Gymnasiasten beschäftigen sich mit Szenarien aus der Wirtschaft

Komplizierter „Candy Crash“

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Projektleiterin Nadja Godefroid freute sich, dass sie mit Prof. Dr. Stefan Stein (rechts) und Prof. Dr. Daniel Kaltofen zwei renommierte Wissenschaftler bei den jüngsten Begabtentagen begrüßen konnte.

Altena - Null Informationen ans FBI, trotz Terrorverdacht - aber der Zensur in China unterwirft sich das Unternehmen, um dort Kasse zu machen. Da hat der Chef von Apple was zu erklären, wenn er sich der New York Times zum Interview stellt. Ihn darauf vorzubereiten ist Sache der Apple-Kommunikationsabteilung. Die verlagerte ihre Aktivitäten am Dienstag in den Computerraum des Burggymnasiums.

„Begabtentage“ bietet die Schule seit zwei Jahren an, um besonders leistungsstarken oder auch hochbegabten Schülern einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. Oft langweilten sie sich im Unterricht und fühlten sich unterfordert, sagt Nadja Godefroid, die das Projekt betreut.

Die Idee: Ein ehemaliger BGA-Schüler bietet einen eintägigen oder maximal zweitägigen Workshop zu seinem Expertenwissen an. Dabei geht es nicht um reine Berufsorientierung, sondern um das Erweitern von Kompetenzen. Mit Gebärdendolmetschern haben sich Schüler verschiedener Jahrgangsstufen schon beschäftigt, mit dem Geigenspiel und mit Gerichtsverhandlungen. Jetzt eben der Apple-Konzern. Der Coach in diesem Fall: Prof. Dr. Stefan Stein, früher Rektor der privaten Hochschule Bits in Iserlohn und seit deren Fusion sogar Geschäftsführer der University of Applied Sciences Europe.

Der gebürtige Dahler hat vor über 30 Jahren am BGA sein Abitur gemacht. „Wir lassen es hier richtig rocken“, versprach der Hochschullehrer, der Prof. Dr. Daniel Kaltofen zur Unterstützung mitgebracht hatte. Die beiden arbeiten seit 15 Jahren im Bereich der case-study-Methode zusammen und waren bereits Teilnehmer verschiedener Wettbewerbe. Bei der case-study-Methode geht es darum, betriebswirtschaftliche Probleme anhand möglichst realitätsnaher Fallschilderungen in einem Gesamtzusammenhang zu erfassen und nach Lösungen zu suchen.

Der Fall Apple war da nur das Vorgeplänkel. Drei Seiten mit Fakten und Hintergrundinformationen hatten die beiden Wissenschaftler für die 15 Oberstufenschüler zusammengetragen, die an dem Begabtentag teilnahmen. Einerseits hätten sie natürlich auf Material zurückgreifen können, mit dem sie schon ihre Studenten beschäftigt hätten, sagte Stein. Andererseits habe er es aber noch schülergerecht aufarbeiten müssen. Was ein shareholder value sei, müsse ein Student der Iserlohner „Unternehmer-Hochschule“ wissen, aber nicht unbedingt ein Oberstufenschüler des Burggymnasiums. Für die war der „Fall Apple“ sowieso nur ein Vorgeplänkel. Noch anspruchsvoller (17 Seiten Fakten und Hintergründe) war der „Candy Crash“. Was tun, wenn das Geschäftsmodell Schokoriegel plötzlich wackelt, weil das Thema Zucker hochkocht? Umsatteln auf Müsliriegel? Eine Biomarke als gutes Gewissen in den Konzern integrieren? Stein und Kaltofen erwarteten von den Schüler-Teams Strategien, die gut begründet waren.

Es wurde auch Leistung verlangt bei dem zweitägigen Begabtentag. Am ersten Tag saßen die Teams bis 18 Uhr in der Schule zusammen, abends ging es dann in Gruppenarbeit zuhause bis teils 2 Uhr in der Nacht weiter. „Es geht uns darum, in Teamwork nach Lösungen zu suchen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen“, formulierte Stein. Mittwoch präsentierten die Teilnehmer dann vor Stein ihre Arbeitsergebnisse im Klassenraum in englischer Sprache in Wort und Bild (Powerpoint). Stein attestierte ihnen sowohl ein hohes sprachliches Niveau als auch die zu untersuchenden Aufgaben „auf den Punkt gebracht“ zu haben.

Er lobte Team-Balancen, strukturiertes Vorgehen und durchdachtes Antworten bei Zwischenfragen und Kritik. „Ich würde durchaus wieder kommen“, sagte er in Richtung Englisch-Lehrerin Nadja Godefroid. Die Kontakte zwischen der Schule und der University of Applied Sciences Europe begannen vor rund zwei Jahren, als Stein auf Einladung des BGA-Fördervereins Gast bei B-trifft war. Auch diese Veranstaltungsreihe setzt auf Ehemalige, die im Beruf Erfolg haben und bringt sie mit kurz vor dem Abschluss stehenden Schülern zusammen.

Nach seinem Auftritt dort habe es dann mehrere Kontakte zwischen Schule und Hochschule gegeben, berichtet Stein. Einerseits sei es ihm ein Anliegen, seiner alten Schule zur Seite zu stehen. Andererseits sei es natürlich eine Aufgabe der University of Applied Sciences, Kontakte zu Gymnasien in ihrem Umfeld zu knüpfen.

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