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46.000 Euro eingespart: Firma Gustav Selter denkt nachhaltig und profitiert erneut

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Claudia Malcus, Annika Hellemann, Pauline Dörr, Anne-Marie Stehle und Martina Malcus (von links) aus dem Ökoprofit-Team bei Gustav Selter haben noch viele Ideen, wenn es um Klimaschutz und Ressourcenschonung geht. Die Wiederverwendung alter Kartons ist da nur ein kleiner Aspekt.
Claudia Malcus, Annika Hellemann, Pauline Dörr, Anne-Marie Stehle und Martina Malcus (von links) aus dem Ökoprofit-Team bei Gustav Selter haben noch viele Ideen, wenn es um Klimaschutz und Ressourcenschonung geht. Die Wiederverwendung alter Kartons ist da nur ein kleiner Aspekt. © Goor-Schotten, Hilde

Nachhaltigkeit ist nach wie vor ein großes Thema. Die Firma Gustav Selter aus Altena schafft es damit sogar sehr viel Geld zu sparen.

VON HILDE GOOR-SCHOTTEN

Altena – Gebrauchte Kartons aus der Heimarbeit wieder verwenden? Kostet nix, spart aber 8000 Euro jährlich. Recyclingpapier statt blendend weißem nutzen? Dafür muss nicht investiert werden, spart aber 130 Kilogramm CO2 im Jahr und ein Drittel der Papierkosten. Es sind oft schon kleine Dinge, die etwas für den Umweltschutz bringen. Das hat man auch bei der Firma Gustav Selter in Dahle gemerkt, als sie 2019/2020 an der zweiten Ökoprofit-Runde im Märkischen Kreis teilgenommen hat.

Auf Nachhaltigkeit achten und vielleicht sogar ein bisschen Profit machen – das fand Geschäftsführerin Claudia Malcus spontan spannend, als sie vor drei Jahren von der Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS MK) und der Stadt Altena angeschrieben wurde. Nicht zuletzt, weil auch die Kundinnen des Strick- und Häkelnadelproduzenten sehr darauf achten, wie sie betont: „In unserer Branche ist das Thema Nachhaltigkeit ein entscheidender Faktor.“ Im Betrieb fand sie schnell begeisterte Mitstreiterinnen. „Das Projekt fanden wir alle gut“, erinnert sich Anne-Marie Stehle schmunzelnd, „nur als die Unterlagen kamen, waren wir nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war.“ Denn das vom Land geförderte Projekt zu Klimaschutz und Ressourceneffizienz ist schon mit Arbeit verbunden.

46.000 Euro eingespart: Firma Gustav Selter denkt nachhaltig und profitiert erneut

Vorm Sparen stand und steht eine gründliche Bestandsaufnahme im Betrieb. „Es gibt 13 verschiedene Arbeitsblätter mit Unterpunkten, mit denen zum Beispiel der Strom- und Wasserverbrauch der vergangenen Jahre oder die Gefahrenstoffe in der Galvanik erfasst werden. Das ist schon eine Menge und zum Teil auch sehr technisch“, erklärt Annika Hellemann. Doch sind die Betriebe dabei nicht auf sich gestellt. Nach einer Auftaktveranstaltung finden regelmäßige Workshops und Beratungen im Betrieb statt. Bei Selter hat Stefan Große-Allermann von der Firma B.A.U.M. Consult, die die Projekte begleitet, das Ökoprofit-Team unterstützt und viele Tipps und Hinweise gegeben. Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Abteilungen setzten sich zusammen und sammelten Ideen, wo Ressourcen gespart werden können. „Dabei sind uns viele Dinge einfach bewusster geworden“, berichten sie.

Neben der Mehrfach-Nutzung von Kartons kamen einige weitere Punkte auf die To Do-Liste. Nicht alle waren umsonst. Die Umstellung der Beleuchtung auf LED inklusive Bewegungsmeldern kostete 45 000 Euro – spart aber auf Dauer jährlich 9000 Euro und 45 000 Kilowattstunden Strom sowie 27 Tonnen CO2. Eine zweite größere Ausgabe betraf die Standzeiten der Gestelle in der Galvanik. Ausgaben von 10 000 Euro stehen da Einsparungen von 24 000 Euro und einer Reduzierung des Materialverbrauchs gegenüber. An einem Samstagmittag ging das Ökoprofit-Team mit gespitzten Ohren durch die Produktion. „Überall, wo es zischt, ist teuer“, habe Berater Große-Allermann gesagt. „Wir haben 38 Leckagen im Druckluftnetz gefunden“, berichtet Martina Malcus. Die 500 Euro für die Beseitigung sind bei der Einsparung von 5000 Euro und 25 000 Kilowattstunden Strom im Jahr ein Klacks gewesen. Zusätzliche Müllbehälter und die Schulung der Kollegen in der Mülltrennung, das Ersetzen der Einweg- durch Mehrweg-Putzlappen, Ohrstöpsel am sicheren Bändchen statt Einzelstücken, die ständig verloren gehen, Tassen statt Plastikbecher, Butterbrotdosen aus Bambus, um Alufolie zu vermeiden – alles kleine Dinge, die etwas bewirken, ist sich das Ökoteam sicher.

Firma Gustav Selter denkt nachhaltig und profitiert erneut: Zertifizierung

Mit der Zertifizierung im Jahr 2020 ist die Arbeit aber nicht erledigt. Der Ökoprofit-Club bietet weiter die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen. Außerdem gehe es zum einen darum, immer wieder auch die Kollegen aufmerksam zu machen, erklären die engagierten Selter-Mitarbeiterinnen, die regelmäßig über ihre Arbeit informieren und dabei auch Energiespartipps für Zuhause aushängen.

Zum anderen arbeitet man gerade an der Rezertifizierung und an einer CO2-Bilanz. Einige neue Maßnahmen stehen da an. Eine Photovoltaik-Anlage ist ebenso in Planung wie Ladesäulen für E-Autos und ein Leasing-Angebot für Mitarbeiter-E-Bikes. Seit Januar bezieht Selter 100 Prozent Grünstrom, außerdem beteiligt es sich an Aufforstungsmaßnahmen in der Umgebung. Auf dem Firmengelände werden Vogelhäuser und Insektenhotels aufgestellt, Saatgut für eine Wildblumenwiese ist auch schon da. „Nachhaltigkeit ist auf vielen Ebenen wichtig. Es geht auch um das Miteinander, die Gesundheit der Mitarbeiter und die Umgebung“, sagt Chefin Claudia Malcus.

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