Gäste in den eigenen Räumen

Erich Reinke und Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier dankten der Frauenhilfe für die „Räumung“ des Gemeindezentrums für die „Jugendkirche auf Zeit“. ▪ Fpto: Görlitzer

ALTENA ▪ „Die Jugend von heute“ – das ist für Ältere keineswegs ein rotes Tuch: Das bewiesen die Mitglieder der Frauenhilfen Mühlendorf-Melanchthon und Breitenhagen-Rahmede gestern Nachmittag. Völlig begeistert äußerten sich die Frauen darüber, wie die jungen Leute Kirche und Gemeindezentrum im Mühlendorf für ihre „Jugendkirche auf Zeit“ gestaltet hatten. Dazu entspann sich ein Dialog der Generationen über das unterschiedliche Erleben von Kirche.

Die Gruppen der Frauenhilfe haben wie allen anderen Gemeindegruppen die Räume für die Dauer der Jugendkirche „geräumt“ – dafür bedankten sich Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier und Erich Reinke, Geschäftsführer des Jugendreferates im evangelischen Kirchenkreis Iserlohn, ausdrücklich. Gestern Nachmittag waren die Frauen quasi Gäste in ihren eigenen Räumen – und waren neugierig, wie die Jugendlichen ihre „Jugendkirche auf Zeit“ nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich gestalten. Für den Dialog erwies sich der Mittwoch – der übliche Tag für die Treffen der Frauenhilfe – allerdings als ungünstige Wahl. Viele Schüler, die die Jugendkirche besuchen, haben mittwochnachmittags Schule. Daher waren neben Praktikantin Carolina Schimpf nur drei Jugendliche bei dem Treffen dabei. Intensive Gespräche entwickelten sich dennoch bereits beim Kaffeetrinken.

Später stellten zuerst die Frauen Fragen – wie ein Tag in der Jugendkirche aussieht, wollten sie zum Beispiel wissen. Sie fanden es gut, wie sehr die jungen Leute selbst entscheiden wollen, wie die Jugendkirche gestaltet wird. Dieses Interesse an Kirche beeindruckte. Umgekehrt erzählten die Älteren, dass Kirche mit Mädchenkreis und Chor früher einfach zum Leben dazugehörte – es gab kaum Alternativen und die Eltern schickten die Töchter hin. Ganz anders bei jungen Leuten in der ehemaligen DDR: Wer sich dort für Kirche entschied, musste damit rechnen, keinen Studienplatz zu bekommen oder die Arbeit zu verlieren.

Heute Abend geht es in die nächste Runde der Diskussionen in der „Jugendkirche auf Zeit“: Ab 18.15 Uhr sind nicht nur Jugendliche, sondern auch Eltern, Lehrer und Mitarbeiter aus Jugendgruppen eingeladen, sich mit der aktuellen Sinus-Studie unter dem Titel „Wie ticken die Jugendlichen“ auseinanderzusetzen. Die evangelische Kirchengemeinde lädt dazu gemeinsam mit der katholischen Kolpingsfamilie in die evangelische Kirche Mühlendorf ein. Die Veranstalter wollen erfahren, wie Jugendliche mit ihren Zukunftsaussichten umgehen, wie sie sich auf ihr Leben vorbereiten, welche Erwartungen und Ängste sie haben.

Daraus resultierend stellt sich die Frage, welche Unterstützung Eltern, Lehrer und auch Kirchen geben können – und was Kirche tun muss, um für junge Menschen attraktiv zu sein. ▪ Bettina Görlitzer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare