Vollsperrung bis September

Großbaustelle B236: Nächste Etappe beginnt

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Großbaustelle B236: Die Hälfte der Gasleitung ist bereits saniert.

Altena – Die Hälfte ist geschafft: 400 Meter Gasleitung sind saniert. Nun folgt Teil zwei auf der B236. Die  bleibt noch bis September gesperrt.

Die Arbeiten in der Bundesstraße 236 zwischen Altena und Werdohl schreiten voran. Leitungsnetzbetreiber Open Grid Europe saniert im Bereich des Finanzamtes Winkelsen auf einer Länge von 800 Metern unter Vollsperrung eine alte Gasleitung. 

Mehr als drei Millionen Euro fließen in das Projekt, das vor allem ein Ziel hat: die Grundversorgung zu sichern. Denn bei der Südwestfalenleitung handelt es sich um eine regional wichtige Versorgungstrasse für viele, insbesondere industrielle Abnehmer. 140 Kilometer ist die Südwestfalenleitung lang. 

Die Erneuerung war schon länger geplant. „Mehrere Jahrzehnte liegen die Rohre schon in der Erde“, erklärte Projektleiter Arno Benninghoff bei einer Ortsbegehung. Allerdings seien kritische Stellen, wie zum Beispiel die Schweißnähte der einzelnen Rohrelemente, mit der Zeit erneuert worden. Daher sei es schwierig, die Leitung auf ein Jahr zu datieren. 

Rohre werden komplett ausgetauscht

Ein kathodischer Korrosionsschutz, der das Rohr vor Rost schützt, wurde in den 1950er Jahren installiert. Die ältesten Leitungen der Open Grid stammen aus dem Jahr 1926. 

Zwischen Altena und Werdohl sollte zuletzt die Bitumen-Ummantelung erneuert werden, die das Stahl-Rohr vor äußeren Einflüssen wie Bewegungen im Erdreich schützt. Sie war in Mitleidenschaft gezogen worden. In dem Zuge entschied man sich dafür, die Rohre komplett auszutauschen, weil der Graben ohnehin ausgehoben werden musste.

Gasbaustelle an der B236: Betreiber gewährt Einblicke und zeigt Stand der Arbeiten

Die neuen Rohrelemente haben – wie schon die alten – einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Ein Stück Rohr ist entweder 12 oder 18 Meter lang. Das Gas wird mit einem Druck von acht Bar gefördert, mit der neuen Leitung sind theoretisch sogar 16 Bar möglich. 

Leitungen nicht nur für Gas

Durch die Südwestfalenleitung strömt aktuell noch L-Gas, eine Gassorte aus den Niederlanden. Die Energiedichte dieser Gasart ist etwas geringer als die des H-Gases aus Russland. So wie die gesamte Gasbranche arbeitet auch Open Grid deshalb, und weil die Gasressourcen in Holland zuneige gehen, an der Umstellung auf H-Gas.

Gasheizungen müssen dafür eventuell angepasst werden, denn L-Gas-Brenner laufen mit H-Gas nicht ordnungsgemäß. Im Bereich zwischen Altena und Werdohl soll die Umstellung voraussichtlich im Jahr 2024 geschehen. 

Sollte Gas als Brennstoff einmal abgelöst werden, könne die neue Leitung vermutlich auch mit Wasserstoff betrieben werden, erklärt Open-Grid-Sprecher Helmut Roloff. Für die Umstellung auf H-Gas muss die Straße 2024 nicht nochmal geöffnet werden. 

Rohre halten für immer - theoretisch

Bestenfalls nie wieder. Projektleiter Arno Benninghoff erklärt: „Die neue Leitung hat in der Theorie eine unendliche Lebensdauer.“ Dies liege unter anderem an der weiterentwickelten Fertigungsqualität. Die Schweißnähte, die sonst in anderen Konstruktionen als Schwachstellen galten, sind bei den neuen Gasleitungen „mindestens gleichwertig mit dem Ausgangswerkstoff der Rohre, eher sogar noch etwas besser“, sagt Benninghoff. 

Der Stahl sei besonders zäh und dadurch für unterirdische Bewegungen elastisch genug, um nicht zu brechen. Das Teilstück der Südwestfalenleitung in der B 236 hat jetzt eine andere Schutzummantelung: Sie ist nicht mehr aus Bitumen, sondern aus dem sehr dichten und widerstandsfähigen Kunststoff Polyethylen. 

Erster Abschnitt kurz vor Absschluss

Die neuen Rohre liegen zusätzlich in einem 20 Zentimeter breiten Sandmantel, den es zuvor nicht gab. Auch wurden sie nun etwas tiefer in den Boden gelegt, um sie vor Beschädigungen bei Tiefbauarbeiten zu schützen. „Wir unterziehen jedes Rohr einer 200-Prozent-Prüfung“, weist Helmut Roloff auf hohe Sicherheitsstandards hin. „Die Schweißnähte werden zuerst ultraschall- und dann röntgengeprüft.“ Zudem gebe es Dichtigkeits- und Festigkeitstests der Stahlrohre. 

Der erste Abschnitt, etwas weniger als 400 Meter, wurden bereits erfolgreich neu verlegt, berichtet Arno Benninghoff. Noch bis Ende dieser Woche soll diese Strecke vom Finanzamt bis zum Ende der Baustelle auf Altenaer Seite fertiggestellt sein. 

Die Straße wird in dem Bereich bereits asphaltiert – genau die Hälfte einer Fahrspur, damit Autos später nicht auf einer Naht fahren. Auch der Gehweg wird im Zuge der Maßnahme erneuert. Benninghoff: „Es wird später alles mindestens genauso schön sein wie vorher, für die Fußgänger wird es sogar noch schöner.“ 

Gas fließt von zwei Seiten zu Verbrauchern

Noch bis zum 8. September sollen die Arbeiten unter Vollsperrung dauern, die sich nun auf den Bereich ab dem Finanzamt in Richtung Werdohl konzentrieren. Bislang liege man im Zeitplan, da ein Puffer eingeplant war, erklärt Benninghoff. 

Die Stadtwerke hätten sich mit eingeklinkt und zwei kleinere Baustellen eingerichtet. Helmut Roloff: „Besser so, als dass die Straße ein zweites Mal geöffnet wird, wenn sie fertig ist.“ Die Verbraucher werden aktuell von zwei Seiten, nämlich von Werdohl und Altena aus mit Gas versorgt, sodass der stillgelegte Abschnitt nicht gebraucht wird. Die neue Leitung wird nach Fertigstellung wieder an das Versorgungsnetz angeschlossen und in Betrieb genommen.

Derweil hat auf der Umleitung der Gasbaustelle an der B236 die Arbeit gerade erst begonnen. Sie ist auch dicht.

Zudem ist die B236  auch an anderen Stellen zeitweise immer wieder wegen Unfällen komplett gesperrt.

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