Haben Kirchen ein Monopol auf die Nächstenliebe?

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Die Zuhörer diskutierten angeregt.

ALTENA - Haben Diakonie und Caritas ein „Monopol“ auf die Nächstenliebe? Diese Frage stellte Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier in der ökumenischen Gesprächsrunde im Lutherhaus.

Gemeinsam mit Stefan Kemper moderierte Kehlbreier am Donnerstag den Abend, an dem Pfarrer Martin Wehn, Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr und Christoph Sliwka vom Diözesan-Verband Essen für die Caritas referierten. In der Gesprächsreihe „Glaube, Liebe, Hoffnung“ ging es um die Frage „Ist Nächstenliebe möglich in der professionalisierten Diakonie und Caritas?“

Veränderte rechtliche Rahmenbedingungen, steigende Personal- und Energiekosten, Konkurrenz privater Dienstleister und eine säkular ausgerichtete Gesellschaft mit so vielen älteren Menschen wie noch nie zuvor in der Geschichte machen es auch für die christlichen Pflege-„Profis“ nicht leicht, das Gebot der Nächstenliebe in ihrer Arbeit umzusetzen.

„Die Unterschiede zwischen Caritas und Diakonie sind gar nicht so groß“, stellten die Referenten übereinstimmend fest. Bei beiden sind die örtlichen Verbandsstrukturen aus der Tradition heraus entstanden, die „Not des Nächsten vor der eigenen Haustür“ zu lindern. Beide haben den hohen Anspruch, das Evangelium zu leben. „Kirche ist mehr als Liturgie“ machte Wehn deutlich. „Wir wollen den Geist Gottes auch nach außen tragen, den Glauben durch unsere Arbeit vermitteln.“ Sliwka schloss sich den Ausführungen des Pfarrers an, warnte allerdings „Wir müssen die Menschen überzeugen, nicht bekehren“.

In der anschließenden Diskussionsrunde konnte die Frage, ob sich kirchliche Anbieter mehr Zeit nehmen als private Pflegeunternehmen, nicht eindeutig geklärt werden. Die Überzeugung des Personals spiele gewiss auch eine Rolle, gab eine Zuhörerin zu bedenken, die als überzeugte Christin bei einem nichtkirchlichen Dienstleister beschäftigt ist.

von Silvia Sauser

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