Umstrittener Gülle-Import in Altena

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In Höhe der Haltestelle Brunscheid wurde das Material in einen Container umgeladen.

Altena - Kaum war Ursula Kocks Leserbrief zum Thema Gülle-Import am Montag erschienen, sichtete die Altenaerin schon die nächsten Silofahrzeuge am Kreisverkehr bei Rosmart.

Von Thomas Bender

Drei 36-Tonner standen am Montag an der Höhenstraße, um ihre übel riechende Fracht loszuwerden. Die Zugmaschinen hatten polnische Kennzeichen, die Auflieger kamen aus den Niederlanden – der Gülleimport erreicht die Region.

Aufgebracht wurde die Gülle im Bereich Brunscheid und damit deutlich außerhalb der Schutzzone der Fuelbecker Talsperre – von den betroffenen Flächen geht’s bergab in Richtung Volmetal. Trotzdem ist vielen Altenaern die Sache sehr suspekt, zumal in der Vergangenheit auch nördlich der Höhenstraße und damit nahe an oder sogar in der Wasserschutzzone Jauche auf Feldern und Wiesen verteilt wurde.

Bislang schlossen die Stadtwerke einen Zusammenhang mit der plötzlich deutlich erhöhten Mangankonzentration im Talsperrenwasser kategorisch aus: Wäre Gülle in das Gewässer gelangt, hätte man dort Bakterien finden müssen – so argumentierte Stadtwerkechef Marc Bunse noch in der vergangenen Woche. Inzwischen äußert er sich etwas zurückhaltender: Er warte auf die Ergebnisse des Hygieneinstitutes, das im Moment eine Reihe von Proben analysiert, sagte Bunse gestern. Erste Ergebnis erwartet er am Mittwoch. Frühestens dann könne er sagen, welche Prozesse zu den erhöhten Manganwerten geführt hätten und ob möglicherweise die Düngung der Felder mit dazu beigetragen haben könnte.

Die Ansichten darüber, was Gülle eigentlich ist, gehen weit auseinander. Die einen sprechen von Abfall, die anderen von Wirtschaftsdünger – die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Gesellschaftlich akzeptiert wird es, wenn Landwirte die im eigenen Betrieb anfallende Gülle auf ihre Felder aufbringen.

Dass Gülleimporte, wie sie seit Wochen auf Rosmart zu beobachten sind, auf wesentlich geringere Akzeptanz stoßen, weiß auch die Landwirtschaft. Als es im Raum Halver zu ähnlichen Diskussionen kam, argumentierte sie damit, dass nicht in jedem landwirtschaftlichen Betrieb genug Gülle anfällt, um die eigenen Felder ausreichend zu düngen. In solchen Fällen könne es durchaus Sinn machen, Gülle von Landwirten zu verarbeiten, die zu viel davon haben. Tatsächlich gibt es zu diesem Zweck sogar regelrechte „Güllebörsen“. Ausgeklügelte Düngepläne verhindern nach Angabe der Landwirtschaftskammern, dass zu viel Gülle aufgebracht wird.

Das NRW-Umweltministerium sieht das komplett anders: In weiten Teilen des Landes sei das Grundwasser durch den Gülleauftrag inzwischen erheblich belastet, es bestehe hoher Handlungsbedarf – so gestern Ministeriumssprecher Frank Seidlitz. Versuche, die Gülle-Importe zu untersagen, sind indes am Widerstand der EU gescheitert – für die handelt es sich um eine „Ware“, für die es keine Handelsschranken geben dürfe. Damit sei jetzt der Bund gefragt, sagt Seidlitz – „aber da kommt nichts“.

Immerhin hat das Umweltministerium schon seit 2012 Zugriff auf eine Datenbank, in der die Niederlande die Gülle der dortigen Landwirtschaft „verwaltet“. Dadurch wisse man zwar, was wohin gebracht werde, das reiche aber bei weitem nicht aus. Völlig unklar sei zum Beispiel, in welchem Umfang Gülle aus Massentierhaltung mit Antibiotika oder anderen Medikamentenrückständen belastet sei.

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