Hegenscheider Weg: Mieter erhalten Kündigung

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Diese Häuser werden fallen.

ALTENA - Ulrich Waschke fühlt sich, „als würde man einem Baum die Wurzel weghacken“. Seit 34 Jahren wohnt er mit seiner Ehefrau im Haus Hegenscheider Weg 58, jetzt erhielt er die Kündigung. Grund: Die Baugesellschaft will das Haus abreißen lassen und vier weitere in unmittelbarer Nachbarschaft gleich mit. 14 Mietparteien sind betroffen, Sie sollen bis zum 31. Oktober ausziehen.

„Das war wirklich ein toller Einstand“, sagte Waschke an die Adresse von Joachim Effertz. Der neue Vorstand der Baugesellschaft überbrachte die Kündigung persönlich und – natürlich – mit Worten des Bedauerns. „Davon kann ich mir nichts kaufen“, sagt Waschke, der gerne am Hegenscheider Weg lebt. Folgerichtig fragte er gleich nach, ob er in eines der unterhalb gelgenen Häuser umziehen könne. „Aber die haben auch keine Zukunft mehr“, fasst er die Antwort auf seine Anfrage zusammen.

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Homepage der Altenaer Baugesellschaft, dass man dort keinen großen Wert mehr auf diesen Teil des Bestandes zu legen scheint. Obwohl am Hegenscheider Weg und im hinteren Teil der Feldstraße zahlreiche Baugesellschafts-Wohnungen leer stehen, findet sich keine einzige davon bei den zu vermietenden Objekten.

Vorerst sei nur der Rückbau von fünf Häusern geplant, sagte Effertz gestern. Betroffen sind drei Gebäude am Hegenscheid (oberhalb der Einmündung Feldstraße) sowie die Häuser Feldstraße 59 und 66. Es gehe darum, eine positive Wirkung für den gesamten Straßenzug zu erzielen. Die Maßnahme verbessere das Bild des „Quartiers“, wie Straßenzüge im Stadtplaner-Jargon heute genannt werden, ganz entscheidend, glaubt der Baugesellschafts-Vorstand. Der Bereich werde dadurch heller und freundlicher.

Waschke hätte sich gewünscht, darüber bei einer Mieterversammlung informiert zu werden und nicht dadurch, dass nach und nach den einzelnen Mieter gekündigt wird. Für ihn liegt die mangelnde Nachfrage nach den Wohnungen am Hegenscheider Weg auch darin begründet, „dass hier praktisch nichts gemacht worden ist“. In den 34 Jahren, in denen er in seiner Wohnung lebe, sei „einmal das Haus gestrichen worden und dann noch der Flur - das war’s“.

Dass sie in die Jahre gekommen sind, sieht man den Baugesellschaftshäusern rund um die Bushaltetstelle Hegenscheider Weg deshalb deutlich an. Dafür sind die Mieten niedrig, liegen am unteren Ende des bei etwa drei Euro/Quadratmeter beginnenden Mietniveaus des Unternehmens. Mehr wollen Waschke und seine Frau eigentlich nicht zahlen. Allerdings habe ihm die Baugesellschaft noch kein entsprechendes Alternativ-Angebot gemacht, sagt der 62-Jährige.

Effertz verspricht gleich- oder höherwertige Ersatzwohnungen. „Ob Single oder Familie, wir klären mit jedem einzelnen Mieter seinen Bedarf, seine Wünsche und Vorstellungen ab und bieten ihm eine neue Wohnung aus unserem großen Bestand an.“ Ganz einfach wird das abernicht werden. Einerseits reduziert die Baugesellschaft seit einigen Jahren durch Abbrüche ihren Wohnungsbestand. Andererseits saniert sie mit erheblichem Aufwand das, was bleibt – was Auswirkungen auf die Miete hat. 5,60 Euro/Quadratmeter kostet zum Beispiel eine wenige hundert von Waschkes Wohnung entfernte, durchsanierte Zweizimmerwohnung der Baugesellschaft. Kalt, versteht sich – und auch ohne sonstige Nebenkosten. Drei Euro-Wohnungen sind inzwischen die Ausnahme.

von ThomasBender

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