Prozessauftakt in Hagen

Wollte Bäckereifachverkäuferin ihre Kollegin töten, um Veruntreuung zu vertuschen?

Eine Bäckereifachverkäuferin aus Altena steht vor Gericht.
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Eine Bäckereifachverkäuferin aus Altena steht vor Gericht.

Nur durch eine Notoperation überlebte eine Bäckereifachverkäuferin aus Altena einen Messerstich in ihren Bauch, der durch Bauchspeicheldrüse und Magen bis zu Blutgefäßen in der Nähe der Wirbelsäule ging. Jetzt muss sich im Landgericht Hagen die Filialleiterin einer Bäckereifiliale in Letmathe wegen versuchten Mordes und zweifacher Untreue verantworten.

Altena - Die 48-Jährige soll am 18. November letzten Jahres versucht haben, ihre Kollegin mit einem Fleischermesser umzubringen, um zu vertuschen, dass sie selbst zweimal die Tageseinnahmen der Bäckerei veruntreut hatte. 

Die Staatsanwaltschaft sieht zwei Mordmerkmale als erfüllt an: Heimtücke gegenüber dem völlig ahnungslosen Opfer und die versuchte Tötung eines anderen Menschen zur Verdeckung einer Straftat. Die Angeklagte äußerte sich beim Auftakt des Prozesses nicht zu den Vorwürfen

Aufgrund der Nähe der Letmather Polizeiwache zum Tatort waren die Beamten nach der Alarmierung sehr schnell vor Ort. „Wir sind zur Bäckerei gerannt.“ Die Beamten nahmen die „aufgewühlte und aufgeregte“ Filialleiterin zunächst als Nothelferin wahr, die versuchte, einen Lappen auf die Bauchwunde ihrer Kollegin zu pressen. „Wir gingen zunächst von einem Unglücksfall aus.“ 

Ein Zeuge erinnerte sich daran, wie die 48-Jährige den Hergang des angeblichen Unglücksfalls geschildert hatte: „Wir wollten gemeinsam den Vorratsraum aufräumen.“ Dabei habe sie das Messer so unglücklich gehalten, „dass die Geschädigte beim Umdrehen in das Messer fiel“. Zweifel an dieser Geschichte kamen nicht erst auf, als die Verletzte nach mehreren Tagen im Koma ihre Version erzählen konnte.

Auch die Polizeibeamten waren von Anfang an skeptisch: „Die Gesamtsituation und die Geschichte kamen mir nicht glaubwürdig vor“, erinnerte sich einer der Zeugen. Eine erste Bestätigung dieser Ahnung lieferte die Schwerverletzte noch selber, bevor sie zur Notoperation ins Krankenhaus gefahren wurde. Eine Zeugin gab ihre Aussagen wieder: „Ihre Kollegin solle sie in Ruhe lassen und sich entfernen. Sie sei von der Beschuldigten abgestochen worden.“ Eine weitere Zeugin ergänzte noch einen Hinweis: „Es war kein Unfall, es war Absicht.“

 Die Beamten reagierten darauf und bewachten die Verletzte im Krankenhaus. Die 48-Jährige, die ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert worden war, wurde bald darauf als Beschuldigte belehrt und vorläufig festgenommen. Der Stich sei keine Absicht gewesen, erklärte sie. Einen Polizisten zitierte sie mit den Worten: „Wieso soll ich das tun? Ich hätte doch gar keinen Grund dafür. Es war ein Unfall.“ 

Dem entgegen vermuten die Ermittler als Grund für die Tat finanzielle Probleme aufgrund einer Spielsucht. Die Angeklagte soll am 11. und am 15. November Tageseinnahmen der Bäckerei in Höhe von insgesamt 1850 Euro unterschlagen haben. Der 18. November wäre der Morgen der Wahrheit gewesen, weil ein Sicherheitsunternehmen die Gelder abholen sollte. Die Angeklagte soll an diesem Morgen mit dem Namenszug der Kollegin bei dem Sicherheitsunternehmen die Abholung der Gelder abgezeichnet haben. Anschließend soll sie ihre Kollegin unter einem Vorwand in einen Abstellraum geführt haben. Dort soll sie unvermittelt mit den Worten „es tut mir leid“ mit dem Fleischermesser zugestochen haben. Der Prozess wird am 9. Juni ab 9.30 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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