Heimatverein lässt 3-D-Geländerelief der Drahtrollenroute von 1830 erstellen

Evingsen im Miniaturformat

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Angetan vom Ergebnis: Vereinsvorsitzender Friedrich-Wilhelm Klinke (l.) mit dem Erschaffer Siegfried Schmale.

Altena – Man möchte den Springen herunterspazieren und der Spur des Baches folgen. Das wird allerdings ein wenig schwierig bei einem Maßstab von 1:500. Ein beeindruckendes dreidimensionales Abbild des Siedlungskerns hat der Heimatverein Evingsen jetzt vorgestellt. Entstanden ist es auf einem 3D-Drucker der Firma Schmale.

 Es zeigt das frühe Dorf mit seinen prägenden Drahtrollen um das Jahr 1830. „Es gab 16 Rollen, aber nur sechs Wohnhäuser“, berichtet Friedrich-Wilhelm Klinke, Vorsitzender des Heimatvereins. Der Kreisheimatbund habe das Projekt sehr gelobt, freut sich Klinke. Es handelt sich um ein Erstlingswerk. So etwas hat in dieser Form noch niemand auf die Beine gestellt. Dafür gab es auch Fördermittel aus dem EU-Förderprogramm Leader.

Zu verdanken hat der Heimatverein das Modell den Fähigkeiten von Siegfried Schmale, der dreidimensional denken und mit neuesten Computerprogrammen umgehen kann. Schmale hat sich zur Realisierung des Geländereliefs gleich mehreren Herausforderungen gestellt. Er führte drei Datenquellen zusammen, um eine Datei zum Füttern des 3-D-Druckers zu erhalten. Da war zum einen das Evingser Urkataster aus dem Jahr 1830, das zwar wichtige Hinweise gibt, aber dem es doch an Genauigkeit mangelt. Dazu kam schließlich der Kartendienst der Internet-Suchmaschine Google, der mit seinen Messpunkten die Geländehöhen lieferte, und zuletzt Informationen aus der Geodatenbank des Märkischen Kreises. Im Mittelpunkt jeweils: der Springen.

All diese Datengrundlagen musste Siegfried Schmale zusammenführen, um den alten Evingser Ortskern sowohl dreidimensional als auch druckreif zu bekommen. Rund ein Jahr Arbeit, wenn auch mit kleinen Unterbrechungen, steckte der Evingser in das Vorhaben. Kleine Unterbrechungen gab es unterdessen nicht, als es um den Auftrag an den 3D-Drucker ging. Der hatte nämlich richtig zu tun, und das im 24-Stunden-Dienst. Am größeren Teil des Reliefs arbeitete er elf Tage lang – ununterbrochen. Als besonders schwierig stellte es sich heraus, die Höhenverhältnisse von Rolle zu Rolle nachzubilden. „Das haben die sich damals feiner ausbaldowert, als ich gedacht hätte“, berichtet Siegfried Schmale. Am Ende wurde es dann aber doch, wie es sein sollte: „Man könnte Wasser laufen lassen.“ Dieses käme dann allerdings aus einer Spritze statt aus der Springer Quelle, die für ihre hervorragende Wasserqualität bekannt ist und bis zu 40 Liter pro Sekunde liefert.

 Zu sehen ist das Relief nun in einem eigens eingerichteten Schaufenster am früheren Standort der Firma Schmale Maschinenbau an der Springer Straße. Es ist gefertigt im Maßstab 1:500. Das heißt, ein Zentimeter im Modell entsprechen fünf Metern in der Natur. Das Geländerelief bringt es auf Maße von 150 mal 50 Zentimeter. Es gibt sogar eine Beleuchtung, die dank LED-Technik sehr kostengünstig betrieben werden kann. „Wenn das Licht das ganze Jahr über an wäre, würde es sieben Euro kosten“, hat Siegfried Schmale ausgerechnet. Praktisch für künftige Führungen sind zwei kleine Schwestern des Modells, die nur 50 Zentimeter groß sind. „Die lassen sich unterwegs gut mitnehmen“, findet Friedrich Wilhelm Klinke. Mit Hilfe der Modelle soll anschaulich vermittelt werden, wie damals die Drahtrollen mit ihren Obergräben platziert wurden, um die vorhandene Wasserkraft optimal zu nutzen.

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