachbücher und viel Übung

Ist die Beschäftigung mit Bonsais nun eine besondere Art der Gärtnerei oder Kunst? Michael Laser schmunzelt und sagt: „Es macht einfach Freude.“ Denn die Gestaltungsmöglichkeiten eines Bonsais sind, so hat er nach vielen Fehlversuchen festgestellt, „fast unendlich.“ So gibt es aufrecht wachsende Exemplare, stark nach links oder rechts geneigte Bäumchen oder Formen, bei denen kleine Steine oder freigelegte Wurzeln das Interesse des Betrachters wecken.

Michael Laser hat auch Ausstellungen besucht, sich viel Wissen aus Fachbüchern angelesen und tut es noch. Es sei ein ständiges Lernen. Bonsais können dem Liebhaber etwas Wesentliches vermitteln, meint Laser: Die Augen offen zu halten für die Gesetze des Werdens und Wachsens, weil Mensch und Natur gemeinsam in diese Gesetze eingebunden seien. Wenn er die Bonsais hege, pflege, schneide oder wässere, werde er ruhig. „Richtig ruhig.“

Bonsais 20 Jahre und älter

Das tue ihm spürbar gut. Laser fügt an: „Was kann man von einem Hobby, bei dem sogar noch der Zeitaufwand wirklich überschaubar ist, mehr verlangen?“ Geduld und Hingabe seien aber zweifellos nötig und auch die Kraft, Rückschläge einzustecken. Der Baum in der Schale könne zwar viel vertragen, aber ohne regelmäßiges Wässern funktioniert es nicht. „Die Erde sollte nicht zu nass, aber gut durchfeuchtet sein. Wenn man Fehler macht, ist es zum Scheitern verurteilt.“

Die richtige Pflege macht’s: Beim Beschneiden der kleinen Kiefern und Co. muss Michael Laser aus Altena sehr behutsam vorgehen.

Einige seiner Züchtungen bringen es aktuell schon deutlich „über 20 Jahre oder sie sind sogar noch älter“. Die Frage nach dem Alter muss er oft beantworten. „Wenn sich jemand meine Buchen, Eichen oder Kiefern, ansieht, ist eine häufig gestellt Frage: Wie alt ist der denn?“ Für Michael Laser ist das im Grunde aber nicht relevant.

Ein vollständiger Baum - nur in klein

Nicht nur, weil man vor allem bei Wildbäumchen das genaue Alter of nicht bestimmen, sondern nur schätzen könne. Sondern auch, weil das naturgetreue Aussehen viel entscheidender sei – die Form der Rinde und der Blätter sowie das Wurzelwerk. „Das ist es, was ein Minibäumchen ausmacht.“

Michael Laser hat Respekt vor seinen Bäumchen. „Jeder Bonsai ist ein vollständiger Baum, lebendig und voller Stolz. Meinen Bäumchen im Garten widme ich deshalb Zeit, Wasser, Dünger und die pflegende Hand.“. Dazu gehört auch regelmäßiges, aber sehr vorsichtiges Beschneiden. „Eine weitere Möglichkeit der Formgebung ist die Drahtung. So bringe ich einzelne Zweige in die von mir gewünschte Form.“ Und wie überstehen die Bäume den Winter? „Ich schlage die heimischen Arten einfach im Garten ein. Das funktioniert gut. Ein Bonsai steht den großen Stämmen in nicht nach. Er ist ein vollständiger Baum.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare