Handy verrät: Angeklagter war in Köln

ALTENA ▪ Am vierten Verhandlungstag im Schwurgerichtsprozess gegen den wegen zweifachen Mordes angeklagten Michael P. aus Neuenrade ging es schwerpunktmäßig um den Mord an einem Pizzeria-Besitzer in Köln. Und es schlug die Stunde der Ermittler.

Ein Kriminalbeamter sagte zu den Ergebnissen aus, die die so genannten Funkzellendaten offengelegt hatten. Mit ihrer Hilfe kann der Standort eines Handys zu einer bestimmten Zeit geortet werden.

Der 47-jährige Kriminalbeamte berichtete, dass am Tag der Tat im Oktober 2006 zweimal ein Firmenhandy eines Neuenrader Unternehmens von einem Sendemasten auf einem Haus an der Deutzer Freiheit in Köln – und damit nahe des Tatortes – registriert wurde. Angerufen wurden eine Mobilfunk- und eine Festnetznummer, die beide der späteren Ehefrau des Angeklagten gehörten. Das Firmenhandy war dem Angeklagten zugeordnet, der zu diesem Zeitpunkt für das Neuenrader Unternehmen tätig war - sein Einsatzgebiet soll jedoch nur der Märkische Kreis gewesen sein. Strafverteidiger Andreas Trode beantragte gleich darauf, diese Erkenntnisse nicht in die Beweisaufnahme einfließen zu lassen. Der Kriminalbeamte sagte weiter, die Arbeitsnachweise, die der Angeklagte täglich an die Firma faxte, würden am 5. Oktober enden – am Tag vor der Kölner Tat. Weiter kamen drei Zeugen zu Wort, die den Täter in und an der Pizzeria gesehen haben. Sie hatten ihn der Polizei gegenüber jedoch als jünger beschrieben. Nur einer der Zeugen bezifferte die Wahrscheinlichkeit, im Angeklagten den Mann aus der Pizzeria wiederzuerkennen, auf „80 Prozent“. Allerdings erinnerten sich alle drei an eine Dokumententasche, die der Mann unter dem Arm trug. Die Ehefrau hatte ausgesagt, dass der 48-jährige ihr erzählt hatte, er habe einen Mann durch eine Aktentasche hindurch erschossen.

Zum anderen Verfahrenszweig, dem Muckebeutel-Mord, wurden drei ehemalige Zivildienstleistende der Johanniter befragt, darunter der heute 39-Jährige, der die Leiche der Rentnerin gefunden hatte. Er und sein Kollege hatten anfangs an einen Sturz der Frau geglaubt, bei dem sie sich eine Kopfplatzwunde zugezogen hatte. Alle beschrieben das Opfer als sympathische Frau. Sie habe zudem immer ein großzügiges Trinkgeld gegeben. ▪ tk

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