Um 7 Uhr in der Frühe erste Gratulation für Altenas Verwaltungschef

UN-Auszeichnung für Andreas Hollstein stößt auf großes Medienecho

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein an seinem Arbeits-PC neben dem Schreibtisch. Für verschiedene Fernseh-Teams,die ihn gestern in Altena besuchten, rief er unter anderem die Stadtseite (im Foto) auf.

Altena - "Leider ist im Moment der Ton in Deutschland sehr rau geworden, wenn es um das Thema der Geflüchteten geht. Umso wichtiger, dass dieses Thema auch im Guten gewürdigt wird. Als Pfarrerin ist es für mich Aufgabe von Christinnen und Christen, sich für Menschen in Not (und dazu zählen auch die Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind) einzusetzen."

Das schreibt Altenas evangelische Pfarrerin Merle Vokkert und gratuliert Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein und „allen Kümmerern“ zu diesem bedeutenden Preis. 

Hollstein selbst war am Montag fast den gesamten Tag damit beschäftigt, Journalisten aus dem In- und Ausland sowie TV-Anstalten Rede und Antwort zu stehen. 

Er tat das gern, betonte aber immer wieder, die UN-Auszeichnung „stellvertretend für die Stadt, ihre Bürger und ganz viele ehrenamtlich Engagierte“ entgegen nehmen zu wollen.

Gundula Schulze aus dem Bürgermeister-Vorzimmer im Rathaus hatte alle Hände voll zu tun. Viele wollten den „Chef“ sprechen. Gleich mehrere TV-Teams gaben sich dabei die „Klinke in die Hand“ und werden ausführlich über die Preisvergabe an den Altenaer Verwaltungschef und die Stadt berichten.

Im Gespräch unterstrich er noch einmal, Politiker geworden zu sein, damit Hass nie wieder auf die Straße getragen werde - so wie im Dritten Reich. Er sei das seinen vier Kindern schuldig, schob er nach. „Ich möchte für die richtigen Ideen Entscheidungen treffen können, die manche mutig nennen“, fügte er an. Sein Credo sei:

In Demut gewählt

In Demut gewählt zu werden, andere Meinungen zuzulassen und immer daran zu arbeiten, im Team das Bestmögliche zu erreichen. Noch einmal spannte Hollstein den Bogen zurück zur Messerattacke im November 2017 und brachte sie in direkte Verbindung zu seiner Haltung in Sachen Flüchtlinge. 

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Es habe weit vor dem Angriff bereits zahlreiche Hassmails und -Posts gegeben, die er aber nicht ernst genommen habe. Und er bekräftigte noch einmal, dass sein damaliger Weg, mit all den Dingen an die Öffentlichkeit zu gehen, statt sich zurückzuziehen, auch heute noch für ihn der einzig richtige sei.

Nicht zurückziehen

„Es kann nicht sein, dass Menschen, die öffentliche Ämter bekleiden, für den Staat und die Gesellschaft arbeiten, attackiert, beleidigt, beschimpft und angegangen werden.“ 

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Die Geschehnisse in Chemnitz hat Altenas Stadtoberhaupt sehr genau beobachtet. Und er fügt im Gespräch an: „Ich sehe leider die latente Gefahr, dass sich Chemnitz auch an anderer Stelle im Land wiederholen könnte.“ 

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Ihm mache der Hass auf der Straße große Sorgen, der sich dort öffentlich gezeigt habe. Auch unter Beteiligung sogenannter ganz normaler Bürger, die sich in den Marsch von Rechten eingereiht hätten. Als Demokraten müsse man diesen Tendenzen entschieden gegensteuern.

Ein Blumenstrauß

Gefreut hat sich Hollstein gestern über Post, Telefonanrufe und einen Blumenstrauß von Mitarbeitern sowie „aus praktisch allen politischen Parteien.“ Beispielhaft nannte er den Fraktionschef der SPD im Landtag NRW, ebenso wie den CDU-Fraktionsführer. „Um 7 Uhr hat mir ein befreundeter Bürgermeister gratuliert. Da fing der Tag gleich gut an!“

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