Gutachter sieht Gefahr

ALTENA ▪ Im Hagener Mordprozess schlug am Freitag die Stunde des psychiatrischen Gutachters Prof. Dr. Pedro Faustmann. Nach seiner Beurteilung ist der Angeklagte voll schuldfähig. Faustmann sagte außerdem, der 48-Jährige habe einen „Hang zu weiteren Taten“. Es gebe ein „überdauerndes Muster“, das die Basis der Gefährlichkeit des Angeklagten sei.

Der Gutachter hatte mit dem Angeklagten etliche psychologische Tests gemacht und Gespräche geführt, um dessen Persönlichkeitsstruktur zu erkunden. Der 48-Jährige komme dem psychologischen Modell eines „sprachgewandten Blenders mit oberflächlichem Charme“ nahe, sagte Faustmann. Es fehle ihm zudem an Empathie, also an Mitgefühl. Zudem hatte der Gutachter eine „narzistische Persönlichkeitsstörung“ diagnostiert. Diese sei aber keineswegs so ausgeprägt, dass statt einer Haftstrafe eine Unterbringung in der Psychiatrie angeraten werden müsse. Die Störung sei also nicht krankhaft zu nennen. Es gebe keine Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit.

Dem Neuenrader sei allgemein „Bewunderung durch Fremde“ wichtig und er lege großen Wert auf Details und Organisation. Es gebe „Verhaltensmuster der Selbstinszenierung.“

Faustmann zeichnete das Bild eines Menschen, der die Aufnahme in einen Personenkreis der „kriminellen Subkultur“ als eine Stärkung seiner Persönlichkeit empfunden habe. Der Angeklagte habe „Zweifel am Wert der eigenen Person“, lege aber viel Wert darauf, dass diese Unsicherheit nicht sichtbar wird. Freundschaften seien für P. von geringer Bedeutung. Er sei in diesen Dingen eher misstrauisch, weil er „Angst vor Abwertung“ habe.

Bei verschiedenen Tests habe der 48-Jährige eine „sehr hohe verbale Intelligenz“ an den Tag gelegt, aber auch hohe Werte in der Beurteilung der nonverbalen (nichtsprachlichen) Intelligenz erzielt. Insgesamt wiesen die Ergebnisse auf eine „hohe Alltagskompetenz“ hin.

Am kommenden Freitag werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage erwartet. Das Vorstrafenregister des Angeklagten wurde bereits erörtert.

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