Griechenland-Hilfe: Nur die armen Leute zahlen

ALTENA - Wie viele Milliarden an Euro-Hilfe bisher schon geflossen sind, kann niemand auf Anhieb sagen. Aber die Situation in der Heimat nimmt viele Griechen, die in Altena eine neue Bleibe gefunden haben und als Geschäftsleute tätig sind, sehr mit. Und häufig fühlen sie sich zu Unrecht von Mitbürgern an den Pranger gestellt, die die erneuten Finanzspritzen oft mit drastischen Worten kritisieren und kommentieren.

„Mein Bruder ist Polizist. Er musste schon Gehaltskürzungen von 30 Prozent hinnehmen. Es kommt noch so weit, dass er für einen Euro die Stunde arbeitet“, sagt Pashalis Tolidis. Der Betreiber der Imbissstube El Greco ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Es gehe nur darum, die Banken zu retten. „Das ganze ist ein übles Spiel zu Lasten der kleinen Leute“, sagt er. Weltweit gäbe es über 40 Billionen Euro Schulden, „aber wir Griechen werden jetzt wie eine Sau durchs Dorf getrieben.“ Den 36-Jährigen ärgert, dass immer wieder so getan werde, als komme der deutsche Steuerzahler direkt für die Hilfsgelder auf. „Die Leute sind unwissend. Richtig ist doch, dass es jetzt Bürgschaften gibt, mehr nicht.“ Tolidis kann sich durchaus vorstellen, den Euro wieder aufzugeben. „Dann müssten aber alle Staaten raus, zurück zu ihren alten Währungen.“

Die Politiker zu Hause interessiere nicht, wie es dem Volk gehe, merkt Lazaros Oustabassidis an. Der Wirt der Taverne fühlt sich „als Deutscher. Mensch, ich lebe hier 47 Jahre.“ Zu Hause würde er schon immer mit „der doofe Deutsche“ begrüßt. Die laufenden Probleme bade nur das Volk aus, „nur die armen Leute bluten“.

Griechenland ist ein schönes Land, an sich ein sehr reiches Land. Fast jeder hat einen Garten, ein eigenes Haus. Und jetzt das, sagt Imbiss-Chefin Vasiliki Melissopulu, die alle in Altena nur als Maria vom Grill am Markaner kennen. Ihre Verwandten in der Heimat spürten die rigiden Sparbeschlüsse, müssten sich ganz schön strecken. „Ich sage einfach: Lasst Griechenland pleite gehen, dann kann die Politik mal machen.“

Litza Apostolidis vom Café Kouressis wird immer mal wieder von Gästen auf die Griechenland-Hilfe angesprochen. „Und ehrlich, manchmal auch schon etwas böse“, sagt sie. Sie glaubt nicht, dass eine Rückkehr zur Drachme die Probleme zu Hause lösen könnte. Auch sie hat den Eindruck, dass die gesamten Sparmaßnahmen auf Kosten der kleinen Leute durchgezogen werden. „Die werden einfach geschröpft, das tut mir schon leid“. Entsprechend unterstützt sie ihre Verwandten zu Hause.

Elena Bougouklis (Gaststube bei Elena): „Ich lebe 40 Jahre in Altena. Lass mich mit der Politik in Ruhe.“ Sie fühle sich wie eine Deutsche, lebe hier gern und habe keine Probleme im Umgang mit den Altenaern. „Und das soll auch so bleiben.“

von Johannes Bonnekoh

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