Turnerinnen 70plus in Altena

„Tussis“ trotzen Corona mit Whatsapp

Der angeklagte Kripobeamte hatte einen Kollegen gedeckt, der fremdenfeindliche Textnachrichten über Whatsapp verbreitet hatte.
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Per Whatsapp kommunizieren die „Tussis“ regelmäßig

Sie schicken sich per Whatsapp fast täglich Videos, Fotos und den einen oder anderen lustigen Spruch. 17 Frauen aus Altena, die durch Corona derzeit keinen Sport mehr zusammen machen können. Viele sind 70 Jahre und älter.

Altena – Sie schreiben sich gegenseitig liebe Worte und Sätze, wünschen sich morgens einen tollen Tag, teilen die eine oder andere schöne Erinnerung oder gratulieren sich, wenn es dann mal wieder bei einer von ihnen so weit ist, zum Geburtstag.

Sie – das sind 17 ältere Damen aus der sogenannten Hausfrauen-Abteilung des TuS Mühlenrahmede, die trotz Kontaktbeschränkungen Kontakt halten. Und zwar digital in ihrer Whatsapp-Gruppe, in der an manchen Tagen reichlich Nachrichten verschickt werden. Und wie es sich gehört hat die Whatsapp-Gruppe natürlich auch einen Namen: Hausfrauen-Tussis.

Einer dieser „Tussis“ vom TuS Mühlenrahmede ist Edith Jankowski. Mit ihren 89 Jahren ist sie zugleich die älteste der Frauen, die über Whatsapp kommunizieren und sich gegenseitig große Freude bereiten. „So bleiben wir in Kontakt. Das ist uns wichtig“, sagt Edith Jankowski, der etwas fehlen würde, wenn es diese Whatsapp-Gruppe nicht gäbe.

Edith Jankowksi (89): Daten-Volumen erhöht

„Einmal hatte ich mein Datenvolumen aufgebraucht“, sagt die 89-Jährige, die demnächst Urgroßmutter wird und alleine lebt. Die Videos und Fotos der anderen Hausfrauen-Tussis konnte sie für eine kurze Zeit nicht mehr empfangen, wie sie es gewohnt war. „In dieser Zeit hat mir richtig was gefehlt“, sagt Edith Jankowski, die daher direkt Vorsorge getroffen hat: „Ich habe jetzt mehr Datenvolumen.“

Sie sagt diese Sätze mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass es ihrem Zuhörer am anderen Ende der Leitung eine wahre Freude ist, dieses Gespräch mit ihr über die Hausfrauen-Tussis-Whatsapp-Gruppe zu führen.

Hausfrauen-Abteilung: Mehr als nur Training

Apropos Selbstverständlichkeit: Für die Damen der TuS Mühlenrahmeder Hausfrauen-Abteilung war ihr wöchentliches gesundheitsorientiertes Training über viele Jahre eine solche Selbstverständlichkeit. Die Gruppe um Übungsleiterin Gerlinde Tesch kam nicht nur zusammen, um die eigene Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern.

Nein, es ging auch um Geselligkeit, ums Klönen und Plaudern vor, während und nach dem Training. Es ging auch um Gemeinschaft. Um Kontakte. Und ja, es ging auch darum, entstandene und mit den Jahren gewachsene Freundschaften zu pflegen. Alles, was einst so völlig normal erschien, ist es wegen dieses fiesen Virus, das sich 2020 auf die Reise um die Welt machte, längst nicht nicht mehr möglich.

35 Frauen gehören zur Gruppe

Mehr als ein Jahr Pandemie. Dauer-Lockdown seit November. Seit Wochen hohe Inzidenzen im MK. Ausgangssperre. Private Kontakte sind wieder auf ein Minimum reduziert, Treffen mit einer größeren Gruppe nicht erlaubt. Was für Zeiten...

Wie könnte die Hausfrauen-Gruppe in eben diesen schwierigen Zeiten den Kontakt untereinander aufrechterhalten? Diese Frage stellte sich Elke Rollfing, die stellvertretende Übungsleiterin, vor rund einem Jahr. Telefonieren, klar, das ging – allerdings nicht in der Gruppe, zu der insgesamt 35 Damen zählen.

95 Videos in einem Monat geteilt

Elke Rollfing hatte da glücklicherweise so eine Idee und gründete die besagte Whatsapp-Gruppe. „Das Besondere ist, dass von den Frauen in der Whatsapp-Gruppe fast alle über 70 und fünf von ihnen über 80 Jahre alt sind“, betont Elke Rollfing. Als Gruppengründerin ist sie als 18. Frau in der Runde mit dabei und total begeistert davon, wie gut diese von den älteren Damen, von denen einige keinen Partner mehr haben, angenommen wird.

Zwischen dem 25. März und dem 26. April seien von den „Hausfrauen-Tussis“ allein 95 Videos verschickt worden, hat Elke Rollfing gezählt. Es sind mal Tiervideos, mal Tanzvideos, mal Videos von Blumen. „Die Videos werden mit schönen Sprüchen munter verschickt und auch kommentiert“, sagt Elke Rollfing.

Smartphone ist nicht selbstverständlich

An manchen Tagen würden zwischen 20 und 30 Nachrichten gesendet. „Manchmal aber auch gar keine. Das ist selten und dann wird auch gleich nachgefragt: ,Was ist los mit euch?’“, so Rollfing, die mächtig Freude an der Gruppe hat. „Die Frauen machen viele lustige Sprüche und schaukeln sich gegenseitig hoch. Auch das Thema Corona wird mal auf die Schippe genommen“, sagt die Übungsleiterin.

Obwohl die Pandemie innerhalb eines Jahres so vieles verändert hat, würde in der Gruppe aber nicht über die ganzen Einschränkungen geklagt. Schade findet Elke Rollfing, dass nicht alle Frauen aus der Hausfrauen-Abteilung Whatsapp haben oder damit umgehen können. „Ein Smartphone hat nicht jeder in dem Alter“, sagt die 56-Jährige.

Kinder bringen 89-Jähriger Whatsapp bei

Auch Edith Jankowski besaß lange Zeit kein mobiles Telefon und somit auch nicht Whatsapp. „Ich habe vor eineinhalb Jahren damit angefangen“, sagt die sympathische Seniorin, „zwei meiner drei Kinder haben gesagt, ich sollte das mal versuchen.“ Und das tat sie dann auch.

Ihr Schwiegersohn richtete ihr die App auf dem Smartphone ein – und Edith Jankowski legte los. „Man braucht es nicht unbedingt, aber man möchte es auch nicht missen, wenn man es hat“, sagt die 89-Jährige. Die ersten Schritte hat sie gezeigt und erklärt bekommen. „Aber so schwer ist es auch nicht.“

„Dönekes“ und mehr getauscht

Per Whatsapp kommuniziert sie nicht nur mit den anderen Hausfrauen-Tussis, sondern auch mit ihren Kindern und Enkelkindern. Datenvolumen hat sie ja jetzt schließlich genug. Sie sei natürlich „ein bisschen vorsichtig“ im Umgang mit dem Smartphone. „Neue Apps lasse ich mir vom netten Nachbarn einrichten“, lacht die 89-Jährige.

Die Whatsapp-Gruppe der TuS-Hausfrauen, in der auch mal „mancher Unsinn“ geschrieben und „Dönekes“ gemacht würden, über die dann herzhaft gelacht wird, möchte sie nicht mehr missen. Das ist ihren Worten deutlich zu entnehmen. Und den anderen Damen dürfte es wohl ähnlich gehen.

Kontakt auch per Festnetz

„Anfangs hatten viele Frauen in der Gruppe noch gar kein Handy“, berichtet Elke Rollfing, die es klasse fand, als sich einige Damen dann ein Smartphone organisierten. „Eine Turnerin bekam das alte Handy der Nachbarstochter geschenkt und wurde von der auch angelernt“, berichtet die 56-Jährige.

Andere hätten beispielsweise von Enkelkindern gezeigt bekommen, „wie man chattet“. Zu den Frauen der Hausfrauen-Abteilung, die nicht über Whatsapp verfügen, werde aber selbstverständlich auch Kontakt gehalten. Klassisch per Anruf über das Festnetz.

Kontakte sind wichtig in diesen schwierigen Zeiten, die moderne Technik hilft. Und wer Elke Rollfing oder Edith Jankowski zuhört, darf davon ausgehen, dass das auch so bleiben wird, wenn Treffen auch in größeren Gruppen und gemeinsamer Sport der Mühlenrahmeder Hausfrauen irgendwann wieder möglich sein werden...

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