Haushaltsplan 2017 liegt öffentlich aus

Mittel der St. Matthäus-Großgemeinde werden knapp

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Stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes St. Matthäus ist Dietmar Flusche (links) neben Pfarrer Ulrich Schmalenbach. Beide haben am Haushalt 2017 entscheidend mitgearbeitet

Altena - „Ich wünsche mir sehr, dass unsere Gemeindemitglieder ein Gefühl dafür bekommen, dass sie ihre Kirchengemeinde finanziell mittragen müssen. Sonst geht es einfach nicht mehr weiter.“

Besorgnis schwingt hörbar in der Stimme von Pfarrer Ulrich Schmalenbach mit. Er ist verantwortlich für St. Matthäus, St. Theresia Evingsen und St. Josef Nachrodt. 

In diesen Tagen hat er gemeinsam mit dem Kirchenvorstand den Haushaltsplan für das Jahr 2017 erarbeitet. Bevor das umfangreiche Zahlenwerk, das gut und gerne einen kompletten DIN A 4-Ordner füllt, in Kraft tritt, hat die Gemeinde noch die Möglichkeit es im Detail einzusehen. Per Bekanntmachung im Schaukasten am Kirchplatz aber auch über die Pfarrnachrichten lädt Schmalenbach seine knapp 5 500 Katholiken ein, „(...im Pfarrbüro zu den Öffnungszeiten den Haushaltsplan 2017 einzusehen.“) Gebrauch davon machen wenige – doch sollten sie es tun, bleibt vom Mythos der „steinreichen katholischen Kirche“ nicht viel übrig.

Steinreiche katholische Kirche

190 479,40 Euro weist das Zahlenwerk als Schlüsselzuweisung des Bistums Essen für das Jahr 2017 aus. Von diesem Betrag müssen alle Betriebskosten wie Gas, Strom, Wasser und das Personal bezahlt werden. Was üppig klingt, muss relativiert werden. So hat die Pfarrsekretärin nur eine halbe Stelle, ebenso wie die Verwaltungsleiterin oder der Küster. Auch die Organistin, die sich selbst als „Reisende in Sachen Kirchenmusik“ bezeichnet, muss, wie die Reinigungskräfte, anteilmäßig aus diesem Topf bezahlt werden. „Allein im vergangenen Haushaltsjahr mussten wir mit einer Summe von etwa 20 000 Euro auf unsere Rücklagen zurückgreifen“, sagt Dietmar Flusche.

Einen A 4 - Ordner füllt der Haushaltsentwurf 2017 der Großgemeinde mit eng beschriebenen Seiten.

 Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und damit für die finanziellen und personellen Eckdaten und Entscheidungen der Gemeinde zuständig und verantwortlich. Minus 20 000 Euro, Tendenz steigend. „Wir verfügen deshalb bei pastoralen Anliegen praktisch über Null Finanzmittel“, sagt Pfarrer Ulrich Schmalenbach. Deshalb gründete er vor Jahren das Förderwerk St. Matthäus. „Ohne diese im Mittel 10 000 Euro Zuschuss/Jahr für eben diese gemeindlichen Anliegen ging gar nichts mehr.“ Hauptkostenpunkte sind neben der Kirchenheizung auch Posten wie die Umlage des Abwasserwerkes.

Riesige Dachflächen

Durch die gewaltigen Dachflächen fallen riesigen Summen an, die die Kirchengemeinde zu zahlen hat. Hinzu kommt die Unterhaltung aller Gebäude. Sind St. Thomas-Morus und die Kirche vom Frieden Christi vermietet, kostet St. Paulus sowie das leer stehende ehemalige Pfarrhaus in der Rahmede viel Geld. „Wir können halt nicht einfach alles verfallen lassen.“ Längst seien die Sonntags-Kollekten auch keine üppige Geldquelle mehr.

Bistum Essen kassiert

Ein Großteil davon muss direkt ans Bistum abgeführt werden. Dort denkt man inzwischen in Sachen Gebäudemanagement über eine A, B und C-Klassizifierung nach. Heißt: Unbedingt erhalten, nur das nötigste tun, bei Verschleiß abstoßen und aufgeben. Die kostenträchtigen Friedhöfe der Gemeinde haben einen eigenen, defizitären Haushalt.

Eigene Finanzverwaltung

Die Kindergärten sind auch ausgegliedert aus diesem Finanzplan. Eines aber stellt der Pfarrer noch deutlich klar: „Noch kühler, als jetzt mit 16 Grad Celsius wird die Kirche nicht werden. Irgendwann ist auch hier einmal Schluss mit dem Sparen. Das geht einfach nicht.“

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