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Großteil der Tattoo-Farben verboten: Tätowierer dennoch zuversichtlich

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Was krabbelt denn da? Ein Tattoo von Arnd Winkhaus
Was krabbelt denn da? Ein Tattoo von Arnd Winkhaus © Privat

Es ist ein Ausdruck von Persönlichkeit und Individualität. Total angesagt und tatsächlich schleicht sich das Gefühl an, völlig altmodisch und altbacken zu sein, wenn man keines hat: Tattoos schmücken jeden Dritten in Deutschland. Doch jetzt gibt es einen Aufschrei: Die Farben werden verboten.

Altena/Nachrodt – Es gibt ein Problem in der Branche. Durch die sogenannte Reach-Verordnung der Europäischen Union soll ein Großteil der Tattoo-Farben verboten werden. Der Grund: Konservierungs- und Bindemittel, die oftmals Bestandteile der Farben sind, sollen krebserregend sein und dürfen deshalb künftig nur noch stark begrenzt in den Farben enthalten sein. Die Verordnung tritt am 4. Januar in Kraft.

Verunsicherte Kunden

Der Aufschrei ist groß, Kunden sind verunsichert und manche Tätowierer fürchten um ihre Existenz. Nicht so in Altena und Nachrodt. „Ich bin sehr sicher, dass die Farbenhersteller eine Alternative finden. Ich denke, sie waren in der Vergangenheit einfach zu faul, haben sich darauf verlassen, dass die Kunden aufschreien und eine Petition angehen, statt sich in Labore zu stellen und Alternativen zu finden“, sagt Max Hahne.

Zeitnahe Lösung?

Auch in seinem „Hillside“-Studio in Altena versucht er, die Kunden zu beruhigen: „Alle haben Angst und das ist für das Geschäft natürlich schlecht. Ich kläre die Leute auf und kann nur die positive Nachricht verbreiten, dass es bei uns auch weiterhin Farb-Tattoos geben wird. Ich bin überzeugt davon, dass es eine zeitnahe Lösung geben wird.“ Das glaubt auch Arnd Winkhaus, der in Wiblingwerde seine „Bunte Bude Tattoos“ anbietet.

Die Hoffnung stirbt augenscheinlich zuletzt. Denn derzeit gibt es so gut wie keine am Markt befindlichen Farbe, die mit den aufgestellten Anforderungen kompatibel ist. „Wir sind aber relativ optimistisch, dass die Regeln eines freien Marktes dieses Problem lösen werden“, heißt es auch vom Bundesverband Tattoo.

Allergische Reaktionen verhindern

Aktuell sieht es aber so aus: Die Farben der gängigsten Tattoo-Lieferanten sind mit dem Hinweis versehen: „Achtung: Der Verkauf (und die Benutzung) dieser Farben ist innerhalb der Europäischen Union ab dem 4. Januar 2022 untersagt, da sie nicht der Reach-Richtlinie entsprechen.“ Jährlich sollen mit der Verordnung mehr als 1000 Fälle chronischer allergischer Reaktionen verhindert werden.

Und es kommt noch dicker: Nicht nur bei den Chemikalien wird es strenger. Auch den beiden Pigmenten „Blau 15:3“ und „Grün 7“ geht es an den Kragen. In Haarfärbemitteln sind sie schon seit 2009 verboten – Tattoo-Farben sollen ab Januar 2023 folgen. Aus der Farbpalette eines Tattoo-Künstlers sind sie jedoch nicht wegzudenken. Und so gibt es eine Petition „Save the pigments“, die im Moment 121569 Unterstützer hat. In der Petition heißt es unter anderem: „Europäische Tätowierer und Pigmentierer werden gegenüber Anbietern außerhalb der EU nachhaltig negativ beeinträchtigt und die Existenz dieses Berufszweigs stark gefährdet. Verbraucher könnten auf Anbieter aus dem Ausland ausweichen bzw. zu unseriösen Anbietern wechseln.“

Max Hahne und Arnd Winkhaus zuversichtlich

So deprimierend all diese Nachrichten für Tätowierer und Körperschmuck-Liebhaber auch klingen, so zuversichtlich bleiben Max Hahne und Arnd Winkhaus. „Es gibt definitiv Möglichkeiten, Farben zu beziehen, die reach-konform sind“, sagt Arnd Winkhaus und erzählt von einem österreichischen Hersteller. Und er betont: „Ich werde definitiv nichts verwenden, was nicht erlaubt ist.“ Mit dem Gesundheitsamt steht er bereits in Kontakt. „In den letzten vier Jahren hatte ich nicht einen Kunden mit einer allergischen Reaktion“, sagt Arnd Winkhaus, der es grundsätzlich gut findet, dass die Gesundheit im Mittelpunkt des Interesses stehen muss. „Mir fehlt die Fachkenntnis, ob die Stoffe wirklich gefährlich sind. Ich bin kein Arzt oder Chemiker. Es ist also gut, dass es eine Überwachung gibt. Denn sonst könnte jeder Hans und Kranz Tattoo-Farben auf den Markt bringen, die toll aussehen und schädlich sind. Allerdings muss die Verhältnismäßigkeit gegeben sein. Der schlimmste Punkt ist doch, dass es die größten Hersteller auf der Welt einen Scheiß interessiert, was der europäische Markt macht.“

Einige Hersteller reagieren

Einige wenige Hersteller haben aber reagiert. Der Schreibwarenhersteller „Edding“ hat in Hamburg das erste Tattoostudio mit veganen Farben aus eigener Produktion eröffnet. Die Farben sollen ohne jegliche Konservierungsstoffe auskommen, da sie steril in Einmalverpackungen abgefüllt sind. Die Pigmente „Blau 15“ und „Grün 7“ gibt es nicht. Der Hersteller „Premiere Products“ aus Dänischenhagen vertreibt mit seiner Hausmarke offenbar reach-konforme Schwarztöne. Und bei „I Am Ink“ aus Österreich gibt es ein regelkonformes Schwarz und Weiß. Ein Lichtblick am Horizont. Es kommt Bewegung ins Spiel.

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