Großmutter las spannende Heiligengeschichten vor

Der Vater vererbte „Die Freiheit Altena“ an die Tochter.

ALTENA ▪ „Der Mann muss klug gewesen sein“, sagt Heike Mayweg und Respekt liegt in ihrer Stimme. Das Buch, das sie der Redaktion im Rahmen der Reihe „Literarische Schätze“ aus ihrem Fundus präsentiert, stammt nämlich aus der Feder von Dr. phil. Dr. jur. und Dr. rer. pol. Josef Lappe. „Die Stadt Altena hat es 1929 selbst verlegt und unter dem Titel ,Die Freiheit Altena‘ auf den Markt gebracht“, erinnert sich die gebürtige Burgstädterin. Von Johannes Bonnekoh

Gut, etwas abgegriffen ist das in schwarzes Leinen gefasste Buch mit Rotschnitt „zur Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des märkischer Süderlandes“ schon, „aber eine wirklich herzliche Erinnerung an meinen Vater. Der hat es mir selbst zum 30. Geburtstag geschenkt und immer gesagt: ,Heike, davon gibt es in der ganzen Stadt keine drei Exemplare mehr, da bin ich mir sicher.‘“ Deshalb hat die 58-Jährige, die viele Jahre bei ThyssenKrupp VDM am Schwarzen Stein und später am Linscheid gearbeitet hat, auch „eine besondere Beziehung zu dem Werk. Ich habe es vor Jahren gelesen, ganz ehrlich. Und ich muss sagen, spannend. Freiheit Altena - schon wie der Titel klingt.“

Angespornt, den eigenen Buchbestand auf Grund unseres Redaktionsaufrufes noch einmal zu durchforsten, stieß Mayweg aber auch auf einen Band „mit 1 186 Seiten“, wie sie schmunzelnd anmerkt. Es ist ein in tiefschwarzes Leder gebundenes Werk aus dem Verlag Mehlers mit dem Titel „Haus- und Familienbuch.“ Dieses Werk hat die Altenaerin von ihrer Großmutter. „Und die hat es selbst von ihrer Großmutter.“ Ein kleiner Hinweis in dem dicken Schinken belegt, dass es aus dem Jahre 1885 stammt. „Ehrlich glaube ich, das ist sogar noch älter“, sagt die Frau, deren Großmutter ihr immer „daraus vorgelesen hat.“

Jeder Tag hat in diesem historischen Schinken eine eigene Seite. So wie jeder Heilige. Und es sind spannende Geschichten, die da über die Himmelsbewohner zusammen getragen wurden. „Meine Oma konnte beim Lesen gut betonen und ich hab es geliebt, wenn sie von den Heiligen vorlas. Wissen Sie, auch wenn das vielleicht etwas merkwürdig klingt, manches klang, weil viele ja verfolgt wurde, fast wie ein richtiger Krimi“, findet die 58-Jährige. Krimis und Fantasy-Romane, aber auch „so richtig was zum Lachen“, das gehört heute zum Lesefutter von Heike Mayweg. Und fast beschwörend senkt sie die Stimme ein wenig: „So richtig entspannen kann ich bei Steven King. Haaahh, der ist so herrlich spannend. Von diesem Autor habe ich alles gelesen.“ Übrigens: Von ihren Buchschätzen wird sie sich nicht freiwillig trennen. „Ich gebe sie weiter, innerhalb der Familie, denn irgendwie sind sie schon etwas Besonderes“, meint die AK-Leserin und packt Hausbuch und Freiheit wieder vorsichtig ein.

von Johannes Bonnekoh

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