Wild im Corona-Stress - wegen Wanderern

Wenn der Geruch nach „Maggi“ in der Luft liegt, sind Wildschweine nicht fern.
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Für Wildschweine, Rehe und Co bringt die Corona-Pandemie auch Stress.

Das Wild ist im Stress: Immer mehr Leute zieht‘s durch Corona in die Natur, immer häufiger wandern abseits der Wege. Das stresst die Waldtiere enorm.

Altena/Nachrodt – Die Corona-Pandemie beschäftigt auch den Hegering Altena – und damit die heimischen Jäger. Da immer mehr Menschen den Wald für sich entdecken, aber längst nicht alle auf den Wanderwegen bleiben, wird das Wild in seinem Rückzugsgebiet aufgeschreckt. Zudem ließ die Pandemie im Spätherbst und Winter kaum Drückjagden zu.

Weil nahezu sämtliche Freizeiteinrichtungen, Geschäfte, Bäder und Restaurants geschlossen sind, zieht es die Menschen hinaus in die Natur. Immer mehr Spaziergänger und Wanderer sind auch in den heimischen Wäldern unterwegs, doch längst nicht alle bleiben auf den Wegen, wie Hegeringleiter Harald Laus festgestellt hat. „Ich wohne in Verserde. Hier oben ist es mittlerweile so schlimm, dass die Leute weit abseits jeglicher Wanderwege gehen.

„Auf Privatgrundstücke wird keine Rücksicht genommen“

„Sie gehen auf den Wildäsungsflächen und betreten Jagdeinrichtungen. Auf Kirrungen, auf denen wir das Schwarzwild anlocken, um der Afrikanischen Schweinepest entgegenzuwirken, werden Hunde frei laufen gelassen. Kinder, Pferde, Spaziergänger: Alles läuft da rum. Auf Privatgrundstücke wird keine Rücksicht genommen. Es sind auch Schatzsucher, so nenne ich diese Leute, unterwegs, die mit einem Peilgerät durch die Gegend eiern. Selbst Sonntagmorgens um 6.30 Uhr rennen die da rum“, spricht der Hegeringsleiter Klartext.

Er bittet Spaziergänger inständig darum, auf den Wegen zu bleiben, um das Wild nicht zur Flucht zu verleiten. Laus: „Wir haben Hunderte von Kilometern ausgezeichneter Wanderwege. Wenn man dort bleibt, hat das Wild wenigstens noch ein Rückzugsgebiet.“ Dass Wild brauche Schutz- und Rückzugsräume. „Wir haben das Schwarzwild ja schon vor Jahrzehnten zum nachtaktiven Tier gemacht. Und das ist jetzt beim Rehwild auch so, weil eben zu viele Leute unterwegs sind“, betont Harald Laus.

Kaum Drückjagden wegen der Pandemie

Ein weiteres Problem: „Die Drückjagden, die sonst im Oktober, November und Dezember stattgefunden haben, haben wegen Corona zu 99 Prozent, so möchte ich es mal behaupten, nicht stattgefunden“, sagt der Heringsleiter. „In unserem Hegering wüsste ich nicht, dass es eine Drückjagd gegeben hat.

Weil es je nach Coronaverordnung nicht erlaubt war oder wenn, dann nur mit ganz massiven Auflagen verbunden war.“ Aufgrund der Coronaschutzverordnung war unter anderem die Durchführung aller Gesellschaftsjagden (Veranstaltungen zur Jagdausübung) nicht mehr zulässig. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

Massive Wildschäden auf Grünland

In Bezug auf das Schwarzwild (Wildschweine) und der drohenden Afrikanischen Schweinepest „müssten wir eigentlich strenger dran gehen“, meint Harald Laus, „aber wir können es im Moment nicht. Da die Eichel- und Buchenmast wieder so stark war, kommt das Schwarzwild an keine Kirrung. Die Tiere gehen ab und zu aufs Grünland und verursachen massive Schäden, aber sie kommen von ihren Bucheckern und Eicheln nicht weg“, so Laus.

Zu den Kirrungen, wo sie gejagt werden könnten, kommt das Schwarzwild nicht. Das Wild sei zwar vorhanden in den Wäldern. „Nur wir sehen es im Moment nicht, weil es nicht austritt. Das ist das Problem, auch wegen der vielen Wanderer“, sagt der Hegeringsleiter, „ob jetzt mehr Wild da ist, ist schwierig zu sagen. Aber rein rechnerisch müsste mehr da sein.“ Drückjagden jedenfalls blieben wegen der Pandemie im Spätherbst und Winter weitgehend aus. Und mehr Wild könnte letztlich auch zu mehr Wildunfällen auf den Straßen führen...

Noch kein Fall von Hasenpest im MK

Im Dezember wurde im Kreis Soest bei einem toten Hasen die Tularämie (Hasenpest) nachgewiesen. Es handelt sich um eine ansteckende Infektionskrankheit, die auch auf den Menschen übertragbar ist und vereinzelt schon seit einigen Jahren auftritt. Der Fall der Tularämie, im Volksmund „Hasenpest“ genannt, ist durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Arnsberg bestätigt worden für den verendeten Hasen, der vor den Toren der Stadt Werl gefunden wurde.

Die Tularämie wird übertragen durch Kontakt mit infizierten Tieren, von blutsaugenden Parasiten (Flöhe, Läuse, Wanzen, Milben, Mücken, Zecken), über Schlamm und verunreinigtes Wasser, durch Einatmen erregerhaltigen Staubs (Heu, Silofutter, Erde) und durch Verzehr infizierten Fleisches.

Die gute Nachricht: „Im Hegering Altena ist mir noch kein Fall der Hasenpest bekannt“, sagt Harald Laus, der stets im engen Kontakt zum Veterinäramt und der Unteren Jagdbehörde im Märkischen Kreis steht. Da es bislang keine behördliche Informationen bezüglich der Hasenpest gegeben habe, geht Laus auch davon aus, dass es „hier bislang noch keinen akuten Fall gibt“.

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