Haftstrafe nach Missbrauch

Foto: Arne Dedert/dpa

ALTENA/HAGEN - Alter schützt vor Strafe nicht: Zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilte die 1. große Strafkammer des Landgerichts am Dienstag den 83-jährigen Altenaer, der seine Stiefenkelin mehrfach sexuell missbraucht hatte.

Damit folgte die Kammer dem Strafantrag von Staatsanwältin Ina Pavel, die in ihrem Plädoyer allerdings von einer etwas anderen Grundlage ausgegangen war: Sie hielt acht Fälle eines „einfachen“ sexuellen Missbrauchs für nachgewiesen.

In ihrer Anklageschrift war die Staatsanwaltschaft noch von 37 Taten ausgegangen. Fünf blieben aus Sicht des Gerichts als sichere Grundlage für die Verurteilung übrig. Es handelte sich dabei um Taten, die der Angeklagte schon im Ermittlungsverfahren eingeräumt hatte. Nach der Vernehmung des Mädchens gab es keine Zweifel mehr daran, dass sie zum Opfer von Taten geworden war, die sich am obersten Rand dessen bewegten, was das Strafgesetzbuch noch als einen „einfachen“ sexuellen Missbrauch von Kindern mit Strafe belegt. Zwar hatte die junge Zeugin auch von einem „Eindringen“ und Geschlechtsverkehr gesprochen, doch hielten die Richter diesen Vorwurf eines „schweren sexuellen Missbrauchs“ letztlich nicht für erwiesen.

Der Vorsitzende Richter Marcus Teich machte allerdings deutlich, dass die abgeurteilten Taten vermutlich nur die „Spitze eines Eisberges“ waren: „Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl der Übergriffe weit größer war.“ Dass die Kammer sich bei der Urteilsfindung nicht nur auf die Aussagen der Hauptbelastungszeugin stützte, lag in nachvollziehbaren „Unzuverlässigkeiten“ bei ihren Aussagen. Das betraf vor allem Orte des Geschehens, bei denen sie sich nicht immer sicher gewesen war. Diese Abweichungen seien „durchaus als gravierend zu bezeichnen“, sagte der Vorsitzende. Im Laufe der Vernehmungen sei zudem eine gewisse Tendenz zu bemerken, den Angeklagten stärker zu belasten.

Grundsätzlich gehe die Kammer aber davon aus, dass die Zeugin mit großer Konstanz seit den ersten Vernehmungen von den Geschehnissen berichtet habe. Ein mögliches Motiv für eine Falschbelastung ihres Stiefopas sei nicht zu erkennen.

Von einer verminderten Schuldfähigkeit des 83-Jährigen, die der psychiatrische Gutachter nicht ausgeschlossen hatte, ging das Gericht nicht aus. Eine beginnende Demenz habe nicht verhindert, dass er in einer relativ normalen Weise am familiären und sonstigen sozialen Leben teilnahm. Auch er selbst habe nicht von einer Einschränkung berichtet.

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