Unterversorgung zwingt zum Handeln

Die Altenaer sind mit Hausärzten unterversorgt.

Altena -  Altenas Hausärzte leisten gute Arbeit – aber es gibt zuwenig davon. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KV) gibt den Versorgungsgrad mit 73,3 Prozent an und spricht deshalb von einer Unterversorgung. Vier neue Ärzte wären nach Ansicht der KV erforderlich. Die Situation sei so ernst, dass jetzt einschneidende Beschlüsse gefasst wurden.

Aufgabe der KV ist es auch, die ärztliche Versorgung in der Fläche sicherzustellen. Sie kooperiert dabei mit einem Landesausschuss, dem neben Ärztevertretern auch Delegierte der Krankenkassen angehören. Dieses Gremium beschäftigte sich jetzt mit der ärztlichen Versorgung im Märkischen Kreis und beschloss eine Reihe von Maßnahmen, die Altena helfen sollen.

Dazu gehört, dass Lüdenscheid „Sperrgebiet“ wird. Das bedeutet: Bis Sommer 2016 werden dort keine zusätzlichen Hausärzte mehr zugelassen. Gleiches gilt für Halver, Schalksmühle und Herscheid. Auch im Bereich Iserlohn sollen bis auf weiteres keine weiteren Kassenzulassungen für Hausärzte mehr vergeben werden.

Damit führt für Hausärzte, die sich im Kreis niederlassen wollen, an Altena kaum noch ein Weg vorbei. Sie sollen zudem mit lukrativen finanziellen Hilfen angelockt werden. Zuschüsse für Räume, Personal und Einrichtung, Mietdarlehen oder Umsatzgarantien – es gebe verschiedene Möglichkeiten, den Niederlassungswilligen unter die Arme zu greifen, sagte Christopher Schneider, Pressesprecher der KV Westfalen Lippe, im Gespräch mit den Lüdenscheider Nachrichten.

Für Schneider ist Lüdenscheid ein „stabiles Versorgungsgebiet“, der Versorgungsgrad liegt nach seinen Angaben bei über 100 Prozent. Das las sich noch ganz anders, als sich vor wenigen Tagen die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone und AOK-Regionalleiter Ludger Gochermann mit dem Thema beschäftigten und darauf verwiesen, dass in Lüdenscheid bis zum Jahr 2020 fast jeder zweite niedergelassene Hausarzt das 65. Lebensjahr erreichen wird. Für junge Ärzte müsse die Tätigkeit in ländlichen Regionen deutlich attraktiver werden, forderte Crone.

Ganz so plakativ sieht es der Ausschuss inzwischen nicht mehr, sondern siebt den Märkischen Kreis aus. Noch im November vergangenen Jahres galt der Mittelbereich Lüdenscheid mit seinen drei Nachbarkommunen als Mangelregion. Sieben ausgeschriebene Hausarztstellen dokumentierten die Not.

Davon ist seit Juni nicht mehr die Rede. „Lüdenscheid ist ein stabiles Versorgungsgebiet“, erklärte Christopher Schneider, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, und verweist auf die aktuelle Tabelle.

Danach liegt der Versorgungsgrad für Lüdenscheid und Umgebung bei 100,6 Prozent. Ab 110 Prozent gilt ein Bereich als überversorgt. Erst ab dieser magischen Grenze sprach das Gremium bislang ein Verbot für neue Praxen aus. Doch seit ein paar Wochen hängt die Messlatte wegen der prekären Situation in Altena zumindest im Märkischen Kreis tiefer.

Die hausärztliche Versorgung zwischen Hönne und Volme ist sehr unterschiedlich. Spitzenreiter ist Herscheid mit einer Versorgungsquote von 114,6, während Iserlohn einen Deckungsgrad von 109,6 Prozent aufweist. Schalksmühle folgt mit 108 und Halver mit 91,5.

Etwas überraschend ist die Entwicklung deshalb, weil die jetzt angewendet, kleinräumige Sichtweise bisher nicht unbedingt üblich war. „Bis 2013 war der Märkische Kreis als Ganzes der Maßstab für den Versorgungsgrad bei den Hausärzten. Das führte zu deutlich größeren Schieflagen, denn auf der Kreiskarte war Altena kein akuter Fall“, erklärt Schneider.

Der Sperrgebiet-Erlass in und um Lüdenscheid gilt bis zum Sommer 2016. Zwei Ereignisse würden den Ausschuss zum vorzeitigen Handeln zwingen. Sollte über die Burgstadt urplötzlich eine Flutwelle an Ärzten hereinbrechen oder Lüdenscheid in den zweistelligen Versorgungsgrad rutschen, weil eine freie Praxis nicht nachbesetzt werden kann, sähe sich das Gremium zur Korrektur veranlasst. AOK-Regionalleiter Gochermann warnt allerdings davor, sich falsche Hoffnungen zu machen: „Beides ist nicht sehr wahrscheinlich.“ - Von Bernd Eiber und Thomas Bender

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