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Harald Brüggemann arbeitet seit 50 Jahren bei Evingser Werkzeugbauer

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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Withöft-Chef Brüggemann steht mit seinen 64 Jahren und 50 Jahren Betriebszugehörigkeit immer noch oft an den Maschinen.
Withöft-Chef Brüggemann steht mit seinen 64 Jahren und 50 Jahren Betriebszugehörigkeit immer noch oft an den Maschinen. © Goor-Schotten, Hilde

50 Jahre in ein und demselben Unternehmen arbeiten – solche Jubiläen werden immer seltener. Harald Brüggemann konnte es jetzt feiern. Er hat aber nicht nur ein halbes Jahrhundert der Firma Withöft die Treue gehalten. Er hat sich auch vom Lehrling zum geschäftsführenden Gesellschafter hochgearbeitet.

Altena – Im August 1972 trat der damals 14-Jährige seine Lehre bei dem Evingser Werkzeugbauunternehmen an. „Eigentlich wollte ich Autoschlosser werden“, erinnert er sich, machte ein Praktikum beim Opel-Händler in Altena. Aus der Lehrstelle wurde aber nichts, er schwenkte um zum Werkzeugmacher. „Mein Vater wollte eigentlich, dass ich ins Büro gehe“, schmunzelt er – das erinnert an die Einstellung vieler Eltern heute. Für Harald Brüggemann stand aber fest, dass es etwas Praktisches werden sollte, und das hat er bis heute nicht bereut: „Es hat Spaß gemacht, und es macht immer noch Spaß. Am Ende des Tages zu sehen, was man gemacht hat, ist ein gutes Gefühl“, sagt der 64-Jährige.

Im Büro ist er am Ende aber doch gelandet. 1986 machte er seinen Meister und wurde Betriebsleiter in der 1950 von Wilhelm Withöft gegründeten Firma. 2003 verkaufte die Familie den Betrieb. Nach den Krisenjahren 2009/2010 mit langer Kurzarbeit stand die nächste Veränderung an. Die Alternativen: Schließen oder nach Süddeutschland verlagern. Beides wenig attraktiv – Brüggemann übernahm das Unternehmen schließlich als geschäftsführender Gesellschafter, sprang quasi ins kalte Wasser. „Es hing ja nicht nur mein Arbeitsplatz dran“, sagt er, „die Verantwortung zu übernehmen, das war schon was anderes.“

Die Arbeitstage zwischen Büro und Produktion sind sehr lang. Withöft Werkzeugtechnologie ist ein kleines, familiäres Unternehmen. „Als ich als Lehrling anfing, waren wir 30 Mitarbeiter. Heute sind es 14“, berichtet Brüggemann – einige hat er selbst ausgebildet. „Er steht immer noch oft an der Maschine“, erzählen die Mitarbeiter über den Chef.

Withöft Werkzeugtechnologie in Evingsen ist ein kleines, familiäres Unternehmen.
Withöft Werkzeugtechnologie in Evingsen ist ein kleines, familiäres Unternehmen. © Goor-Schotten, Hilde

Gemeinsam entwickeln und fertigen sie Umformwerkzeuge für die Weiterverarbeitung des Drahts in der Kalt- und Warmumformung, allesamt Sonderanfertigungen nach Kundenwünschen. In dem Bereich gebe es viele Mitbewerber, sagt Brüggemann. Ganz anders sieht es beim zweiten Standbein des Unternehmens aus, den Drahteinziehzangen, mit denen der Draht auf die Ziehscheiben gezogen wird. „Da sind wir zumindest in Deutschland weitgehend allein.“ Nahezu alle Drahtziehmaschinen-Hersteller würden Zangen aus Evingsen verbauen. Weltweit, in rund 60 Ländern, ist man so vertreten. Draht stecke in unendlich vielen Produkten, vom Handy bis zum Brückenbauteil. „Und irgendwie sind wir oft beteiligt“, meint der Withöft-Geschäftsführer und lacht. Die Zangen packen hauchdünne Drähte bis 2 Millimeter Durchmesser ebenso sicher wie Schwergewichte bis 40 Millimeter. Auch hier nehmen die Sonderanfertigungen nach besonderen Kundenwünschen zu.

In den Teilen, die bei Withöft entstehen, steckt trotz moderner CNC-Maschinen noch relativ viel Handarbeit. „Wir machen alles selbst und geben nichts raus“, sagt Brüggemann. Nachwuchs dafür zu finden ist auch in Evingsen nicht leicht.

Aktuell wiegen jedoch andere Probleme schwerer. Zum einen drehten sich die Kosten in einer Spirale nach oben, klagt er. Zum anderen mache die Materialbeschaffung oft Sorgen. „Früher haben wir einfach bestellt und das Hartmetall zwei bis drei Wochen später bekommen. Heute muss man mehrere Lieferanten anfragen und dann zum Teil monatelang warten.“ Sorgen, an die Brüggemann vor 50 Jahren nicht im Traum gedacht hat.

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