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Grundsteuer-Neuberechnung: Finanzamt Altena wartet noch auf viele Erklärungen

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Von: Thomas Bender

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Grundsteuer
Die Neuberechnung der Grundsteuer betrifft mehr als 30 000 Grundstücke im Zuständigkeitsbereich des heimischen Finanzamts Altena in Nachrodt, Altena, Werdohl, Neuenrade, Plettenberg und Herscheid. Viele Feststellungserklärungen liegen dem Finanzamt derzeit noch nicht vor. © Jens Büttner

Etwa 35 600 Grundstücke gibt es im Geschäftsbereich des Finanzamtes Altena, ebenso viele „Feststellungserklärungen zur Neuberechnung der Grundsteuer“ müssen dort abgegeben werden – und zwar bis zum 31. Oktober.

Wie viele Grundstückseigentümer aus Nachrodt, Altena, Werdohl, Neuenrade, Plettenberg und Herscheid dieser Verpflichtung bisher nachgekommen sind, kann oder will die Behörde am Winkelsen trotz mehrfacher Nachfragen der Redaktion nicht sagen. Man verweist an die Oberfinanzdirektion, die aber lediglich die landesweite Quote bekannt gibt. Sie lag im September unter 30 Prozent.

Am schlechten Rücklauf wird es liegen, dass sich das Finanzamt jetzt noch einmal an die Öffentlichkeit wendet. In einer Pressemitteilung ruft Stefanie Dißmann, die Leiterin des Finanzamts Altena, dazu auf, die Feststellungserklärung zeitnah abzugeben und gibt praktische Hinweise, worauf die Eigentümer bei der Abgabe achten sollten.

Digitale Plattform bietet Erklär-Videos und Anleitungen

„Die erste Anlaufstelle, um sich mit der Abgabe der Feststellungserklärung vertraut zu machen, ist unsere digitale Info-Plattform www.grundsteuer.nrw.de“, so Dißmann. Dort fänden Eigentümer Erklär-Videos, ausführliche Klick-für-Klick-Anleitungen sowie Check-Listen, die eine Übersicht der benötigten Daten liefern und Hinweise geben, wo diese zu finden sind.

Die Abgabe der Feststellungserklärung ist über das Online-Finanzamt Elster unter www.elster.de möglich. „Ein Vorteil der Online-Abgabe ist die digitale Endkontrolle, die die fertige Erklärung auf Vollständigkeit und Plausibilität überprüft“, betont das Finanzamt.

Rentner können Elster-Zugang von Angehörigen nutzen

Was aber tun beispielsweise Rentner, die keine Einkommenssteuern zahlen und deshalb auch keinen Elster-Zugang haben? Sie können die Feststellungserklärung auch über den Elster-Zugang von nahen Angehörigen abgeben. „Besitzt beispielsweise Ihre Tochter ein Benutzerkonto, können Sie dieses mitnutzen. Auch, wenn Ihre Tochter bereits die eigene Feststellungserklärung über dieses Konto abgegeben hat“, wendet sich die Vorsteherin direkt an die Menschen im Lenne- und Hönnetal.

Neben Elster gibt es aber noch weitere Möglichkeiten der Abgabe. Für private Eigentümer von Ein- bis Zweifamilienhäusern bietet sich vor allem ein Service des Bundesfinanzministeriums an. Unter www.grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de gelangt man zu einem Onlineformular, das wesentlich einfacher zu bedienen ist als das Elster-Formular des Finanzamtes.

Wenn die Online-Abgabe nicht möglich ist, geht es auch mit Papier-Vordrucken, die man beim Finanzamt erhält.

Aktenzeichen wird benötigt

Für die Feststellungserklärung wird das Aktenzeichen benötigt. Es stand neben weiteren, wichtigen Angaben in dem individuellen Informationsschreiben, das Eigentümer von Wohngrundstücken von ihrem Finanzamt erhalten haben.

Im Hauptvordruck (auch GW-1 genannt) der Feststellungserklärung ist in Zeile elf der Anteil, der zur wirtschaftlichen Einheit gehört, mit Zähler und Nenner einzutragen – eine Aufgabe, an der mancher scheiterte. „Eigentümer tragen hier den Anteil ein, zu dem das Flurstück ihrem Grundstück zuzuordnen ist“, erklärt Dißmann. „Bei einem Einfamilienhaus gehört meist das gesamte Flurstück zum Grundstück und es ist als Zähler ‚1‘ und als Nenner ‚1‘ anzugeben. Dass das Grundstück zum Beispiel Ehegatten jeweils zur Hälfte gehört, ist erst später bei den Informationen zu den Eigentümern anzugeben.“

Ausführliches Erklärvideo

Bei Eigentumswohnungen ist in der Zeile elf der Miteigentumsanteil an dem gemeinschaftlichen Eigentum einzutragen. Dieser ist zum Beispiel im Kaufvertrag oder in der Teilungserklärung zu finden.

Zu dem Thema „Gemarkung und Flurstück“ hat die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen unter www.grundsteuer.nrw.de ein ausführliches Erklärvideo zur Verfügung gestellt, das Schritt für Schritt durch das Formular führt und die Eintragungen erklärt.

„Eigentümer von Eigentumswohnungen haben uns gefragt, ob in der eigenen Feststellungserklärung auch Angaben zu weiteren Personen erforderlich sind, die eine andere Eigentumswohnung im Haus besitzen“, sagt die Finanzamtsleiterin. „Das ist nicht erforderlich. Sie tragen nur die Daten zu ihrem Anteil am Gemeinschaftseigentum und ihrer eigenen Wohnung und, falls vorhanden, den zugehörigen Garagenstellplatz ein.“

Auch ohne Infoschreiben in der Pflicht

„Uns erreichen Anfragen, ob man als Eigentümer keine Erklärung abgeben muss, wenn man kein Informationsschreiben erhalten hat“, berichtet Dißmann. „Grundsätzlich gilt, dass für jeden Grundbesitz eine Erklärung abzugeben ist – unabhängig davon, ob man ein Infoschreiben erhalten hat oder nicht.“ Wer das Informationsschreiben verlegt oder keines erhalten hat, kann im Grundsteuer-Portal der Finanzverwaltung die Daten zu jedem einzelnen Grundstück in Nordrhein-Westfalen abfragen. Das Grundsteuerportal ist unter www.grundsteuer-geodaten.nrw.de erreichbar.

Für individuelle Rückfragen zur Grundsteuerreform ist das Finanzamt Altena unter der Rufnummer 02352/9171959 erreichbar, und zwar montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. „Die meisten Anliegen können wir bereits am Telefon klären. Die Kollegen der Hotline leisten hervorragende Arbeit und unterstützen, wo sie können. Das zeigen auch die Rückmeldungen der Bürger“, lobt Dißmann.

Feststellungserklärungen durch den Profi: Manchmal kommt der Steuerberater mit dem Zollstock

„Seit Mitte Juli macht er nichts anderes“: In seinem Steuerberatungsbüro sei sein Sohn Christian für die Feststellungserklärungen zur Neuberechnung der Grundsteuer zuständig, erklärt Firmenchef Ulrich Wirthsmann. Insgesamt laufe das Verfahren jetzt ganz gut, auch dank einer dafür angeschafften Software. Wer die Arbeit selber erledigen will, ist nach Ansicht des Fachmanns mit der Software des Bundesfinanzministeriums besser dran als mit dem von den Finanzämtern favorisierten Elster-Verfahren. Bis Ende des Monats sei die Arbeit nicht zu schaffen, sagt Wirthsmann: „Wir hoffen auf eine Fristverlängerung.“ Schwierig sei bei manchen älteren Häusern die Ermittlung der für die Feststellungserklärungen erforderlichen Wohnflächen: Wenn Pläne nicht mehr vorhanden oder nicht plausibel seien, dann müsse der Steuerberater auch schon mal mit dem Zollstock kommen und selber nachmessen.

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