Häusliche Gewalt: Zahlen in Altena steigen kräftig an

Fälle von häuslicher Gewalt haben auch in Altena zugenommen. Das berichtet die Polizei.

ALTENA - Metin I. kam wieder nicht – er sollte sich am Dienstag vor dem Amtsgericht wegen einer „Straftat nach dem Gewaltschutzgesetz“ verantworten. Es war der zweite Termin, den er einfach platzen ließ.

Immer öfter muss sich die Justiz mit Delikten beschäftigen, die im häuslichen Umfeld passiert sind. Gerade im Bereich der Polizeiwache Altena hat die Zahl der Fälle im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. 17 entsprechende Anzeigen wurden im Jahr 2011 aufgenommen, 2012 waren es in den ersten drei Quartalen schon 46. Kreisweit wurden 2011 708 Delikte gezählt und in den ersten neun Monaten des Jahres 2012 schon 893.

Nicht immer eskaliert die Situation so sehr, dass Wohnungsverweise ausgesprochen werden mussten. Nur acht Mal griffen Altenas Polizeibeamte im Jahr 2011 zu diesem Mittel, von Januar bis September 2012 mussten bereits 13 Menschen auf Zeit jene Wohnung verlassen, die sie mit ihrem Partner teilen. Entsprechende Anordnungen können an Ort und Stelle von der Polizei getroffen werden, es muss also kein Richter oder Staatsanwalt hinzugezogen werden.

„Die Bezirksbeamten kontrollieren, ob das auch eingehalten wird“, erklärte gestern Dietmar Boronowski, der Sprecher der Kreispolizeibehörde. Wer den Bann bricht, bekommt (wie Metin I.) noch mehr Ärger – Versuche, vor der Zeit in die gemeinsame Wohnung zurückzukehren, werden als „Straftat nach dem Gewaltschutzgesetz“ gewertet und mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft. Schon der Versuch einer Kontaktaufnahme übers Telefon kann als Straftat gewertet werden.

Wenn es erforderlich wird, erhalten Opfer häuslicher Gewalt von der Polizei erste Hilfestellungen, in dem zum Beispiel Beratungsstellen oder auch Frauenhäuser empfohlen werden. Wenn in den betroffenen Familien Kinder leben, wird automatisch das Jugendamt informiert – man nehme dann Kontakt zu den Familien auf und versuche herauszufinden, welche weiteren Maßnahmen nötig sei, erklärte Fachbereichsleiter Friess gestern.

von Thomas Bender

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare