Burgrock: Große Enttäuschung trotz motivierter Bands

Jenix und Sängerin Jenny aus Zittau waren beim Burgrock motiviert bis in die Haarspitzen.

ALTENA ▪ Motivierte Bands, großartiges Wetter, aber die geringste Besucherzahl der gesamten Burgrock-Geschichte: Beim veranstaltenden Märkischen Kreis herrschen nach der 18. Auflage am Samstag Enttäuschung und Ratlosigkeit vor: Warum sind die Leute nicht gekommen?

550 zahlende Fans kamen in den Hof der Burg Altena, um sich die acht Bands anzusehen. 1200 Karten hätte der Kreis maximal verkaufen können. So spielten die Hauptbands des Abends, Jenix, Krypteria und Livingston, vor einem halb gefüllten Burghof, während der Auftritte der lokalen Bands war es größtenteils noch deutlich leerer.

Mehr Bilder vom Burgrock

Burgrock 2011

Dabei, da ist sich auch Kreis-Pressesprecher Hendrik Klein sicher, lag es nicht an den Bands. Die nämlich zeigten sich spielfreudig, souverän und begeistert vom Ambiente der Burg Altena. Die Stimmung unter den Fans war ebenfalls sehr gut – nur waren es derer deutlich zu wenige. „Das ist besonders enttäuschend für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die auch ihr Herzblut in das Festival stecken“, sagt Hendrik Klein. Wie es nun mit dem Burgrock weitergeht, dazu konnte er gestern noch nichts sagen. Sicher ist allerdings: Mit einer so geringen Besucherzahl schwinden die Argumente für das Burgrock gegenüber der Politik, die über die Bewilligung der Mittel entscheidet.

Vom späten Nachmittag bis nach Mitternacht gaben die Bands jedenfalls ordentlich Gas. Fünf regionale Bands läuteten den Tag ein, bevor die namhafteren Combos ihre Songs gegen die Burgmauern schmetterten.

Der Trumpf von Jenix aus Zittau heißt Jenny: Die kleine, zierliche, aber dafür umso beweglichere Frontfrau zieht die Blicke auf sich mit ihrer umtriebigen Art und ihrer großen Stimme. Der englischsprachige Pop-Rock geht anfangs auch gut ins Ohr und die Hüften, bevor sich die Band etwas in Beliebigkeit verzettelt. Die bemühten Balladen bekämen auf der Silbermond-Betroffenheits-Skala dann auch acht von zehn Punkten. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch, springt Jenny doch ins Publikum oder tönt mit der Flüstertüte. Applaus und Chart-Erfolg geben der Band Recht.

Mit BVB-Hymne, tiefen Gitarren und starkem Gothic-Touch gehen danach Krypteria auf die Bühne. Wie auch Jenix nutzt Sängerin Ji-In eine Kiste, um nicht so klein zu wirken. Ihre Stimme ist dafür umso größer, so auch ihre Motivation, mit der sie viele Fans mitreißt. Metallicas „Creeping Death“ spielen sie kurz an, überzeugen aber sonst auf ganzer Linie mit ihren eigenen Songs. Die Zugabe „I can‘t breathe“ beschließt das Konzert mit der besten Stimmung an diesem Samstag.

„Let‘s have some fun“ – damit schwören sich die Jungs von Livingston hinter der Bühne auf ihren Gig ein. Es ist der zweite an diesem Samstag, zuvor spielten sie bereits in Gronau. Von Müdigkeit ist allerdings nichts zu spüren. Zwar haben sich die Reihen im Publikum nach Krypteria doch recht deutlich gelichtet, die meist jungen und weiblichen Livingston-Fans harren aber aus und bejubeln ihre Lieblinge und deren unaufdringlichen Pop-Rock. Die Hitsingles „Go“ und „Broken“ kommen dabei genauso gut an wie ältere Nummern der Multi-Kulti-Truppe aus England, Italien, Deutschland und Südafrika.

Freudestrahlend entlässt Sänger Beukes die fans schließlich in eine laue Nacht und die Heimfahrt nach einem Festival, das mehr Besucher verdient hätte. ▪ pgö

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare