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Handwerk schlägt Alarm: „Sehr hohe Inflation wird immer problematischer“

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Von: Markus Wilczek

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Auch im Handwerk macht sich die hohe Inflation mittlerweile deutlich bemerkbar. © Michael Reichel

Die Hoffnung auf eine Erholung im südwestfälischen Handwerk in diesem Jahr wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erfüllen. Das ist das Ergebnis der Frühjahrs-Konjunkturumfrage, die die Handwerkskammer Südwestfalen gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften Märkischer Kreis, Hochsauerland und Westfalen-Süd durchgeführt hat.

Einer der Gründe für die schwächelnde Konjunktur ist die Corona-Pandemie, die den heimischen Betrieben im Erhebungszeitraum der Frühjahrs-Konjunkturumfrage erneut Probleme bereitet hat. Erschwerend hinzu kommt der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. Störungen der Lieferketten und steigende Energie- wie Rohstoffpreise treffen hier das Handwerk. Auf dem Beschaffungsmarkt durch steigende Preise und fehlende Rohstoffe, aber auch durch zurückhaltendes Investitions- und Konsumverhalten der Kunden.

„Die sehr hohe Inflation wird für das Handwerk und seine Kunden immer problematischer“, sagt Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen. „Umso wichtiger ist jetzt, dass die Europäische Zentralbank entschlossen die Inflation bekämpft.“ Einzig verbliebene Stütze bleibt das Bau- und Ausbaugewerbe, dessen Leistungen nach wie vor gefragt sind.

Lage im Bau- und Ausbaugewerbe noch stabil

Bei den Umsätzen gehen die Bau- und Ausbaubetriebe aktuell noch von einer stabilen Lage aus. Gleiches gilt für den Nahrungsmittelsektor. Den größten Umsatzrückgang sehen hingegen die Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich und die Kfz-Branche auf sich zukommen. Generell wird der Umsatz, so ist es aus den Rückmeldungen der Betriebe zu lesen, in Südwestfalen nur wenig zulegen und aller Voraussicht nach hinter die allgemeine Preisentwicklung zurückfallen. Diese liegt aktuell bei 7,9 Prozent. Tendenz: steigend.

„Weiterhin sind viele Betriebe mit einer extrem ausgeprägten Preisdynamik konfrontiert. Das führt dazu, dass viele Kalkulationen hinfällig werden. Zudem macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Aufträge können mangels Personals nicht abgearbeitet werden“, teilt die Handwerkskammer mit.

Probleme im Märkischen Kreis besonders groß

Im regionalen Vergleich der Kreise Südwestfalens wird deutlich, dass sich der durch die Industrie stark geprägte Märkische Kreis den konjunkturell rückläufigen Entwicklungen dieses Wirtschaftszweiges nicht entziehen kann, was auch auf das heimische Handwerk Auswirkungen hat.

Der Rückschlag in Südwestfalen zeige sich laut Handwerkskammer in den aktuellen Zahlen zwar noch moderat. „Spätestens beim Blick in die Zukunft wird er aber deutlich sichtbar.“ Aktuell meldet fast jeder zweite Betrieb noch gute Geschäfte, nur 14 Prozent schätzen die Lage der letzten Monate als schlecht ein. Die Erwartungen für den Sommer sind allerdings stark eingetrübt. Nur noch 18 Prozent der Betriebe gehen von besseren Geschäften aus, fast ein Drittel aller Unternehmer sieht schlechtere Zeiten auf sich zukommen.

Optimistisch bleiben nur die Konjunkturmotoren

Optimistisch bleiben vorerst nur die Konjunkturmotoren aus dem Bau- und Ausbaubereich. Im Erhebungszeitraum melden 64 Prozent der Unternehmen des Bauhauptgewerbes gute Geschäfte. Im Ausbaugewerbe liegt der Anteil mit 70,75 Prozent sogar noch höher. Für die Zukunft befürchten jedoch auch 46 Prozent der Baubetriebe eine Eintrübung, im Ausbaugewerbe teilen 27 Prozent diese Meinung.

Viele Betriebe haben nach der letzten Konjunkturumfrage im Herbst 2021 nochmals starke Personalverluste verzeichnen müssen. Besonders hart hat es die Nahrungsmittelhandwerke getroffen. Hier wurde bei 25 Prozent der Umfrageteilnehmer Personal abgebaut. Ansatzweise positive Zahlen gibt es nur aus dem Bereich der Gesundheitshandwerke zu vermelden. Hier wurden bei 20 Prozent der Teilnehmer neue Stellen geschaffen.

Abwärtstendenz auf dem Ausbildungsmarkt

Während der Fachkräftebedarf immer weiter steigt, gibt es auf dem Ausbildungsmarkt eine Abwärtstendenz zu vermelden. Diese ist laut Handwerkskammer darauf zurückzuführen, dass Betriebe während der Corona-Pandemie kaum Möglichkeiten gehabt hätten, sich potenziellen Bewerbern zu präsentieren.

„Wir brauchen Menschen, die mit uns gemeinsam die vor uns liegenden Aufgaben und Herausforderungen angehen!“, so die beiden Kreishandwerksmeister Thomas F. Bock und Christian Will von der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis. „Das märkische Handwerk bietet sichere und attraktive Arbeitsplätze, nachhaltige und klimaschonende Vorhaben sowie Projekte!“

Rapide steigende Preise

Eine große Sorge der Unternehmen spiegelt sich auch in den Angaben zur Entwicklung der Leistungspreise wider. Im Zuge der Ukraine-Krise sowie der rigorosen Null-Covid-Politik Chinas und der damit verbundenen ungelöschten Containerschiffe in Shanghai sind die Preise für Material und Vorprodukte rapide gestiegen. „Es ist davon auszugehen, dass die Höchststände noch lange nicht erreicht sind“, teilt die Handwerkskammer mit. Die Entwicklung sei so dynamisch wie selten zuvor. Generell geben fast zwei Drittel aller Betriebe an, dass Preise geklettert seien. Besonders markant ist die Situation im Bau- und Ausbaugewerbe, im Kfz-Sektor und bei den Nahrungsmitteln.

All dies schlägt sich beim Investitionsverhalten der Gewerke nieder. Im Ausbaugewerbe liegt der Indexwert mit 83 Punkten deutlich unter dem Schnitt von 100. Besonders stark ausgeprägt waren die Investitionen zuletzt vor allem in den Nahrungsmittelgewerken, die mit 113 Indexpunkten deutlich über dem Schnitt liegen. Auch im Kfz-Bereich (108 Punkte) wurde, ausgelöst durch den Trend hin zum E-Auto, kräftig investiert.

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