Harte Zeit für ganze Branche: Nächste Bäckerei macht dicht

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Immer weniger Handwerk-Bäckereien gibt es.

Altena – Wieder ein Geschäft weniger: Ein Bäcker hat in Altena geschlossen.Die Zahl der Betriebe sinkt drastisch.

Wieder ein Geschäft weniger: Axel Beul hat seine Bäckerei an der Bahnhofstraße aufgegeben. Erst hieß es „wegen Krankheit geschlossen“, dann stand gar nichts mehr im Fenster. 

Nachdem das zu Irritationen und Spekulationen führte, tauchte letzte Woche wieder ein Zettel am leer stehenden Ladenlokal auf: Der Betrieb sei Ende Januar eingestellt worden, man danke der Kundschaft für das langjährige Vertrauen, heißt es dort. 

Über die Hintergründe der Geschäftsaufgabe weiß man nichts: Alle Versuche, Axel Beul telefonisch zu erreichen, schlugen fehl. Die Bäckerei Beul war im Innenstadtbereich die letzte Bäckerei mit angeschlossener Backstube. 

"Ein Stück Kindheit weg"

Ihre Schließung wird in den einschlägigen Facebook-Gruppen bedauert: „Wieder ein Stück Kindheit weg“, heißt es dort. Von „Bäckerlegende“ ist die Rede und von der hohen Qualität der dort produzierten Backwaren. 

Die Bäckerei beul hat geschlossen.

Jetzt gebe es handwerklich erzeugte Backwaren nur noch bei Timmermann in Dahle, klagen viele – doch das ist nicht ganz richtig: Auch die beiden zur Sondermann-Gruppe zählenden Filialen am Markaner und im Stapelcenter sowie die Bäckerfilialen im Netto und bei Edeka gehören zu Meisterbetrieben des Bäckereihandwerks, die allerdings ein anderes Konzept verfolgen. 

Zahl drastisch gesunken

Tatsächlich ist die Zahl der Bäckereien über die Jahrzehnte drastisch zurückgegangen. Ältere Altenaer erinnern sich noch gut daran, dass es in den 1980-er Jahren alleine in Evingsen zwei echte Bäcker gab. Heute zählt die Bäckerei-Innung Märkischer Kreis gerade noch 16 Mitglieder im gesamten Kreisgebiet – die Bäckerei Beul ist dabei noch mitgezählt. 

2006, als sich die Innungen Lüdenscheid und Iserlohn zusammenschlossen, seien es noch 42 gewesen, berichtet Dennis Pusch, Pressesprecher der Kreishandwerkerschaft. In der Innung muss man als Bäcker nicht sein, wohl aber in der Handwerkskammer. Die kennt im Märkischen Kreis noch knapp 30 handwerklich arbeitende Bäckereien. 

"Bäckersterben"

Im alten Bundesgebiet gab es vor 60 Jahren noch 55 000 Bäckereien, heute sind es in ganz Deutschland nur noch knapp 11 000 Bäckereien – Tendenz weiter sinkend. Gegenüber der Zeitung Welt zeigt sich Ulrike Detmers, Präsidentin des Verbands der Großbäckereien, davon überzeugt, dass es einen weiteren Rückgang geben wird. Von „Bäckersterben“ schreibt die Welt in diesem Zusammenhang. 

Aber das ist nach Auffassung der Deutschen Handwerkszeitung ein „Mythos“. Der Umsatz der Betriebe steige, auch die Zahl der Kunden nehme zu, berichtet die Fachzeitschrift. Dass es immer weniger Bäckereien gebe, sei allein auf einen Strukturwandel zurückzuführen.

Umsatz nicht immer das Problem

So ähnlich sieht das auch die Kreishandwerkerschaft. Der Trend gehe zu größeren Betrieben mit mehreren Filialen, weiß Dennis Pusch. Und: Wenn Läden schließen, dann liege das nicht immer am Umsatz. Vielfach sei es auch schwierig, Nachfolger zu finden, wenn ein Betriebsinhaber in Rente geht. Manchmal würden solche verwaisten Betriebe dann von größeren Bäckereien übernommen und als Filiale weitergeführt.

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