Coronavirus

Gruselstimmung unter Palmen: Frau aus MK erwischt einen der letzten Flüge nach Hause

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Menschenleer waren viele Orte auf der Insel.

Altena – Einen der letzten Flüge hat Dietlind Bauerfeind von Gran Canaria nach Deutschland erwischt. Davor erlebte sie einige Stunden voller Bangen.

„Wir haben unendlich viel Glück gehabt.“ Freude und Anspannung liegen in der Stimme von Dietlind Bauerfeind. Die Altenaerin war am Samstag, 7. März, zu einem einwöchigen Urlaub auf Gran Canaria angereist und schaffte es am Sonntag, 15. März, noch mit einem der letzten Ferienflieger wieder nach Hause. 

Auf Gran Canaria, der drittgrößten Insel der Kanarischen Inseln, war Bauerfeind „bisher noch nie gewesen“. Und ihr Aufenthalt im vielfach als Ferienparadies gepriesenen Eiland wird ihr noch lange in Erinnerung bleiben. 

Dabei fing alles ganz harmlos an: Corona auf dem Festland, Corona im spanischen Mutterland, aber auf Gran Canaria schien die Welt noch in Ordnung. „Wir haben uns sehr wohl gefühlt, das Wetter stimmte, das gebuchte Hotel war top und unsere Stimmung auch. Selbst Ausflüge in den ersten Tagen ließen weder Langeweile noch Sorge aufkommen.“ 

Kaum Leute unterwegs

Bauerfeind fiel nur auf, dass es überall „sehr wenig Publikum gab. Das war schon ein wenig komisch“. So besuchte sie typische Dörfer wie Santa Brigada. „Dort war alles leer gefegt, die Geschäfte hatten geschlossen, und selbst das Finden eines Restaurants war schier unmöglich.“ 

Als sie dann einen beliebten Souvenirmarkt besuchte, konnte sie auch dort „die Menschen fast an einer Hand abzählen. Da begann es irgendwie gruselig zu werden“, sagt die Altenaerin.

Corona habe man zwar im Hinterkopf gehabt, sich aber auch damit getröstet, dass vielleicht die Reisesaison in diesem Inselteil noch nicht auf vollen Touren lief. Die Osterferien waren ja erst in Sicht. 

Beim Speisen im Hotel waren die Gäste aus Altena manchmal nur mit wenigen anderen Hotelgästen zusammen, ebenfalls „irgendwie gruselig, obwohl das Angebot stimmte“, erinnert sich Bauerfeind. 

Erinnerungen an einen besonderen Urlaub: Dietlind Bauerfeind zeigt Fotos von Gran Canaria.

Ihr sei es zunächst nicht in den Sinn gekommen, vielleicht früher nach Hause zu fliegen. Es habe weder Warnungen vom Reisebüro vor Ort noch vom Hotel gegeben. 

Am Freitag vergangener Woche durften dann Kreuzfahrtschiffe nicht mehr anlegen. „Da habe ich mich schon bemüht, einen Flieger zurück nach Deutschland zu bekommen, leider vergeblich.“ 

Strände dicht, Polizei unterwegs

Über eine App, die alle Flugbewegungen anzeigt, informierte sich die Altenaerin daraufhin „regelmäßig über den Sachstand, meine Beunruhigung stieg natürlich“. 

Dann habe Reisevermittler Markus Tenne aus Altena mit ihr Kontakt aufgenommen und ihr alle Daten für einen Rückflug genannt. „Ich fand schon, das war ein toller und beruhigender Service.“ 

Nur: Das Flugzeug hob in Deutschland vorerst nicht ab. Warten war angesagt. Am Sonntagvormittag morgen wurden dann in Gran Canaria die Strände abgeriegelt, Restaurants geschlossen, Polizei patrouillierte durch die Straßen. 

Noch immer gab es keinen Kontakt zur örtlichen Reiseleitung, Bauerfeind reiste Richtung Flughafen ab, behielt aber vorsorglich noch ihr Hotelzimmer. „Ich wusste ja nicht, ob wir nicht doch zurückkommen mussten.“ 

Auf dem Weg zum Flughafen kamen dann endlich die ersehnten Flugdaten, die Abfertigung auf der Insel funktionierte auch – an fast leeren Schaltern. Mit mehr als 90 Minuten Verspätung hob der Ferienflieger schließlich Richtung Köln ab. Ein kleines Abenteuer war beendet. 

Taxifahrer bietet Gratis-Fahrt

Besonders in Erinnerung blieb ihr das Angebot eines Taxifahrers. Der wollte den Gästen aus Deutschland die Fahrt vom Hotel zum Flughafen schenken. „Kommen Sie wieder, wenn alles in Ordnung ist. Erzählen Sie, wie schön Gran Canaria ist“, habe er gesagt. Aber das Angebot nahm die Reisende aus Altena nicht an. „Ich fand es trotzdem sehr nett.“ 

Erspart blieb Bauerfeind durch ihre Abreise in letzter Minute eine Quarantäne vor Ort, denn am Sonntag erließ die Inselregierung einen Erlass, dass alle Urlauber ihre Hotels, gar ihre Zimmer, bis auf weiteres nicht mehr verlassen durften. „Wir sind so nah“, sagt Dielind Bauerfeind und nimmt Zeigefinger und Daumen zusammen. „So nah an einer möglichen 14-tägigen Ausgangssperre vorbeigeschrammt.“ 

Sorge um die eigene Gesundheit muss sich Diedlind Bauerfeind nicht machen. Die Apothekerin steht bestens im Stoff und hat natürlich „alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die im Falle von Corona vorgeschrieben sind."

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK findenSie in unserem Ticker.

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